"Schlimmste Rallye Dakar": Heftige Kritik von Truck-Fahrer Hans Stacey

Streit um Startposiiton und das Geld für die Organisatoren als Prio 1: Hans Stacey bezeichnet die 2017er-Auflage der Rallye Dakar in Südamerika als die organisatorisch schlechteste, die er je bestritten hat.

"Schlimmste Rallye Dakar": Heftige Kritik von Truck-Fahrer Hans Stacey
#504 Man: Hans Stacey, Jan van der Vaet, Hugo Kupper
Hans Stacey
#504 MAN: Hans Stacey, Jan Van Der Vaet, Hugo Kuppen
#508 Man: Marcel van Vliet, Marcel Pronk, Artur Klein
#504 MAN: Hans Stacey, Jan Van Der Vaet, Hugo Kuppen
#508 Man: Marcel van Vliet, Marcel Pronk, Artur Klein
Hans Stacey
#504 MAN: Hans Stacey, Jan Van Der Vaet, Hugo Kuppen
#504 MAN: Hans Stacey, Jan Van Der Vaet, Hugo Kuppen
#504 Man: Hans Stacey, Jan van der Vaet, Hugo Kupper
#504 MAN: Hans Stacey, Jan Van Der Vaet, Hugo Kuppen
#504 MAN: Hans Stacey, Jan Van Der Vaet, Hugo Kuppen
#506 Man: Hans Stacey, Serge Bruynkens, Jan van der Vaet
#504 MAN: Hans Stacey, Jan van der Vaet, Hugo Kupper
#503 MAN: Hans Stacey
#506 Man: Hans Stacey, Serge Bruynkens, Jan van der Vaet
Hans Stacey
#506 Man: Hans Stacey, Serge Bruynkens, Jan van der Vaet

Im Jahr 2007 triumphierte Hans Stacey in der Truck-Wertung der Rallye Dakar. Damals fand der Wüstenklassiker noch in Afrika statt. Seit 2009 wird in Südamerika gefahren. Laut Stacey aber war die Organisation der Rallye noch nie so schlecht wie bei der am Samstag zu Ende gegangenen 2017er-Auflage.

Bildergalerie: Hans Stacey bei der Rallye Dakar 2017

Nachdem Stacey auf Etappe 8 am Dienstag 2 Stunden verloren hatte, weil es an seinem MAN einen Getriebeschaden gab, hätte er Etappe 10 am Donnerstag (Etappe 9 wurde abgesagt) von Position 13 starten dürfen. Doch die Organisatoren machten ihm einen Strich durch die Rechnung.

Streit um Startposition für Etappe 10

"Am Mittwochabend kamen wir nach einer 1.100 Kilometer langen Verbindungsetappe ins Biwak und erhielten die Startliste, anhand der wir als 99. hätten starten sollen", berichtet Stacey im Gespräch mit Motorsport.com.

In diesem Zusammenhang verweist der 58-jährige Niederländer auf die großen Gefahren, wenn hinter zahlreichen langsameren Fahrzeugen gestartet werden muss. Genau aus diesem Grund gibt es in der Truck- und auch in der Auto-Wertung die Regel, dass jeder Fahrer im Verlauf der Rallye dreimal von einer Ausnahme Gebrauch machen darf und nach technischen Problemen tags darauf weiter vorn starten darf, konkret am Ende der Gruppe von Fahrzeugen, die dem eigenen Tempo entsprechen. Am Donnerstag wurde Stacey dieses Recht aber verwehrt.

"Es ist sehr gefährlich, denn der Geschwindigkeitsunterschied kann bei 80 bis 90 km/h liegen. Ich hätte beinahe einen Jeep erwischt. Das kann man auf den Fernsehbildern erkennen. Er bremste im Staub. Ich hatte 130 km/h drauf", schäumt Stacey.

Mehr noch: "Schließlich sagten sie mir: 'Okay, wir haben einen Fehler gemacht. Wir haben vergessen, dich auf die Liste aufzunehmen.'" So durfte Stacey dann doch hinter den führenden Kamaz-Trucks starten – allerdings nur theoretisch. "Nachdem wir die 160 Kilometer zu Beginn der Etappe absolviert hatten, waren wir bereit für die Wertungsprüfung. Wir hatten Helm, Feuerschutzhaube und HANS angezogen. Dann aber sagten sie: 'Stopp! Ihr dürft nicht starten!'", schüttelt Stacey den Kopf.

Stacey platzt der Kragen

Staceys französisch sprechender Mechaniker Hugo Kuppen, der neben Beifahrer Jan van der Vaet ebenfalls im roten MAN mit der Startnummer 508 sitzt, führte laut Stacey "eine 20-minütige Diskussion". Das Ende vom Lied: "Die Kamaz fuhren los und zu diesem Zeitpunkt hatten wir natürlich unseren Zeitstempel von der Organisation. Die Zeit lief, aber nach 20 Minuten Diskussion wurde es uns nicht erlaubt, zu starten."

In seinem Ärger stellte Stacey seinen Truck quer auf die Straße, fuhr kurze Zeit später an die Seite und gab die Etappe auf. "Sie taten nichts. Da sagte ich, dass es so keinen Sinn ergibt, weil es viel zu gefährlich ist. Eine Stunde später erhielten wir einen Anruf, dass wir 'eine halbe Stunde nach dem letzten Auto' starten dürften."

Was Stacey dabei am meisten aufregt: "Sie verstehen nicht, dass die Geschwindigkeiten der schnellsten Trucks unglaublich hoch sind, vor allem im Sand. Die anderen Teilnehmer rechnen überhaupt nicht mehr mit uns. Und und die Zuschauer rechnen auch nicht mehr mit uns. Das ist noch viel gefährlicher."

Nachdem er sich eigener Aussage zufolge "ein halbes Jahr lang 8 Stunden pro Tag vorbereitet hatte", konnte Stacey die Tränen kaum zurückhalten: "Ich bin stinksauer. Ich könnte heulen. Ich heule nie, aber insbesondere für meine 4 Mechaniker und für eine Crew tut es mir leid."

Vor Beginn der Freitagsetappe (Etappe 11) hatten die Dakar-Organisatoren schließlich ein Einsehen und berechneten Stacey für die verpasste Wertungsprüfung am Donnerstag eine nominale Zeit. So fuhr Stacey die Rallye Dakar 2017 doch noch zu Ende und beendete sie nach 12 Etappen mit 4 Stunden Rückstand auf den siegreichen Kamaz-Fahrer Eduard Nikolaev auf Platz 9.

"Thierry Sabine würde sich im Grab umdrehen"

Doch das Hin und Her rund um seine Startposition am Donnerstag war für Stacy nur der Gipfel: "Die ganze Rallye ist schlecht organisiert. Es ist meine 12. Rallye Dakar und bei dieser liefen viele Dinge nicht korrekt. Wir erhielten nicht die Informationen, die wir gebraucht hätten. Vieles ist schlecht organisiert."

"Eine Entschuldigung werde ich nicht akzeptieren, denn es geht nur ums Geld. Sie ließen uns nur des Geldes wegen nach La Paz fahren. Früher ging es um den Sport, nicht ums Geld. Inzwischen aber geht es nur noch darum, dass die Organisation ihr Geld bekommt", sagt Stacey und merkt an: "Sabine (Dakar-Gründer Thierry Sabine; Anm. d. Red.) würde sich im Grab umdrehen."

So kommt Stacey zum Schluss: "Diese, meine 12. Rallye Dakar, war die mit der schlechtesten Organisation überhaupt. Und damit meine ich alle Rallyes, die ich bestritten habe, auch kleinere."

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