Der neue DTM-Champion Pascal Wehrlein im Porträt

Wer ist eigentlich Pascal Wehrlein? Der neue DTM-Champion im Porträt.

„Richtig cool!“ So beschreibt Pascal Wehrlein, was er in dieser Saison erreicht hat. Nämlich den Titelgewinn in der DTM-Fahrerwertung. Mit 20. Und damit als jüngster Pilot aller Zeiten.

Klingt ganz nach einem Leben auf der Überholspur. Und das ist es auch. Denn Wehrlein saß schon im Grundschulalter erstmals im Kart. Und heute fährt er einige der schnellsten Fahrzeuge im Motorsport, ist ständig auf Achse.

Doch für einen Moment hält er inne.

Es ist Samstag, der 17. Oktober 2015, um kurz nach 14 Uhr, als Wehrlein im vorletzten DTM-Rennen des Jahres als Achter über die Ziellinie fährt und damit den vorzeitigen Titelgewinn sicherstellt.

„Solche Augenblicke vergisst man nicht“, sagt er mit leuchtenden Augen.

Seine Freude brüllt er sogleich in den Funk, zwingt seinen Mercedes immer wieder in „Donuts“ für die Fans, steigt auf das Dach seines Autos, feiert seinen bisher größten Erfolg.

Dabei hat die Karriere von Wehrlein bereits vielversprechend begonnen: Nach einigen Jahren im Kartsport stieg der in Sigmaringen geborene Rennfahrer 2010 in den Formelsport auf. Der erste Sieg stellte sich gleich im Debütjahr ein.

2011 gewann Wehrlein das ADAC-Formel-Masters und stieg 2012 in die Formel 3 auf, wurde bester Rookie und beschloss das Jahr nur knapp geschlagen auf Platz zwei der Gesamtwertung.

Und schon damals wirkte er stets konzentriert, wollte sich nur bei Siegen so richtig freuen. „So bin ich an einem Rennwochenende“, meint Wehrlein, Sohn eines Deutschen und einer mauritianischen Mutter.

„Ich bin ruhig, konzentriert. Es heißt, dass ich dadurch unsympathisch oder arrogant wirke. Denn ich rede dann nicht so viel. Aber mir hilft es eben. Es ist mir wichtig, ruhig zu sein. Denn wenn du nicht ruhig bist, machst du Fehler.“

Dafür ist Wehrlein nicht bekannt. Im Gegenteil: Sein Talent und seine schnelle Auffassungsgabe bringen ihm schon 2013 ein DTM-Cockpit bei Mercedes ein. Die Formel 3 verlässt der heute 21-Jährige bereits nach nur einem Jahr.

Und auch in der DTM geht er seinen Weg im Sauseschritt: Am Lausitzring holt er 2014 nicht nur seine erste Pole-Position, sondern erzielt auch seinen ersten Sieg. Als bisher jüngster Fahrer. Altersrekorde sind offenbar ganz sein Ding.

Genau wie beim DTM-Titelgewinn 2015. „Dass ich es noch mit 20 geschafft habe, gefällt mir richtig gut“, sagt Wehrlein, der am Sonntag nicht nur den Gesamtsieg, sondern auch seinen 21. Geburtstag gefeiert hat.

„Wichtig ist mir, die Meisterschaft gewonnen zu haben. Nicht so sehr, dass ich jüngster Champion geworden bin. Es bedeutet mir aber trotzdem etwas“, meint Wehrlein.

„Ich habe schließlich auch ein sehr junges Team. Wir haben erst 2014 mit unserer Zusammenarbeit begonnen. Wir passen gut zusammen und verstehen uns auch privat sehr gut.“

Entsprechend emotional habe er seine Rückkehr in die HWA-Box erlebt, nachdem er den Titel eingefahren hatte.

„Zu denken, was man erreicht hat, und wer daran mitgewirkt hat. Das macht dankbar“, sagt Wehrlein. Freudentränen inklusive.

Ob es eine Weile gedauert hat, bis der große Erfolg komplett durchgesickert war? Wehrlein winkt ab: „Ich habe es voll realisiert. Aber es hört sich am Anfang schon komisch an. DTM-Champion. Der Titel – das ist schon cool.“

Cool war auch, wie Wehrlein die Saison 2015 bestimmt hat. Weder Zwischenfälle noch ein durch das Performance-Gewicht erschwertes Auto oder Sticheleien aus dem Lager der Konkurrenz warfen ihn aus der Bahn.

„Man muss versuchen, bei jedem Rennen zu punkten. Das ist entscheidend“, meint Wehrlein. Und diesem Motto blieb er stets treu. Seine Konstanz über 18 Rennen hinweg brachte ihm den Titel ein. Niemand sonst fuhr häufiger in die Punkte.

Und das alles mit einer Coolness, die Wehrlein offenbar bereits früher an den Tag gelegt hat. „In der Schule saß ich immer in der letzten Reihe, hinten links. Aber schon damals war ich selten nervös“, sagt er heute.

Höchstens im Flugzeug. Denn das Fliegen ist Uhrenliebhaber Wehrlein nicht geheuer. „Ich mag es nicht“, gesteht er ganz offen. „In zehntausend Metern Höhe etwas nicht unter Kontrolle zu haben, das taugt mir nicht.“

Rennfahren dagegen ist sein Ding. So sehr, dass er gar nicht genug davon kriegen kann: Seit 2014 ist er – parallel zu seinem Engagement in der DTM – offizieller Test- und Ersatzfahrer bei Mercedes in der Formel 1.

Und so tingelt Wehrlein zwischen Rennstrecken auf allen Kontinenten hin und her, absolviert zwischendurch immer wieder Einsätze im Formel-1-Simulator in Großbritannien oder sitzt bei Testfahrten im realen Auto.

Das will er auch in der Zukunft tun. Aber dann als Stammfahrer.

„Ich habe noch große Ziele“, sagt Wehrlein. „Denn die Zukunft ist mir wichtiger als die Vergangenheit. Ich blicke eher nach vorn du auf das, was ich noch erreichen will.“

Und dieses Ziel ist ein konkretes: „Die Formel 1. Definitiv! Aber ob oder wann es passiert, kann ich momentan nicht sagen. Da ist noch nichts entschieden“, meint Wehrlein.

Vielleicht fährt er schon 2016 in der „Königsklasse“. Vielleicht tritt er in der DTM auch zur Titelverteidigung an.

Fest steht nur: Als nächstes folgt ein ausgedehnter Urlaub.

„Ich will erst einmal entspannen. Ich habe mir vorgenommen, nach der Formel-1-Saison in Urlaub zu fahren und endlich mal nichts zu tun.“

Eines steht dann aber bestimmt auf seiner To-Do-Liste: Noch einmal und in aller Ruhe über das Geleistete nachzudenken.

„Ein Traum!”, sagt Wehrlein über seinen DTM-Erfolg. „Ich bin für Mercedes Champion geworden. Das kann mir keiner mehr wegnehmen.“

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