Nico Müller

Kolumne von Nico Müller: "An einem Tag muss alles passen"

In seiner ersten Kolumne für Motorsport.com spricht der Audi-Pilot über den enttäuschenden Ausgang der 24 Stunden Nürburgring und den Saisonstart 2017 in der DTM.

Zuerst möchte ich meine Freude zum Ausdruck bringen, dass ich nun dem erlauchten Kreis der Kolumnisten für Motorsport.com angehöre. Gerne berichte ich an dieser Stelle künftig aus persönlicher Sicht über meine Rennen und interessante Erlebnisse abseits der Strecken.

Wie es mir, Marcel Fässler und unseren Teamkollegen in der Schlussphase der 24 Stunden Nürburgring erging, habt ihr ja über Motorsport.com erfahren. Es dauerte ein paar Tage, bis ich diese Enttäuschung verdaut hatte. Dies ist eines der grössten Rennen der Welt mit einem hohen Stellenwert für jeden Fahrer. Wenn man den Sieg so kurz vor dem Ende aus der Hand gibt, dann tut das weh. Wenn man in der Position ist, ein Rennen zu gewinnen, dann will man dies auch.

Aber eine Katastrophe war es nicht, immerhin beendeten wir das wohl härteste Rennen der Welt auf dem Podium und unser Audi-Schwesterteam trug den Sieg davon. Wir können niemand anderen die Schuld geben, und damit muss man umgehen können. 

 

Es war eine Fehlentscheidung, beim stellenweise einsetzenden Regen auf der Nordschleife die Slicks anstelle der Intermediates zu montieren. Bei eineinhalb Minuten Vorsprung und noch zwei, drei Runden hätte es in meinen Augen nur eine richtige Wahl gegeben, doch fiel die Entscheidung anders aus. Ein Fehler, der in hektischen Situationen unter Zeitdruck passieren kann und für den wir als Team gerade stehen müssen.

Leid tat es mir vor allem für Marcel Fässler. Wir hatten das gemeinsame Ziel verfolgt, dieses Rennen als Schweizer Duo zu gewinnen. Wir fühlten uns super vorbereitet und kamen die ganze Zeit für den Sieg in Frage. Wir beide wissen, wie schwierig es ist, wieder einmal in eine solch gute Ausgangslage zu kommen. Marcel merkte man die enorme Enttäuschung noch mehr als mir an. Er war schon so oft ganz nah am Sieg dran, bei mir klappte es zum Glück 2015 schon einmal…

Wir hätten deutlich mehr daraus machen können

In der DTM stellt uns Audi Sport auch dieses Jahr mit dem neuen RS5 DTM wieder eine sehr scharfe Waffe bereit. Ich habe bisher in fünf der sechs Rennen gepunktet, aber wir hätten noch deutlich mehr daraus machen können.

Der Grundtenor des Saisonstarts lautet: Wir waren immer bei der Musik, im Qualifying vorne dabei, hatten fast immer gute Starts und eine gute Rennpace. Alle Komponenten für einen top Saisonstart waren da, aber wir haben nie alles an einem Tag zusammen gebracht, um dann auch die angepeilte Champagnerdusche abzuholen. 

 

Das letzte Wochenende in Budapest war sinnbildlich dafür. In den zwei Zeittrainings fehlte nur ganz wenig, nach ganz vorne und mit zweimal Startplatz 4 hatten wir gute Ausgangslagen. Am Samstag machte uns das Safety Car unmittelbar vor unserem Boxenstopp einen Strich durch die Rechnung. So war mein Rennen eigentlich vorbei bevor es richtig begonnen hatte. Zudem wurde es beim spektakulären neuen Indy Re-Start eng, sodass es zur Berührung mit meinem Audi-Kollegen Loïc Duval kam. Mit starken Beschädigungen an meinem Audi RS5 DTM konnte ich von ganz hinten noch auf den zehnten Rang vorfahren und einen Punkt ergattern.

Am Sonntag startete ich abermals als Vierter und war nach einem Raketenstart Zweiter im ersten Stint. Danach haben wir mit dem Boxenstopp zu spät auf den Undercut von Mattias Ekström und Maxime Martin reagiert. Zudem war unser Boxenstopp nicht so perfekt wie es im Audi Sport Team Abt üblich ist. So verschenkten wir das Podium.

Vorbereitung auf die 24 Stunden von Spa

Am Samstag, 24. Juni, starte ich auf dem Circuit Paul Ricard in Le Castellet wieder einmal in der Blancpain GT Endurance Series. Mit René Rast und Antonio Garcia bereiten wir uns mit dem Audi R8 LMS von WRT auf die 24 Stunden von Spa von Ende Juli vor.

Ich bin dieses Jahr bisher nur auf dem Nürburgring mit dem R8 gefahren, zudem mit Dunlop-Reifen. In der Blancpain Serie kommen jedoch Reifen von Pirelli zum Einsatz. Diese sind ebenfalls gut, aber gewöhnungsbedürftig. Daher ist dieses 1000-Kilometer-Rennen für uns eine optimale Vorbereitung auf das grösste GT-Rennen in Belgien. 

 

Zurück an die Stätte meines ersten DTM-Sieges

Am Wochenende vom 1./2. Juli kehre ich an den Norisring, die Stätte meines ersten und bisher einzigen DTM-Sieges zurück. Wir sind überzeugt, dass wir mit dem Audi RS5 DTM überall konkurrenzfähig sein können, daher sehe ich keinen Grund, warum wir dies nicht auch beim Heimrennen von Audi sein sollten. Die schönen Erinnerungen an das letztjährige Rennen vom Sonntag sind eine zusätzliche Motivation.

Letztes Jahr konnten wir die 14-jährige Durststrecke von Audi beenden, und daher hoffen wir nun, dass wir nachlegen und die vielen Audi-Fans vor Ort wieder beglücken können. Auf dem kurzen Norisring geht es aber im Qualifying so eng zu und her, dass Tausendstel entscheiden können. Für eine Top-Platzierung in der Startaufstellung braucht es daher auch etwas Glück. Das gelang mir 2016 mit Platz 3 im Quali, einem guten Start vor auf P2, und dank einer guten Rennpace und der Strategie reichte es zum ersten Sieg.

Vor einem Jahr war es auf dem Norisring so, wie ich es vorhin erwähnt habe: Es muss an einem Tag alles zusammenkommen, damit ein Sieg daraus werden kann. Das gelang mir 2017 noch nicht. Ich hätte nichts dagegen, wenn es ausgerechnet in Nürnberg wieder passen würde...

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Über diesen Artikel
Rennserien DTM , Langstrecke
Veranstaltung Hungaroring
Unterveranstaltung Nach dem Rennen, Sonntag
Rennstrecke Hungaroring
Fahrer Nico Müller
Teams Team Abt
Artikelsorte Kolumne
Tags schweiz
Topic Nico Müller