"Am Anfang sehr schwierig": So landete Kelvin van der Linde in Deutschland

Kelvin van der Linde bemüht sich um die deutsche Staatsbürgerschaft: Wie es dazu kam, dass er als 16-Jähriger seine Heimat verließ und in Kempten sesshaft wurde

"Am Anfang sehr schwierig": So landete Kelvin van der Linde in Deutschland

Abt-Pilot Kelvin van der Linde bemüht sich um die deutsche Staatsbürgerschaft. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass der in Johannesburg geborene Sohn der südafrikanischen Tourenwagen-Legende Shaun van der Linde im Jahr 2013 seine Heimat verließ und seit acht Jahren in Deutschland lebt?

"Die Entscheidung, nach Kempten zu kommen, fiel ganz klar wegen Abt", erinnert sich Kelvin van der Linde, der 2013 als Meister des südafrikanischen VW-Polo-Cups mit dem VW-Scirocco-R-Cup seine erste internationale Meisterschaft bestritt - und diese prompt gewann.

Als zentrales Einsatzteam des Volkswagen-Markencups fungierte damals die Abt-Mannschaft, die Rennen fanden im Rahmenprogramm der DTM statt.

"Viel einfacher, wenn du in der Nähe des Teams wohnst"

Eine Schlüsselrolle bei seiner Entscheidung, den Lebensmittelpunkt nach Deutschland zu verschieben, spielte sein damaliger südafrikanischer Berater Franco Chiocchetti. "Er war ab 2001 bei Abt, hat dort lange DTM gemacht", verweist van der Linde auf den ehemaligen BMW-Ingenieur seines Vaters, der es bis 2018 bei Abt bis zum Technikchef brachte und danach den Formel-E-Einsatz von HWA leitete.

"Er war ein Bekannter meines Vaters und hatte die ganzen Verbindungen, mit den Teams, vor allem zu Abt", sagt van der Linde. "Und auch bei meinem ersten Test im GT3-Auto hat Franco alles geregelt."

Daraufhin wurde van der Linde 2014 von Christian Abts Audi-Team als Teampartner von Rene Rast für das ADAC GT Masters engagiert. "Er hat gesagt: 'Es ist vielleicht einfacher, wenn du in der Nähe des Teams in Deutschland wohnst'", erinnert sich van der Linde an die Worte von Berater Chiocchetti. "Er war am Anfang der Mittelsmann. Und er war auch ein Übersetzer für mich, er hatte ja schon lange Zeit in Deutschland gewohnt."

Kelvin van der Linde: Teamchef Abt zunächst Vermieter

Die erste Wohnung in Kempten unweit des Abt-Sitzes erhielt van der Linde dank Teamchef Christian Abt: "Ich habe sie die ersten zwei Jahre von ihm gemietet. Das hat mein Leben wirklich viel einfacher gemacht - auch um Leute kennenzulernen. Außerdem war die Wohnung voll ausgestattet."

Im Cockpit sei das Leben damals entspannter gewesen als abseits der Strecke, "denn ich konnte kein Deutsch und es war schwierig, mit den Leuten zu reden", erzählt van der Linde, der zunächst noch mehr als 20 Mal pro Jahr nach Südafrika reiste, um seinen Schulabschluss zu machen.

Trotz der schwierigen Umstände gelang es ihm noch im selben Jahr, den Titel zu holen - und ein noch größeres Ziel zu erreichen. "Audi ist Mitte 2014 am Red-Bull-Ring auf mich zugekommen, und es gab die ersten Gespräche für meinen Vertrag", erinnert er sich daran, als ihn Audi für 2015 zum Werksfahrer machen wollte.

"Bin in dieser Zeit sehr gewachsen"

"Der Vertrag war auf Deutsch und ich hatte wirklich keine Ahnung, was da steht", beschreibt van der Linde, der heute fließend Deutsch spricht, die kuriose Situation. "Aber mir war es egal. Ich habe gesagt, ich mache es."

Ende 2015 trennten sich die Wege des frischgebackenen Audi-Werksfahrers und Christian Abts Team - und van der Linde kehrte erst 2021 nach einem weiteren Titel im ADAC GT Masters und dem Sieg beim 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife in die Abt-Familie zurück.

Wie er heute an seine Anfänge in Deutschland zurückdenkt? "Ich hatte es am Anfang sehr schwierig, weil ich quasi alles alleine machen musste", sagt er. "Bis 2016 hatte ich für Sheldon viel aufgebaut, der erst zwei, drei Jahre später nachkam", verweist er auf seinen Bruder Sheldon van der Linde, der mit ihm in einer WG lebt. "Es hat sich aber alles gelohnt, und ich bin in dieser Zeit sehr gewachsen."

Mit Bildmaterial von Volkswagen.

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