Ex-DTM-Rennleiter: "Strafen gerechtfertigt!", Budapest-Boxengasse wird aufgeraut

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Ex-DTM-Rennleiter:
Julia Spacek
Autor: Julia Spacek
08.06.2018, 08:38

Nach den Unfällen in der Boxengasse am Hungaroring wird diese aufgeraut - Strafen für Unfallfahrer laut Ex-DTM-Rennleiter gerechtfertigt, Lizenzentzug wäre möglich

Fünf Tage nach dem Chaosrennen der DTM in Budapest, wo bei drei Unfällen in der Boxengasse am Hungaroring insgesamt sieben Personen verletzt wurden, kommt jetzt die Wahrheit ans Licht: Die aalglatte Working Lane (Arbeitsfläche in der Boxengasse) am Hungaroring war zum Zeitpunkt der letzten Abnahme durch den Automobil-Weltverband FIA am 20. Juli 2015 nicht in dem aktuellen Zustand, der am vergangenen Sonntag dazu führte, dass es dort drei Unfälle in der Boxengasse und insgesamt sieben verletzte Personen gab. Das hat ein FIA-Mitarbeiter auf Nachfrage von 'Motorsport.com' bestätigt.

Demnach sei Mitte 2016 und damit nach (!) der letzten Abnahme durch Formel-1-Renndirektor Charlie Whiting der Boxenvorplatz mit einer Betonfläche versehen worden, hieß es. Hintergrund dieser Maßnahme, die auch auf anderen Formel-1-Rennstrecken vorgenommen wurde, ist die Tatsache, dass auslaufendes Benzin und Öl den Asphalt beschädigt, Beton aber nicht. 

Bis zum nächsten Formel-1-Rennen am 29. Juli 2018 hat die FIA den Streckenbetreiber aufgefordert, die Betonoberfläche in der Boxengasse durch Sandstrahlen aufzurauen.

Sogar ein Lizenzentzug wäre möglich gewesen! 

Bezüglich der von den Sportkommissaren des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB) verhängten Strafen, unter anderem Wertungsausschlüsse für Lucas Auer und Edoardo Mortara (beide Mercedes) sowie Bruno Spengler (BMW), gab es keine (!) Alternative. Im Gegenteil: "Jedes Team und jeder Fahrer ist für das Handeln auf einer Rennstrecke selbst verantwortlich", erklärte der frühere DTM-Renndirektor und heutige FIA-Sicherheitsinspekteur Roland Bruynseraede im Gespräch mit 'Motorsport.com'. "Wer feststehende Regeln missachtet und Menschen bei ihrer Arbeit in der Boxengasse oder am Kommandostand gefährdet, kann sogar mit Lizenzentzug bestraft werden!"

Was der Belgier damit andeuten will, ist klar: Die betroffenen Fahrer können von Glück reden, dass sie beim nächsten Rennen in Nürnberg (23./24. Juni) wieder an den Start gehen können. Insbesondere der Gesamtzweite und Mercedes-Pilot Gary Paffett hatte die Entscheidung der Stewards, das Rennen zunächst "nur" zu neutralisieren und nicht sofort abzubrechen sowie die Disqualifikationen der Fahrer, die die Unfälle verursacht haben, scharf kritisiert. Ex-DTM-Champion und Sat.1-Experte Timo Scheider hatte die Entscheidungen der Sportkommissare des DMSB gar als "völligen Schwachsinn" bezeichnet und von einem "absoluten No-Go" gesprochen.

Unabhängig von der zum Teil völlig überzogenen und nicht gerechtfertigten Kritik haben der DMSB und die DTM-Dachorganisation ITR reagiert und bereits am vergangenen Sonntagabend in Budapest mit einer Untersuchung der Vorfälle begonnen. "Wichtig ist, dass die Vorkommnisse sachlich und von allen Seiten beleuchtet werden", sagte ein ITR-Sprecher auf Anfrage zu 'Motorsport.com'. Die Ereignisse müssten detailliert aufgearbeitet werden, "um für die Zukunft die richtigen Schlüsse zu ziehen". Die Fahrer und alle Beteiligten hätten eine "Extremsituation" erlebt.

 

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Autor Julia Spacek
Artikelsorte News