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Nach Audis DTM-Ausstieg: Was wird aus den vier Teams?

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Nach Audis DTM-Ausstieg: Was wird aus den vier Teams?
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25.05.2020, 14:49

Wie Rosberg, Abt, Phoenix und WRT nach Audis DTM-Ausstieg mit der ungewissen Zukunft umgehen und wieso Le Mans eine realistische Zukunftsperspektive ist

Durch die Bekanntgabe des Audi-Ausstiegs aus der DTM mit Saisonende 2020 stehen die Herstellerteams Rosberg, Abt und Phoenix sowie das Kundenteam WRT vor einer ungewissen Zukunft. Wie geht es also mit den 20 bis 25 Mitarbeitern weiter, die pro Audi-Rennstall derzeit am DTM-Projekt arbeiten?

"Wir werden jetzt alles auf den Prüfstand stellen", kündigt Phoenix-Audi-Teamchef Ernst Moser im Gespräch mit 'Motorsport.com' an. "So wie es derzeit aussieht, wird die Zusammenarbeit zwischen Phoenix und Audi mit Jahresende aufhören. Und klar ist, dass wir so ein Team mit diesem Langstreckenprojekt auf dem Nürburgring sicher nicht am Leben erhalten können", verweist er auf die Einsätze in der VLN und beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring.

Aber ist man auf einen neuen Herstellerauftrag angewiesen? "Wir sind von 2006 bis 2011 ohne Werksengagement in der GT1-WM gefahren", verneint Moser. "Die Zeiten haben sich zwar ein bisschen geändert, aber jetzt müssen wir schauen, was speziell im LMP-Bereich passiert."

LMDh als Zukunftsperspektive

Eine Anspielung auf das neue LMDh-Reglement, das durch die Zusammenarbeit von IMSA und WEC Boliden vorsieht, die in den Topklassen des Langstreckensports weltweit - darunter auch der Kampf um den Le-Mans-Gesamtsieg - zum Einsatz kommen. Und zwar zu niedrigeren Kosten als die DTM-Boliden, allerdings erst ab 2022. "Vielleicht gibt es da Möglichkeiten", meint Moser.

Und welche Bedeutung hat für ihn Audis Bekanntgabe, man werde ergänzend zum Werksengagement mit Abt in der Formel E "weitere progressive Motorsport-Formate prüfen"? "Ich werde sicher versuchen, uns so zu platzieren, dass sie uns wieder einbinden, wenn sie etwas machen", sagt Moser, der aber kommende Saison noch keine Chance sieht. "Ich glaube nicht, dass sie bis dahin neue Projekte haben, denn so schnell wird so etwas nicht gehen. Und in der Formel E ist derzeit alles besetzt."

Ernst Moser, Vincent Vosse

Vincent Vosse und Ernst Moser: Beide liebäugeln mit der LMDh-Klasse

Foto: Audi AG

Im Kundensport-Bereich werde man Audi aber "sicher weiter vertreten", ist Moser überzeugt. "Und wenn es Engagements wie das 24-Stunden-Rennen gibt, dann hoffe ich, dass wir wieder eine Teilunterstützung des Werks bekommen. Außerdem sind wir bei allem, was hier rund um den Nürburgring passiert, sicher eine der besten Adressen. Daher bin ich optimistisch, dass wir in Zukunft wieder zusammenarbeiten werden."

Abt braucht neben Formel E neues Projekt

Das einzige Team, das auch für 2021 einen offiziellen Werksauftrag von Audi hat, ist die Abt-Truppe aus Kempten, die den Formel-E-Einsatz umsetzt. Doch auch bei Abt ist man nach dem DTM-Rückzug auf neue Projekte angewiesen. "Wir sehen uns nach Alternativen in und außerhalb der Rennsportszene um", sagt Abt-Sportdirektor Thomas Biermaier im Gespräch mit 'Motorsport.com'. "Mit dem klaren Ziel, dass wir unsere Leute behalten können."

Noch sei es aber zu früh, um Details bekanntzugeben: "Es gibt unterschiedliche Szenarien, die wir prüfen, aber ich kann noch nichts sagen, denn wie bei Corona weiß ich nicht, ob das dann nächste Woche überhaupt noch gilt." Klar sei aber, dass das Kurzarbeit-Modell bisher absolut gegriffen habe: "Dadurch mussten wir uns überhaupt keine Gedanken darüber machen, uns sofort von jemandem zu trennen."

Trotz "blutiger Nase": Wagt Rosberg GT3-Comeback?

Besonders hart trifft der Audi-Rückzug das Meisterteam Rosberg, denn die Truppe aus Neustadt an der Weinstraße hat neben der DTM kein weiteres Engagement vorzuweisen. "Wir haben ja das Thema zweites Standbein schon länger intern bei uns", bestätigt Teamchef Kimmo Liimatainen im Gespräch mit 'Motorsport.com' die schwierige Ausgangssituation. "Wir müssen jetzt jeden Stein umdrehen und überlegen, welche Möglichkeiten es gibt."

Ein Kundensport-Einsatz im GT3-Bereich sei ein Weg, den man in Erwägung zieht, doch Liimatainen spricht von einem schwierigen Kompromiss: "Mit Pay-Fahrern hat man vielleicht oft nicht so gute Ergebnisse und es ist schwieriger, aber wenn man Profis holt, muss das auch finanziert sein."

Der Finne spricht aus Erfahrung. "Wir haben uns vor zwei Jahren mit dem letzten GT3-Projekt schon eine blutige Nase geholt", verweist er auf den Rosberg-Einsatz von zwei Lamborghini Huracan 2018 im GT-Masters, der unter seiner Leitung stattfand und nicht die erhofften Erfolge brachte. "Das ist auf keinen Fall zu unterschätzen."

WRT liebäugelt mit LMDh-Herstellerunterstützung

Bei der Suche nach einem neuen Betätigungsfeld und neuen Partnern hat man aber immerhin zwei DTM-Meistertitel aus den vergangenen drei Jahren vorzuweisen. "Ich finde das schon wichtig, weil das auch ein Verkaufsargument ist", sagt er. "Man kann sagen, wir haben etwas geleistet, wir können was, bringen einen gewissen Standard mit. Das hilft definitiv."

Bleibt noch das Audi-Kundenteam WRT von Vincent Vosse. Wie es für die Mannschaft aus Belgien weitergeht? Der Teamchef streckt seine Fühler ähnlich wie Phoenix-Teamchef Ernst Moser bereits in Richtung LMDh-Klasse aus. "LMDh ist quasi eine Kopie der GT3-Klasse. Und man hat die Chance um Gesamtsiege in Le Mans, Daytona oder Sebring zu kämpfen", sieht er gegenüber 'Endurance-Info.com' die Vorteile des neuen Konzepts.

Wie er sich einen Einsatz vorstellt? "Unsere Idee dabei ist, dass wir die großen Rennen mit Herstellerunterstützung bestreiten würden. Denn dies wird wahrscheinlich die Zukunft des Motorsports sein. Es werden mehr High-End-Kundenteams mit Herstellerunterstützung um die Gesamtsiege fahren als reine Werksmannschaften", so Vosse.

Mit Bildmaterial von Audi.

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Rennserie DTM
Autor Sven Haidinger