Nach Frentzen, Coulthard & Co.: Was die DTM Robert Kubica zutraut

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Nach Frentzen, Coulthard & Co.: Was die DTM Robert Kubica zutraut
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15.02.2020, 17:20

Viele Formel-1-Piloten erhielten nach ihrem Wechsel in die DTM eine Ohrfeige: Was dagegen spricht, dass Robert Kubica ein ähnliches Schicksal erleidet

Die Freude in der DTM ist groß, dass Robert Kubica kommende Saison mit dem BMW-Kundenteam ART am Start stehen wird und damit für ein 15. Auto im Feld sorgt. In den sozialen Netzwerken haben bereits viele DTM-Fahrer dem polnischen Ex-Formel-1-Piloten zu seiner Entscheidung gratuliert.

Allen voran BMW-Pilot Timo Glock, der Kubica als TV-Experte in den vergangenen Jahren regelmäßig im Formel-1-Fahrerlager traf und möglicherweise nicht ganz unbeteiligt an dessen DTM-Ambitionen ist. "Ich habe dir schon viele Geschichten über die DTM erzählt - und wie das Racing ist", spricht er Kubica auf 'Instagram' direkt an. "Ich erinnere mich an einige unserer Gespräche, die wir im Vorjahr bei der Formel 1 hatten."

Jetzt freut sich Glock "sehr, dass wir wieder auf einer Strecke gegeneinander kämpfen werden. Das letzte Mal ist lange her - das muss in der Formel 1 im Jahr 2008 oder 2009 gewesen sein." Damals fuhr Glock noch in der Formel 1 für Toyota und Kubica für das BMW-Sauber-Team.

Kubica: Mit dem Motorsport noch eine Rechnung offen

Auch Audi-Pilot Jamie Green wünscht sich "Rad-an-Rad-Duelle" mit Kubica, während Markenkollege Loic Duval die Konkurrenz aus der Formel 1 als "großartige Motivationsquelle" sieht. Aber wie gut wird Kubica wirklich in der DTM zurechtkommen?

Ralf Schumacher

Einer der letzten Formel-1-Piloten, die sich in der DTM abmühten: Ralf Schumacher

Foto: ITR

Schon viele Ex-Formel-1-Piloten sind daran gescheitert, nach Ende ihrer Karriere in der Königsklasse des Motorsport in der DTM erfolgreich Fuß zu fassen. Die Liste ist lang: Mika Häkkinen, David Coulthard, Ralf Schumacher oder Heinz Harald Frentzen waren allesamt in der Formel 1 deutlich stärker als in der DTM.

Doch bei Kubica gibt es einen Unterschied: Während viele Vorgänger vermutlich davon ausgingen, dass die traditionsreiche Tourenwagenserie nach der Formel 1 auch mit weniger Aufwand bewältigbar sein müsste, will Kubica nach dem gescheiterten Comeback im Hinterbänkler-Williams der Welt und sich selbst beweisen, dass er trotz seiner Handverletzung ein Topfahrer ist.

Wittmann: Kubica "geht nicht halbherzig" in die DTM

"Das kann gut möglich sein", glaubt auch BMW-Pilot Marco Wittmann im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com', dass Kubica motivierter ist als einige seiner Vorgänger. "Es gab sicher den einen oder anderen Formel-1-Fahrer, bei dem die Motivation nicht mehr so da war und der die DTM einfach so mitgenommen hat, aber der Erfolg ausblieb."

Dieser Weg sei aber in der DTM, in der die Leistungsdichte enorm ist, zum Scheitern verurteilt: "Die DTM ist keine Veranstaltung, die du einfach so mitnehmen kannst. Da musst du wirklich mit Ehrgeiz, mit Leidenschaft dabei sein. Und mit viel Motivation. Einer, der das wirklich zeigt, ist Timo Glock", spricht Wittmann seinem Kollegen ein Kompliment aus.

"Er ist wirklich ein Kämpfer und hat sich reingebissen, um Akzente und Highlights zu setzen. Und ich denke, dass auch Kubica einer ist, der nicht halbherzig reingeht."

Marquardt über Kubica: "Wenn, dann mit 100 Prozent"

Davon ist auch BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt überzeugt, der Kubica bereits aus Formel-1-Tagen kennt. Zur Erinnerung: Als der Pole vor mehr als zehn Jahren für BMW-Sauber am Start war, fungierte Marquardt beim Toyota-Rennstall als Teammanager.

 

"Halbe Sachen gibt es bei ihm nicht", urteilt Marquardt im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' über den DTM-Neuzugang aus Polen. "So habe ich ihn als Persönlichkeit kennengelernt: Wenn der was macht, dann mit 100 Prozent."

Kubica will sogar beim Tennis mit allen Mitteln gewinnen

Ein Tennismatch gegen den Polen an einem Donnerstag in Bahrain hat er in bleibender Erinnerung. "Ich habe mit unserem damaligen Doc gegen Robert und seinen Manager gespielt." Wie sich Kubica auf dem Court präsentierte?

"Technisch war er nicht gerade auf einem Niveau, dass man sagt: Er ist eine Tennislegende, die nicht entdeckt wurde. Aber was das Kämpferische und den Siegeswillen angeht, war er absolute Topliga. Er hat dabei auch zu unlauteren Mitteln gegriffen, hat versucht, uns nach allen Regeln der Kunst zu bescheißen. Man muss wirklich sagen: Das hat Riesenspaß gemacht und du hast gemerkt, wie kompetitiv er ist."

Marquardt ist bewusst, dass der Rallyeunfall im Jahr 2011 ein Einschnitt in der Karriere des Krakauers war: "Er hatte mit BMW eine sehr erfolgreiche Zeit in der Formel 1. Da hat er gezeigt, welch toller Rennfahrer er ist. Leider hat er durch seinen Unfall nicht alles so umsetzen können. Dennoch halte ich ihn in vielen Bereichen für einen der Topfahrer."

Mit Bildmaterial von BMW.

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Rennserie DTM
Autor Sven Haidinger