Kommentar: Das war's dann, DTM!

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Mercedes hat seinen Ausstieg aus der DTM nach der Motorsport-Saison 2018 angekündigt und der Rennserie damit womöglich den Todesstoß versetzt.

Denn durch das baldige Aus einer der 3 DTM-Marken gerät das fragile Gebilde DTM mehr als nur ins Wanken: Es ist in seiner Existenz bedroht.

Eines haben Audi, BMW und Mercedes seit dem Beginn ihres Dreikampfs in der DTM-Saison 2012 schließlich immer wieder klargestellt: Ein "Fall für 2" – wie zwischen 2006 und 2011 mit Audi und Mercedes – wird die DTM nie mehr werden.

Schon gleich zweimal nicht, wenn ein eben solches Szenario bedeuten würde, die verbliebenen Hersteller müssten zusätzliche Kosten auf sich nehmen, um das Überleben der Rennserie zu sichern. Nicht vergessen: Zur DTM-Saison 2017 wurden die Engagements von je 8 Autos auf je 6 Rennwagen zurückgefahren – aus Kostengründen.

Dass Audi und BMW plötzlich tiefer denn je in die Taschen greifen, um den Mercedes-Ausstieg zu kompensieren, ist nicht realistisch. Eher schon steigt eine neue Marke ein. Aber auch dafür gibt es keine Anzeichen. Das wird nun zum Problem.

Denn jetzt ist sie da, die Situation, die in den vergangenen Jahren gern als Drohkulisse verwendet wurde. Ganz nach dem Motto: "Wenn wir nicht kriegen, was wir wollen, dann sind wir weg."

Wegen solcher politischer Spielchen gab es die ganzen technischen Zugeständnisse. Bloß den lieben Frieden wahren, damit alle weitermachen – in einer Rennserie, in der die Teilnehmer selbst die Regeln aufstellen und kontinuierlich an ihrem Reglement herumdoktern.

Doch dabei haben sich die Verantwortlichen in einem Regel-Dschungel verlaufen, den sie selbst aufgeforstet haben. Und bei diesem Dickicht hilft weder Heckenschere noch Machete, nur noch Kahlschlag: Die DTM in ihrer aktuellen Form ist an einem Endpunkt angekommen. Sie ist ein Auslaufmodell.

Der neue DTM-Serienchef Gerhard Berger wäre jetzt gut beraten, den Mercedes-Ausstieg als "Stunde null" zu begreifen und reinen Tisch zu machen. Weg mit all dem, weshalb die DTM – und das zu Recht – in der Kritik steht, her mit echtem Sport!

Das bedeutet:

  • Autos, die der Bezeichnung "Tourenwagen" wieder gerecht werden. Keine Kohlefaser-Prototypen mehr, weniger Aerodynamik, zurück zu Handschaltung und Lenkrad statt Joystick. Dann sinken die Kosten, die Action nimmt zu. Und die DTM wird auf einmal wieder attraktiv für andere Hersteller – und auch für Privatteams.
  • Ein einfach gehaltenes Reglement, das von einer unabhängigen Instanz entworfen und überwacht wird. Wem diese Spielregeln nicht passen, der bastelt sie sich nicht zurecht, sondern bleibt zuhause. Wie es sich gehört.
  • Das D in DTM steht wieder für Deutschland. Gefahren wird auf Rennstrecken im In- und im benachbarten Ausland, wo die Rennserie (noch immer) ihre Fans hat – nicht vor Geisterkulissen in Russland oder China.

Klingt utopisch? Aber ganz im Gegenteil: Die australischen Supercars fahren zum Beispiel schon seit Jahren sehr erfolgreich nach genau diesem Prinzip. Mit optisch und akustisch ansprechenden Autos, die zu vernünftigen Kosten einsetzbar sind. Mit Werks- und Privatteams auf einem Niveau. Mit einem übersichtlichen Regelwerk. Und mit dem Fokus auf das Heimatland, aber nicht exklusiv nur dort.

Was zeigt: Echter Tourenwagen-Sport sollte nicht "premium" sein und technisch der Formel 1 nacheifern, sondern bodenständigen, packenden Motorsport bieten. Dass das geht, ist bewiesen. Und es ist an der Zeit, genau das auch in Deutschland wieder umzusetzen.

In diesem Sinne ist Gerhard Berger der Mut zum Neuanfang mit willigen Mitstreitern zu wünschen. Und dann ab mit dieser neuen DTM, wo sie hingehört: auf die Nürburgring-Nordschleife!

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