Nico Müller

Kolumne von Nico Müller: Nun will ich noch ein paar Highlights setzen

In seiner neuen Kolumne für Motorsport.com erklärt der Schweizer Audi Werksfahrer, warum er mit sich in der DTM 2017 noch nicht zufrieden ist und wieso er sich nach den 24 Stunden Spa auf ein paar Ferientage an der Sonne freut.

Voller Vorfreude schaute ich dem DTM-Rennen auf dem Norisring entgegen. Vor einem Jahr hatte ich dort meinen ersten Sieg gefeiert. Leider ging es nicht so aus, wie ich es mir erwartet hatte...

Im Qualifying am Samstag brachte ich auf der kurzen Strecke, auf der wir uns stets im Tausendstelbereich bewegen, im Verkehr leider keine perfekte Runde hin und landete auf Startplatz 10. Im Rennen war es dann zunächst nass, sodass man den optimalen Zeitpunkt zum Reifenwechsel treffen musste. Seit dieser Saison müssen wir diese Entscheidung selbst fällen, weil für solche strategischen Eingriffe kein Funkverkehr mehr erlaubt ist. 

Bei mir klappte das eigentlich recht gut. Allerdings kam ich nach dem Boxenstopp nicht an meinem Audi-Kollegen Jamie Green vorbei. Schade, denn mein Setup war eher auf trocken ausgelegt und darum war ich recht schnell. Mehr als Platz 9 war für mich dadurch nicht drin. 

 

Am Sonntag fing alles gut an. Ich war wie im letzten Jahr Dritter im Qualifying und lustigerweise stand auch Tom Blomqvist wie damals wieder auf der Pole Position. Das Setup war aber eher jedoch Richtung Qualifying ausgelegt und wir wussten, dass es für mich im Rennen schwieriger werden würde.

Ich blieb während der ersten Runden Dritter, habe dann aber mit einem frühen Stopp taktisch nicht die beste Entscheidung getroffen. Ich folgte dem Beispiel von Lukas Auer, der als Erster in die Box abgebogen war, wollte damit unbedingt vor ihm bleiben. 

Doch auf dem Norisring benötigt man mehrere Runden, um die Reifen wirklich auf Temperatur zu kriegen und daher verlor ich nach dem Boxenstopp relativ viel Zeit. Nach einer Berührung mit Bruno Spengler lag mein Audi nicht mehr perfekt auf der Strecke und somit hab ich nur noch zugesehen, dass ich heil ins Ziel komme. Mein Fazit: Nachdem ich im Qualifying der beste Audi-Fahrer war, habe ich in Nürnberg sicher zu wenig daraus gemacht.

Die erste Nullnummer in dieser Saison

In Russland ging es ähnlich weiter. Im Training passte der Speed, doch im Qualifying konnte ich mich mit dem zweiten Reifensatz aber wegen einer gelben Flagge kaum verbessern. Auf dem Moscow Raceway hat man mit frischen Pneus eine einzige Runde für eine schnelle Zeit. Für mich reichte diese nur zum 13. Startplatz. Als ich dann beim Vorspannen der Kupplung am Start ganz leicht anrollte, erhielt ich deswegen eine 5-Sekunden-Strafe. Fatal, denn bei dieser Leistungsdichte wirst du damit gleich nach hinten gereicht.

Im Qualifying am Sonntag ging mit dem zweiten Reifensatz gar nichts mehr. Auch Jamie und Rocky hatten unerklärlicherweise plötzlich keinen Grip mehr. So stand ich nur auf P14 und hoffte auf eine effiziente Strategie im Rennen. 

 

Leider kam es genau in dem Moment eine Safety-Car-Phase, als ich etwa zur Rennmitte zum Reifenwechsel hereinkommen wollte. Wir passten die Strategie kurzfristig an. Ich blieb lange draussen und hoffte darauf, dass nochmals etwas auf der Strecke passiert und uns dies dann in die Karten spielen würde. Doch dem war nicht so und ich blieb zum ersten Mal in diesem Jahr an einem Rennwochenende ohne jegliche Punkte. Die beiden Juli-Rennen in der DTM waren für mich also etwas frustrierend.

Ausgezeichnetes Rennen ohne Belohnung

Umso mehr freute ich mich auf die 24 Stunden von Spa, die ich wie schon die 24 Stunden Nürburgring in diesem Jahr mit dem Audi Sport Team WRT bestritt. Von meiner Seite habe ich in Belgien eines meiner besten Langstreckenrennen überhaupt ohne den geringsten Fehler abgeliefert. Leider gab es dafür keinen Pokal... 

 

Wir waren mit unserem Audi R8 LMS stets in der Spitzengruppe dabei, bis wir uns am Sonntag eine zweite zeitraubende Durchfahrtsstrafe eingebrockt haben. Ein Problem mit einem Tankventil der Zapfanlage hat uns dann definitiv einen Podestplatz gekostet. Wenn man so lange um den Sieg kämpft und dann trotzdem leer ausgeht, ist das enttäuschend. Aber so ist der Rennsport. 

Den möchte ich nun für ein paar Tage vergessen, denn ich freue mich auf die kommenden Ferien auf einer griechischen Insel, um meine Batterien aufzuladen. Dann kehre ich gestärkt am dritten August-Wochenende in Zandvoort in die DTM zurück. Dass meine Audi Kollegen Mattias Ekström und René Rast die Meisterschaft nur durch einen Punkt getrennt anführen, zeigt, dass wir 2017 wieder ein absolut konkurrenzfähiges Auto haben.

Ohne meine kleinen Fehler hätte ich also selbst die Chance gehabt, ganz vorne mitzufahren. Aber das will ich nun in der zweiten Saisonhälfte unbedingt nachholen und ein paar Highlights setzen. An der Performance liegt es auf jeden Fall nicht.

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Über diesen Artikel
Rennserien BES , DTM
Veranstaltung 24h Spa
Unterveranstaltung Nach dem Rennen, Sonntag
Rennstrecke Spa-Francorchamps
Fahrer Nico Müller
Teams Audi Sport Team WRT , Team Abt
Artikelsorte Kolumne
Tags audi, schweiz
Topic Nico Müller