Kolumne: Wie sieht die Zukunft des Motorsports aus?

Wie sieht der Motorsport wohl im Jahr 2030 aus? Diese Frage haben wir den Designern von heute gestellt, um ihre Vision für die Zukunft zu erhalten.

„Es besteht immer die Möglichkeit, anstelle eines furchtbaren Designs ein gutes Design zu entwerfen.“

An diesen Satz denke ich oft. Er stammt von Peter Stevens, der sowohl den Straßenwagen McLaren F1 als auch den Jaguar XJ220 entworfen hat – zwei ganz außergewöhnliche und legendäre Fahrzeuge. Und auch seine sportliche Bilanz liest sich vortrefflich: Stevens war in die Entwicklung des Subaru Impreza WRC und des Le-Mans-Siegerautos BMW V12 LMR involviert.

Vor ein paar Jahren nahm er Kontakt zu mir auf, weil ihm die damals neuen Formel-1-Regeln mit optisch fragwürdigen Nasenkreationen sauer aufstießen. Bei mir bekam er die Gelegenheit, Dampf abzulassen. Sein Eindruck war und ist: Formel-1-Autos sollten so schön wie möglich aussehen und gleichzeitig das Leistungsstärkste sein, was es gibt.

Ich sehe es wie er: Die Königsklasse des Motorsports sollte auch bei ihrem Design absolute Spitze sein. Und gerade im Bereich Aerodynamik ist die Formel 1 wirklich führend.

Es ist sehr faszinierend, die aktuellen Entwicklungen bei Front- und Heckflügeln, Luftleitblechen und Monkey-Seats zu verfolgen. Und dank unseres Technikexperten Giorgio Piola können wir das auch anschaulich tun. Aber ich denke, unser Sport lässt da einiges an Potenzial brachliegen.

Gutes Design kurbelt das Geschäft an

Erst kürzlich habe ich mit Nick Downes gesprochen. Er hat die coolen Designs der Jordan-Autos aus den 1990er-Jahren entwickelt, wie zum Beispiel die Schlange an der Nase. Und er meinte: Es sei schon ironisch, wie wenig risikobereit die Formel 1 heutzutage sei, wenn es um Designfragen gehe. Und das bei einer Sportart, die Risiken in ihrer DNS trägt!

Downes‘ Einstieg in den Motorsport kam übrigens auf kuriose Art und Weise zustande: Er schrieb vor 30 Jahren einen Brief an Hersteller, Formel-1-Teambesitzer und Bernie Ecclestone. Darin legte er den Genannten nahe: „Gutes Design kurbelt das Geschäft an.“ Und meiner Meinung nach hat er bis heute Recht damit.

Ecclestone hat auch geantwortet. Und Nick entwarf daraufhin das bekannte Formel-1-Logo.

2009 startete die Formel 1 in ein neues Designzeitalter, mit größeren Frontflügeln, kleineren Heckflügeln und mit dem Verbot von Zusatzwinglets. Damit stellte die Rennserie unter Beweis, dass es auch anders geht. Es dauerte aber nicht lange, bis all diese kleinen Aero-Hilfsmittel wieder auftauchten.

Sollten Prototypen an Designstudien angelehnt werden?

Man sehe sich nur einmal die Königsklasse der Sportwagen an, die Langstrecken-WM (WEC). Die LMP1-Spitzenautos sehen aus wie eine Formel 1 mit Dach.

Natürlich ist auch hier die Aerodynamik absolut Trumpf. Aber sehen die Fahrzeuge nicht immer schrecklicher aus? Wo ist die einfache Schönheit eines Gruppe-C-Autos nur hin?

Der Kontrast wird umso deutlicher, wenn man die LMP1-Fahrzeuge ihren Cousins aus der GTE-Klasse gegenüberstellt. Man könnte zum Beispiel den Porsche 919 Hybrid und den 911 RSR hernehmen.

Natürlich: Sinn und Zweck eines Prototyps ist es, als Forschungsplattform zu dienen, um den Technologietransfer in Richtung Straßenautos herzustellen. Aber sollte da nicht auch mutiges Design und Experimentierfreudigkeit eine Rolle spielen? Bei Autoshows kriegen wir ja oft futuristische Designstudien zu sehen. Sollten eben diese nicht die Marschrichtung für den Motorsport vorgeben?

Der 911er wiederum ist ein legendäres Design, das unzählige Male neu aufgelegt wurde. Dennoch ist es zeitlos schön und sieht immer wieder einmalig aus. Selbst wenn man nur beiläufig hinsieht, erkennt man doch einen Unterschied zu einer Corvette oder zu einem Aston Martin Vantage oder zu einem Ferrari 488.

NASCAR hat eine ganz andere Herangehensweise als die Formel 1 oder die LMP1-Klasse. Rein optisch, von der Fahrzeugform her, ist man dort näher dran an GTE-Sportwagen.

Damit Stock-Cars ihrem Namen gerecht werden, müssen die Hersteller die Rennautos an die Straßenversionen anlehnen. Und spezifische Designmerkmale wie der Kühlergrill oder bestimmte Linienführungen sind wesentliche Merkmale einer jeden Modellreihe – auf der Straße wie im Motorsport.

Schlussfolgerung

Die Funktion ist wichtiger als die Form. Diese Beschreibung hat den Motorsport lange genug dominiert. Ist es nicht langsam an der Zeit, eine Umkehr einzuleiten?

Es könnte zum Beispiel Bereiche eines Fahrzeugs geben, die tabu sind für die Aerodynamik-Spezialisten. Vielmehr sollten Designer ans Werk gehen dürfen, um schönere, ansprechendere Formen zu kreieren.

Deshalb haben wir einige Designer gebeten, ihre Vision vom Motorsport im Jahr 2030 zu entwerfen und aufzuzeigen, wie die Fahrzeuge der Formel 1, LMP1 und NASCAR dann aussehen könnten.

Ob diese Ideen besser sind als das, was aktuell auf der Strecke ist? Das soll jeder für sich entscheiden…

* Das LMP1-Design von Mark Hostler wurde bei der Michelin Design Challenge 2017 eingereicht. Hostler hat Fahrzeugdesign an der Universität Staffordshire studiert.

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