Durch Teamwork zum Sieg: Rast bedankt sich bei seinen Audi-Kollegen

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Durch Teamwork zum Sieg: Rast bedankt sich bei seinen Audi-Kollegen
Autor: Julia Spacek
22.09.2018, 17:05

Rene Rast bedankt sich bei Audi-Kollegen Mike Rockenfeller und Nico Müller, dass sie ihn im Sinne des Titelrennens in Spielberg unterstützt haben: "Es ist Teamwork"

Rene Rast gewinnt sein drittes DTM-Rennen in Folge. Mit dem Sieg im Samstagsrennen in Spielberg hatte der amtierende Champion allerdings nicht gerechnet. Denn eigentlich sah kurz vor Schluss Audi-Pilot Mike Rockenfeller wie der Sieger auf. Doch der verzichtete auf den Erfolg und begnügte sich mit Platz zwei. ​Für ​"Rocky​" war es selbstverständlich, den in der Meisterschaft besser platzierten Rast in der letzten Runde vorbeizulassen. "Da wir keinen Funk haben, braucht uns keiner etwas zu sagen. Es ist Teamwork, das ist relativ logisch. Nochmal: Wir reden hier vom Ganzen, am Ende der Saison etwas zu tun​", sagt Rockenfeller. 

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Rast hat den Vorsprung an die Spitze auf 42 Punkte verkürzen können und so wurde die Entscheidung um den DTM-Titel auf das Saisonfinale in Hockenheim vertagt. Ohne die Hilfe seiner Audi-Kollegen Rockenfeller und Nico Müller hätte er dies nicht geschafft. ​"Wenn wir das nicht machen, dann fehlen am Ende vielleicht Punkte. Wir haben es vergangenes Jahr gesehen: Ich wurde Vierter, mir fehlten zwölf Punkte auf Rene. Das heißt: Jeder Punkt zählt. Ich glaube, wir wären dumm, wenn wir das heute nicht gemacht hätten. Denn wenn es am Ende daran scheitert, wäre es schade​", begründet ​"Rocky​".

Rast, der vor kurzem noch betonte, dass ein Fahrer ​"keine geschenkten Siege​" mag, freute sich über die Unterstützung aus dem eigenen Lager, doch er hätte es auch seinen Kollegen gegönnt, die besseren Positionen einzufahren. ​"Ich muss mich natürlich bei Mike und Nico bedanken. Mike hätte den Sieg und Nico den zweiten Platz verdient gehabt. Beide sind ein super Rennen gefahren. Sie haben mich im Sinne der Meisterschaft am Schluss vorbeigelassen. Dafür möchte ich mich bedanken, auch bei Audi, dass wir versuchen, die Meisterschaft so lange wie möglich offenzuhalten​", sagt Rast.

Rast will Rockenfeller Pokal überlassen

Als Zeichen der Wertschätzung wollte Rast Rockenfeller sogar den Siegerpokal überlassen, aber der lehnte ab. ​"Rene hat mir den Pokal angeboten. Aber es wäre ein bisschen billig, wenn ich mir jetzt zuhause den ersten Platz hinstellen würde - den ich in Wirklichkeit nicht habe​", meint er.

Auch Nico Müller wollte Rast im finalen Rennen um den Titel unterstützen und auch für den Schweizer war es klar, dass er ihn auf Platz zwei liegend ziehen lässt. ​"Rene hat sich durch eine Top-Leistung in den vergangenen Wochen in diese Ausgangslage gebracht. Wir konnten da nicht ganz mithalten. In der DTM geht es so eng zu, dass diese Unterschiede nur durch kleine Details entstehen können​", so Müller, der am Ende Dritter wurde.

 

Er ergänzt: ​"Er ist der einzige von uns, der diese Chane noch hat und da tut es auch nicht weh zu sagen, wenn man kann dann gibt ihm in diesem Kampf noch ein paar Pünktchen mehr mit auf den Weg. Da tut es wirklich nicht weh, die eigenen Interessen auch mal hintenanzustellen und trotzdem auf dem Podium zu stehen ist okay so."

Teamwork makes the dream work?

Eine Teamorder hätte es nicht gegeben, denn aufgrund des Funkverbots dürfen die Teams während dem Rennen nicht mit den Fahrern sprechen. Auch bei den Meetings hätte es keine vorherigen Ansagen gegeben. ​"So eine Situation zu planen … damit hat keiner gerechnet, dass wir am Ende des Rennens zu dritt ganz vorne stehen würde. So ein Szenario durchspielen, da kommt vor dem Rennen keiner auf die Idee. Deshalb denke ich, war es schon Mitdenken von Mike und mir. Dass es am Ende so gut geklappt hat, spricht für gutes Teamwork​", meint Müller.

​"Deshalb müssen wir uns auch nicht verstecken. Jeder versteht in dieser speziellen Lage im Moment, dass jeder Punkt, den wir Rene mit auf den Weg geben können, wichtig ist. Jeder hat auch was davon, wenn die Meisterschaft so lange wie möglich offen bleibt - und darum geht es im Moment​."

Auch Audi-Motorsportchef Dieter Gass will von einer möglichen Teamorder nichts wissen. ​"Es sind keine Ansagen möglich. Man sitzt an der Boxenmauer und hofft, dass so etwas passiert. Aber wie es letztendlich gelaufen ist war fantastisch​", sagt er. ​"Dieses Szenario, wie es am Schluss zusammenkam, war überhaupt nicht vorhersehbar. Dass Rene vom neunten Platz in die Podiums-Region überhaupt reinkommt, war nicht vorherzusehen. Natürlich wissen die Jungs, dass sie sich nicht in die Kiste fahren sollen und dass sie versuchen sollen, Rene zu helfen, weil er unsere einzige Waffe ist."

Paffett kritisiert Audi-Verhalten

Kritik über den Ausgang des Rennens gibt es von Gary Paffett. ​"Das ist nicht überraschend. Das ist die normale Audi-Strategie. Das haben wir hier in den vergangenen 15 Jahren immer gesehen. Ich habe diese Szene zwar nicht gesehen, aber es überrascht mich nicht​", so der Brite, der die Führung in der DTM-Fahrerwertung an Paul di Resta verlor.

Er selbst habe die Situation im Rennen nicht gesehen, aber: ​"Es kommt ganz darauf an, wie offensichtlich es ist. Wenn Rene sich in einer Position befand, aus der heraus er überholen hätte können und sie haben es ihm nicht besonders schwer gemacht, dann in Ordnung. Wenn sie nur gebremst haben und ihn haben ziehen lassen, dann ist es nicht okay. Es kommt einfach darauf an, wie du gewinnen und Erfolg haben willst."

 

Er ergänzt: ​"Aber unterm Strich haben sie gute Arbeit geleistet, ihre Autos nach vorne zu kriegen. Wenn die Autos erst einmal vorne sind, kannst du ein Rennen nach Belieben manipulieren. Wir müssen einfach bessere Arbeit leisten, damit sie gar nicht erst in diese Situation kommen."

Rast hatte nach dem Rennen gemischte Gefühle: ​"Auf der einen Seite bin ich happy, dass ich viele Punkte mitgenommen habe. Andererseits war es ein geschenkter Sieg und effektiv wäre ich heute Dritter geworden. Ich muss mich bei allen bedanken, bei Audi, Mike und Nico, die mir extrem geholfen haben heute."

Der Rosberg-Fahrer weiß, dass der turbulente Rennverlauf ihm in die Karten gespielt hat. ​"Heute war extrem viel Glück und der Renngott auf unserer Seite. Wenn es den Indy-Restart nicht gegeben hätte, dann hätte Juncadella mit Vorsprung gewonnen, dann hätte ich nicht gewonnen. Dann hätte das Rennen ganz anders ausgesehen​", erklärt er.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und abstauben, darauf kommt es seiner Meinung nach im Saisonendspurt an: ​"Wir brauchen jetzt chaotische, die genau so was hervorrufen und zum Schluss nochmal eine Safety-Car-Phase herausholen, dass wir in der Lage sind, das Blatt nochmal zu wenden. Das war heute der Fall. Aber wir waren auch nicht unter ferner liefen, die Pace von Mike war schon so gut, dass er Juncadella gefährlich werden konnte, der Audi war heute sehr stark."

Rockenfeller bringt es auf den Punkt: ​"Wir sind alle Rennfahrer und so willst du eigentlich nicht gewinnen. Aber es gehört dazu in dem Moment, das ist normal. Für mich war auch Juncadella der heimliche Sieger. Das war schon immer so bei uns, dass wir versuchen, es so gut wie möglich hinzukriegen. Dieses Jahr ist es ja glasklar. Da gibt es keine zwei Meinungen dazu. Da braucht man auch nicht darüber diskutieren. Wir machen das so lange, alle Fahrer bei Audi. Da braucht uns nach dem Nürburgring auch keiner was dazu sagen, dass es jetzt klar ist, dass wir das machen." 

 

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Rennserie DTM
Event Nürburgring
Autor Julia Spacek
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