Berger zu Teamorder-Verdacht: "Ich war stocksauer!"

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Berger zu Teamorder-Verdacht:
Autor: Julia Spacek
05.06.2018, 06:18

DTM-Chef Gerhard Berger vermutete eine Mercedes-Teamorder in Budapest mit Lucas Auer in der Hauptrolle: "Ein Rückschlag für die DTM und für mich ein Schlag ins Gesicht"

War es Teamorder oder war es keine? Diese Frage beschäftigt die DTM-Szene weiterhin. Im DTM-Samstagsrennen in Budapest ging Paul di Resta in der 22. Runde am Führenden Lucas Auer vorbei, der sich kampflos dagegen wehrte. Das Aufblinken der Rücklichter am Mercedes des Österreichers wertete Sat.1-Experte Timo Scheider als Signal dafür, dass Auer seinem Teamkollegen die Anweisung gibt, ihn zu überholen.

"Das ist ein No-Go, das wollen wir nicht sehen!", polterte der Ex-DTM-Fahrer. Und auch DTM-Chef Gerhard Berger war nicht begeistert über die Aktion seines Neffen. "Ich war zunächst stocksauer. Das ist meiner Meinung nach ein Rückschlag für die DTM und für mich ein Schlag ins Gesicht. Ich war der Meinung, solche Spielereien sind vorbei", sagt Berger im Gespräch mit 'Motorsport.com'.

"Ich habe Mercedes-DTM-Teamchef Ulrich Fritz auf den Platztausch zwischen Lucas und Paul angesprochen. Er hat mir versichert, es hätte keine Teamorder gegeben und er sei selbst überrascht gewesen. Er habe keine Handhabe, wenn die Fahrer ihrerseits taktieren", so der DTM-Chef weiter.

"So kann er nicht Meister werden"

"Wenn Lucas diese Entscheidung tatsächlich so für sich getroffen hat, dann kann er nicht Meister werden. Egal wer hier die Wahrheit sagt oder nicht: Unter dem Strich ist dieser Vorgang nicht sportlich und ist auch nicht im Einklang mit dem, wofür die DTM steht. Wir haben vier tolle Rennen gesehen, die Fans sind happy und selbst bei der Formel 1 in Monaco haben sie mich darauf angesprochen. Das war eine Genugtuung für mich."

Mercedes bleibt bei dem Standpunkt, den Piloten keine Anweisungen für einen Platztausch gegeben zu haben. "Ich bleibe dabei. Es gab vor dem Rennen keine Ansage an die Fahrer. Aus meiner Sicht ist es eine nachvollziehbare Fahrerentscheidung gewesen. Lucas hatte über die Strategie einen Vorteil und konnte so an Paul vorbei kommen. Diesen Vorteil hat er ihm später zurückgegeben. Das sah zugegebenermaßen am TV nicht sonderlich gut aus. Aber: Ein Blick auf die Tabelle (in der Auer vor dem Rennen drei Punkte Vorsprung auf Di Resta hatte, d. Red.) zeigt, dass wir es hier mit einer Verschwörungstheorie zu tun haben", sagt Teamchef Fritz.

"Wir haben das Beste aus dem Rennen herausgeholt. Lucas ist von drei gestartet, ich von eins und es gab einen Doppelsieg. Wir haben halt zusammengearbeitet, um mit dem Undercut Audi zu schlagen. So war der Plan und wir würden es heute auch noch so machen", winkt Paul di Resta ab.

"Ich haben keinen Grund, nicht zu glauben, was Uli sagt. Es wird schon so sein, dass es keine abgemachte Geschichte war", sagt Berger vor dem Sonntagsrennen in 'Sat.1'. "Mit meinem Neffen habe ich noch immer nicht gesprochen. Aber was ich noch nicht verstehe: Wie es zu diesem Tausch gekommen ist, bei dem es um einen Sieg gegangen ist.  Als Fahrer einen Sieg abzugeben - das eröffnet ganz neue Dimensionen an Verständnis und des Teamworks. Ich kenne Lucas, seit er ein Kind ist. Ich habe Probleme damit, zu glauben, dass er derjenige ist, der einen Sieg hergeschenkt hat." Berger konnte mit seinen Neffen Auer noch nicht über die Geschehnisse sprechen, aber er, plant dies in der Woche nach dem Budapest-Rennen zu tun.

Der Ex-Formel-1-Fahrer "würde das Thema auch gerne abhaken". Doch eines liegt ihm als Vorsitzenden der DTM-Dachorganisation ITR noch auf dem Herzen. "Eine Bitte habe ich noch an alle: Diese ganzen Spielchen und Beeinflussungen... am Ende soll es ein Sport bleiben. Der Fan soll das zu sehen bekommen, für was er Eintritt bezahlt. Dafür muss die DTM stehen!"

"In der Vergangenheit ist da schon einiges schiefgegangen und ich habe eigentlich geglaubt, dass wir das hinter uns haben. Wenn das aber beim dritten Rennen schon wieder in irgendeiner Art und Weise gemacht wird, dann ist das komplett inakzeptabel. Und vor allem dem Sport und dem Fan gegenüber unverantwortlich", schließt er ab.

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