Todts Kampagne für sicheren Straßenverkehr: „Wir haben die Lösungen“

FIA-Präsident Jean Todt ist davon überzeugt: Die Sicherheit im Straßenverkehr kann verbessert werden. Und das rettet Menschenleben. Aber nur, wenn Todts Botschaft nicht mehr länger ignoriert wird, wie Kate Walker erklärt.

Die Anzahl von Verletzten und Toten durch Unfälle im Straßenverkehr stehen den Opferzahlen von Krankheiten wie Aids, Malaria oder Tuberkulose in nichts nach. Doch tödliche Unfälle auf den Straßen werden weiter als „Kollateralschaden“ der immer stärker motorisierten Welt hingenommen.

Tatsache ist jedoch: Alle drei Minuten verunglückt ein Kind tödlich im Straßenverkehr. Das sind 500 pro Tag und 186.000 pro Jahr. Eine schockierende Zahl. Und zu denken, dass diesem Trend kein Ende gesetzt werden kann, ist falsch. Das hat FIA-Präsident Todt am Donnerstag in Mexiko-Stadt beim Forum für Sicherheit im Straßenverkehr noch einmal nachdrücklich betont.

„Wir haben die Lösungen“, sagt Todt. „Wir können Verkehrsunfälle in der Umgebung von Schulen dramatisch verringern. Das ist keine Fantasie, sondern nur eine Frage des Wollens.“

„Es gibt Beispiele, die durch die richtige politische Unterstützung herausragende Fortschritte erzielt haben. In den frühen 1990er-Jahren fanden in Südkorea mehr als 1.500 Kinder auf dem Weg zur Schule den Tod. Seit 2010 liegt diese Zahl unter 100. Die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle unter Schülern ging also um 95 Prozent zurück. Aber es sind noch immer 100 tote Kinder zu viele.“

FIA-Präsident Todt schilderte den einfachen, aber effektiven Lösungsansatz, wie er in Südkorea Verwendung findet: Es wurden mehr als 13.000 Schulzonen geschaffen, in denen ein Tempolimit von 30 km/h gilt. Bodenschwellen und Überwachungskameras sorgen dafür, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung auch eingehalten wird.

Außerdem müssen die Kinder zehn Stunden pro Jahr an einer Verkehrsschulung teilnehmen. Und wer als Verkehrsteilnehmer in einer Schulzone einen Autounfall verursacht, bezahlt die doppelte Strafsumme und wird vor Gericht gestellt.

„In Südkorea“, sagt Todt, „wurde die Sicherheit von Kindern in der direkten Umgebung der Schule zu einer nationalen Frage erhoben. Wir müssen sicherstellen, dass das auch jede andere Regierung der Welt so umsetzt.“

Große Fortschritte in Mexiko

In Mexiko wird fieberhaft daran gearbeitet, Standards im Straßenverkehr zu verbessern. Denn dort stellen Verkehrsunfälle die häufigste Todesursache für Kinder im Alter von fünf bis neun Jahren dar.

Berühmte Persönlichkeiten aus dem Motorsport um Sergio Perez, Esteban Gutierrez, FIA-Vizepräsident Jose Abed und Carlos Slim Domit haben sich mit den lokalen Vertretern der Regierung wie den Verkehrsministern Fernando Martinez Badillo und Yuriria Mascott Perez zusammengetan, um für mehr Sicherheit im Straßenverkehr zu werben.

Doch jeder einzelne kann etwas dazu beitragen, indem er sein eigenes Verhalten im Straßenverkehr auf den Prüfstand stellt. Denn um weltweit eine Veränderung zum Besseren herbeiführen zu können, braucht es auch ein weltweites Engagement und weltweite Maßnahmen, erklärt Todt.

„Jeder muss seinen Teil dazu tun“, sagt der FIA-Präsident. „Auf nationaler Ebene sind die Regierungen gefragt, denn ihnen obliegt die Verantwortung und nur sie haben die Möglichkeit, neue Gesetze einzuführen und in die Tat umzusetzen. Doch Vereine und der Automobil-Weltverband müssen dabei eine Führungsrolle einnehmen.“

„Auf regionaler Ebene müssen wir Banken und andere Institutionen dazu ermutigen, mehr Daten zu sammeln“, meint Todt. Die mittelamerikanischen Bemühungen von IBD und OISEVI hätten bereits ihren Teil dazu beigetragen, Gelder in die entsprechenden Kanäle zu leiten. Außerdem sei man dazu bereit, von anderen Ländern zu lernen, so Todt weiter.

„Wir müssen auch daran arbeiten, dass Sicherheit im Straßenverkehr zu einer Priorität in alle Regierungsprogramme weltweit aufgenommen wird. Die Regierungen müssen ihrer Rolle gerecht werden, indem sie klare Regeln schaffen, deren Umsetzung überwachen und ihre Fortschritte genau dokumentieren.“

„Wir können diesen Kampf gewinnen“, sagt Todt. „Ich weiß, dass wir mit politischem Willen, Zusammenarbeit, Offenheit und Geld dazu in der Lage sind, diese Aufgabe zu meistern.“

Eine Botschaft, die sich verbreiten muss

Wie Todt weiter ausführt, sei es schon immer ein Problem gewesen, ein „unattraktives“ Thema wie Sicherheit im Straßenverkehr zu fördern. Dabei liegen die Antworten auf die meisten Fragen dazu bereits vor.

„Die Sicherheit im Straßenverkehr leidet darunter, dass zu wenige Ressourcen dafür aufgewendet werden“, meint Todt. „Zudem wird dieses Problem zu wenig thematisiert. Priorität hat daher, eine innovative und zugleich nachhaltige Finanzierungslösung zu entwickeln.“

„Man stelle sich nur einmal vor, pro verkauftem Auto würde ein Euro in einen Fonds für Sicherheit im Straßenverkehr eingezahlt werden. Und nun stelle man sich vor, bei jeder Mietwagenbuchung würden ein paar Cents ebenfalls in diesen Fonds wandern. Bei der Autoversicherung ebenfalls, auch beim Reifenkauf, bei Navigationssystemen und dergleichen mehr. Jährlich werden 75 Millionen Autos verkauft. Damit ließe sich die Finanzierung dieses Großprojekts entscheidend verbessern.“

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Rennserien Automotive
Fahrer Jean Todt
Artikelsorte Feature
Tags fia, road safety