Diskussionen über ungenaues Dakar-Roadbook: Audi legt keinen Protest ein

Der schwierige Navigationspunkt in der ersten Dakar-Etappe hat buchstäblich viel Staub aufgewirbelt - Sven Quandt ist verärgert und fordert genaueres Roadbook

Diskussionen über ungenaues Dakar-Roadbook: Audi legt keinen Protest ein

Hinter den Kulissen der Rallye Dakar gab es seit der ersten langen Etappe am vergangenen Sonntag viele Diskussionen. Es ging um das Roadbook des Veranstalters. Bei Kilometer 257 hatten sich unzählige Teilnehmer verfahren und suchten sehr lange nach dem richtigen Weg.

Es betraf Fahrer in allen Kategorien. Prominentestes "Opfer" war Audi-Pilot Carlos Sainz, der an dieser Stelle rund zwei Stunden verloren hat. Audi hat sogar einen offiziellen Protest überlegt, dann aber doch keinen eingereicht.

Das Roadbook der ersten Etappe besagte bei Kilometer 257, dass man nach einer Weggabelung 200 Meter in Richtung 42 Grad fahren sollte. Dann sollte eine weitere Weggabelung folgen, die man in Richtung zehn Grad fahren musste. Anschließend sollte man dem Hauptweg folgen.

Die Verwirrung entstand, weil dieser Hauptweg nach 800 Metern die Richtung änderte. Sven Quandt, der über Q Motorsport das Audi-Projekt betreut, ärgerte sich über diesen Umstand, denn seiner Meinung nach war das Roadbook nicht genau genug.

"Wir hatten viele Gespräche und sind immer noch der Meinung, dass das Roadbook nicht richtig war", hält Quandt fest. "Wenn eine durchschnittliche Richtung von zehn Grad vermerkt ist, man dann aber Richtung 280 Grad fahren muss, dann ist die Differenz etwas groß."

"Viele Teilnehmer haben sich verfahren. Das ist das Überraschende. Momentan akzeptiert das der Veranstalter nicht und sagt, dass er alles richtig gemacht hat. Das ist schade, denn so sollte man nicht Rennen fahren", findet der Deutsche.

Wortgefecht zwischen Sven Quandt und David Castera

Die Kontroverse wurde zusätzlich befeuert. Gegenüber dem spanischen Fernsehsender 'TVE' meinte Quandt: "Es ist witzig, dass nur ein Auto den richtigen Weg genommen hat. Sie müssen irgendeine Information gehabt haben, denn sonst hätte man diesen Weg nicht finden können."

Unterstellte er damit Nasser Al-Attiyah und dessen Co-Piloten Matthieu Baumel, dass sie die Strecke vorab gekannt haben? Direkt dahinter war Sebastien Loeb den Spuren des Toyota gefolgt. Deshalb konnten sich beide nach dem ersten Tag im Gesamtklassement absetzen.

Am Montag präzisierte Quandt jedoch seine Worte: "Ich habe das so nicht gemeint. Ich habe lediglich gesagt, dass nur zwei Autos keinen Fehler gemacht haben und dem richtigen Weg gefolgt sind - so wie einige Motorräder. Vielleicht sind sie super clever und haben es sich verdient."

Sven Quandt

Sven Quandt war mit dem Roadbook von Etappe 1 nicht glücklich

Foto: Audi

Als Rallye-Direktor David Castera von Quandts Unterstellungen erfuhr, reagierte er erbost. "Ich finde es ziemlich schockierend, solche Anschuldigungen zu machen und keine Beweise zu haben", wird Castera von 'AFP' zitiert.

"Matthieu kann die Karte gar nicht haben, er kann die Route nicht vorab studieren. Laut Sven Quandt hat er vielleicht die Route bekommen. Aber um dieser Route folgen zu können, braucht man ein Smartphone oder ein GPS-Gerät. Das ist verboten."

"Seit zwei Jahren haben wir in den Autos Videoüberwachung. Es gibt Ansichten auf die Crews von vorne und von hinten. Wir können während der kompletten Etappe ihre Hände sehen", hält Castera fest. "Mein Team hat sich die Passagen angesehen und keine Ungereimtheiten festgestellt."

Reglement lässt keinen Protest zu

Nachdem das provisorische Ergebnis der ersten Etappe veröffentlicht worden war, hätte Audi theoretisch 24 Stunden Zeit gehabt, um dagegen formell Einspruch einzulegen. Die Deadline war am Montag 17:30 Uhr Ortszeit in Saudi-Arabien (15:30 Uhr deutscher Zeit).

Artikel 14.2.1 des Sportlichen Reglements besagt, dass das "Roadbook von Profis erstellt und kontrolliert wird". Und dass "kein Protest gegen die Anweisungen des Roadbooks eingelegt" werden kann. Somit waren Audi formal die Hände gebunden.

"Die Regeln besagen, dass man keinen Protest gegen das Roadbook einlegen kann", sagt Quandt. "Aber wenn sie so einen Fehler machen, dann macht es das Leben für uns sehr schwierig. Das Roadbook sollte viel akkurater sein."

Mit Bildmaterial von Audi.

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