Rast über Loebs Chancen: "Schwierig, die letzten Zehntel zu finden"

Was Ex-Champion Rene Rast Sebastien Loeb in der DTM zutraut und wie der Rallye-Rekordweltmeister das AF-Corse-Team bei den Testfahrten beeindruckte

DTM-Quereinsteiger Sebastien Loeb hat vergangene Woche in Hockenheim seinen zweiten Test in AF-Corse-Ferrari absolviert, um sich auf seinen Renneinsatz beim Saisonauftakt in Portimao vorzubereiten. Doch welche Chancen darf sich der 48-jährige Rallye-Rekordweltmeister im GT3-Spitzenfeld überhaupt ausrechnen?

"Er ist immer noch schnell und hat es immer noch drauf. Das haben wir in Monte Carlo gesehen, wo er den WRC-Lauf gewonnen hat", sagt Abts DTM-Rückkehrer Rene Rast. "Es wird aber schwierig werden, die letzten Zehntel zu finden."

Das führt Rast darauf zurück, dass in der DTM zahlreiche GT3-Spezialisten am Werk sind und sich Loeb - wie übrigens auch Rast, der im Vorjahr nicht dabei war - umstellen muss. "Die GT3-Autos sind völlig andere Biester, aber er wird alles geben, um vorne mit dabei zu sein."

Rast sieht Loeb im Mittelfeld

Loeb ist übrigens nicht das erste Rallye-Ass, das in der DTM sein Glück versucht. In der alten DTM fuhr der zweimalige Rallye-Weltmeister Walter Röhrl 1990 und 1991 zehn Rennen für Audi - und gewann sogar eines. 2018 absolvierte Sebastien Ogier einen DTM-Gaststart in Spielberg. Er konnte im Mercedes-Prototypen zwar mithalten, fuhr aber keinen Spitzenplatz ein.

Sébastien Loeb, AF Corse

Sébastien Loeb, AF Corse

Foto: Andreas Beil

"Es war für ihn auch schwierig, aber er hat es damals geschafft, mit Gary Paffett zu kämpfen", erinnert sich Rast an Ogiers Gastspiel. "Das war nicht schlecht." Was er Loeb in Portimao zutraut? "Ich erwarte von Sebastien Loeb keine Siege, aber ich denke, dass er im Mittelfeld mitkämpfen kann."

Loeb hat beim DTM-Test in Hockenheim an zwei Tagen bei schwierigen Bedingungen zwischen 50 und 60 Runden absolviert. Im Vergleich zu seinem Teamkollegen Felipe Fraga fehlte ihm rund eine Sekunde pro Runde. Nun bleiben ihm nur noch die zwei Testtage in Portimao, ehe es ernst wird, denn laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' erhält er bis dahin keinen zusätzlichen Privattest.

Reichert: "Der Typ kann alles fahren, was Räder hat"

Das AF-Corse-Team zeigt sich nach den ersten Erfahrungen begeistert vom Superstar aus Frankreich. "Der Typ kann alles fahren, solange es Räder und ein Gaspedal hat", sagt Sportdirektor Ron Reichert auf Nachfrage von 'Motorsport.com'. "Er steigt ins Auto ein und fühlt sich sofort wohl. Er braucht keinen halben Tag Einführung, wie das Auto funktioniert. Er versteht es, möchte sofort am Set-up schrauben und spürt kleine Unterschiede."

Man habe auch sofort gesehen, dass Loeb nicht nur auf unbefestigtem Untergrund schnell sei und sich auch hervorragend ins Team eingefügt habe: "Er gibt sofort gutes Feedback und kommt mit den Ingenieuren klar. Er versucht herauszufinden, was sie brauchen, obwohl sich das im Vergleich zum Rallyesport unterscheidet. Es ist eine Freude, mit ihm zu arbeiten."

Auch Teamkollege Fraga spricht von "einer tollen Erfahrung", den Superstar als Teamkollegen zu haben. Wie er den neuen Kollegen wahrnimmt? "Er ist ein netter Kerl, sehr still", beschreibt der Brasilianer seinen ersten Eindruck.

Datenanalyse soll Loeb schnell machen

AF Corse versucht, Loeb trotz der geringen Fahrzeit mit Hilfe der Datenanalyse entgegenzukommen. "Wir hatten bereits viele Meetings und treffen uns noch immer, wenn es nötig ist. Wir sitzen nicht nur rum und plaudern", sagt Reichert.

"Es hilft, die Punkte durchzugehen und ihm zu zeigen, wie die anderen Fahrer das machen. Wie funktionierte das Set-up vergangenes Jahr beim Test und an den Rennwochenenden? All das ist für ihn sehr hilfreich, um zu verstehen, wie sich ein GT-Auto in den Sessions entwickelt." Abgesehen davon fühle er sich im Auto wohl "und möchte fahren", so der AF-Corse-Sportdirektor.

Mit Bildmaterial von Red Bull/Julian Kroehl.

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