So liefen die 24 Stunden auf der Nordschleife für die DTM-Stars

Acht DTM-Piloten stellten sich dem 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife: Wie nah Triumph und Drama zusammenlagen und wer einen historischen Sieg einfuhr

So liefen die 24 Stunden auf der Nordschleife für die DTM-Stars

Noch nie war der 24-Stunden-Klassiker auf der Nürburgring-Nordschleife so kurz wie die 49. Ausgabe, was an der Nebel-Unterbrechung von 14:30 Stunden lag. Doch in den neuneinhalb Stunden, in denen auf der 25,378 Kilometer langen Kultstrecke gefahren wurde, flogen die Fetzen - und die DTM-Stars waren mittendrin.

Beinahe hätte es für Sheldon van der Linde und Marco Wittmann bei gewohnt durchwachsenen Bedingungen sogar für dem Gesamtsieg gereicht, doch der Manthey-Porsche setzte sich im Finalsprint haarscharf durch. Die beiden BMW-Werksfahrer waren aber nicht die einzigen DTM-Piloten, die sich Siegchancen ausrechnen durften.

Auch andere Kollegen kämpften um den Platz ganz oben - mit teils dramatischem Ausgang. Zudem erreichte ein DTM-Pilot einen historischen Erfolg, der etwas unterging. Wir beleuchten die diesjährigen 24 Stunden auf der Nürburgring-Nordschleife aus Sicht der acht DTM-Stars.

Sheldon van der Linde, Marco Wittmann (#98 Rowe-BMW M6 GT3): Platz zwei

 

Connor de Phillippi, Martin Tomczyk, Sheldon van der Linde, Marco Wittmann

Starke Fahrt: Sheldon van der Linde und Marco Wittmann hätten beinahe gewonnen

Foto: BMW

Für die Titelverteidiger von Rowe war es ein bittersüßer zweiter Platz, denn das Auto mit der Nummer 1 führte nach dem Re-Start am Sonntag das Rennen mit Ex-DTM-Pilot Philipp Eng am Steuer an, ehe man mit einem Defekt an der Elektrik aus dem Rennen gerissen wurde.

 

Beinahe hätte dann das Quartett mit der Startnummer 98 die Kastanien aus dem Feuer geholt: Am Ende fehlten den DTM-Piloten Sheldon van der Linde, Marco Wittmann, die von Ex-DTM-Champion Martin Tomczyk und dem US-Amerikaner Connor de Phillippi Unterstützung erhielten, nur 8,817 Sekunden auf den siegreichen Manthey-Porsche.

Dabei war Startfahrer Tomczyk nur von Platz 25 ins Rennen gegangen, nachdem man im Top-Qualifying 1 den Aufstieg verpasst hatte. "Als wir am Samstag von Platz 25 gestartet sind, haben wir uns nicht ausgemalt, am Ende auf dem Podium zu stehen", so DTM-Pilot Marco Wittmann, der erstmals beim 24-Stunden-Klassiker unter die Top 3 kam.

"Martin Tomczyk hat uns durch einen unglaublichen ersten Doppelstint überhaupt erst in diese Position gebracht", lobt er seinen Kollegen. Tomczyk war es auch, der am Sonntag nach der Nebel-Pause den Re-Start von Startplatz fünf bestritt - und damit unmittelbar vor dem späteren Siegerauto mit der Startnummer 911 lag.

Nachdem sich einige Konkurrenten aus dem Rennen kegelten, kam es am Ende zum großen Duell zwischen Sheldon van der Linde im Rowe-BMW und Kevin Estre im "Grello". Doch der versuchte Undercut beim vorletzten Stopp gelang nicht, und der schnelle Südafrikaner blieb Zweiter. "Auf der Döttinger Höhe konnte ich den Manthey-Porsche sehen", sagt er. "Es war so eng."

So knapp am Sieg zu scheitern, tue natürlich "auch ein bisschen weh, aber enttäuscht sollten wir wirklich nicht sein", meint der 22-Jährige. "Mein Triple-Stint am Ende war nicht ohne, ich habe alles gegeben. Aber es sollte nicht sein." Am Ende zieht er den Hut vor seinem siegreichen Rivalen: "Kevin ist hier super erfahren. Er ist der richtige Mann für den Job und liefert immer ab oder übertrifft sogar die Erwartungen."

Maximilian Götz, Daniel Juncadella (#7 GetSpeed-Mercedes-AMG GT3): Platz drei

 

Daniel Juncadella, Raffaele Marciello, Fabian Schiller, Matthieu Vaxiviere

Der GetSpeed-Mercedes war nach Marciellos Kollision rechts vorne ramponiert

Foto: Alexander Trienitz

Wie in der DTM gingen Maximilian Götz und Daniel Juncadella, die sich den GetSpeed-Mercedes mit Raffaele Marciello und Fabian Schiller teilten, ganz in Pink in den 24-Stunden-Klassiker. Doch nach Startplatz sechs verpokerte man sich bei der Reifenwahl, was viel Zeit kostete. Der Abbruch des Rennens wegen des Nebels kam daher wie gerufen: Plötzlich durfte man sich wieder Siegchancen ausrechnen, auch wenn man mit Startplatz neun dreieinhalb Stunden vor Schluss nicht ganz vorne war.

Doch auch am Sonntag lief es nicht ganz rund für die Startnummer sieben: Raffaele Marciello verursachte beim vor ihm auf Platz sechs liegenden Phoenix-Audi von Michele Beretta zunächst einen Reifenschaden und drückte ihn dann auch noch von der Strecke. Dabei wurde der Mercedes-AMG GT3 an der Front beschädigt.

Doch dann drehte GruppeM-DTM-Pilot Daniel Juncadella auf und arbeitete sich mit Top-Rundenzeiten nach vorne. Nur am stark fahrenden Nordschleifen-Spezialisten Klaus Bachler im Falken-Porsche biss sich der Spanier im Zweikampf die Zähne aus.

Für das Finale übergab Juncadella das Fahrzeug an Marciello, der seinen Fehler wieder gutmachte und sich acht Minuten vor Rennende gegen Falken-Porsche-Pilot Sven Müller durchsetzte und damit rang drei und einen Podestplatz sicherstellte. "Wir haben alles versucht und am Schluss noch einmal richtig gepusht", so Juncadella.

"Das war nach dem Re-Start im Grunde wirklich nur noch ein Sprint-Rennen und dafür hat uns vielleicht ein wenig der Top-Speed gefehlt. Raffaele hat uns am Ende mit fantastischen Manövern das Podium gesichert - das war einfach unglaublich!", freut er sich.

Nico Müller (#2 Car-Collection-Audi R8 LMS): Platz fünf

 

Nico Müller, Christopher Haase, Patric Niederhauser, Markus Winkelhock

Platz fünf: DTM-Vizemeister Nico Müller saß im bestplatzierten Audi-Boliden

Foto: Audi AG

Der zweifache DTM-Vizemeister Nico Müller beendete den Langstrecken-Klassiker in der Eifel auf Platz fünf und war damit zusammen mit Christopher Haase und Markus Winkelhock bester Audi im Ziel. Das war es jedoch schon mit den guten Nachrichten, denn die Ingolstädter Fraktion fiel gegenüber Porsche, BMW und Mercedes-AMG deutlich ab.

Müller und seine Teamkollegen starteten nur von Platz 21 und agierten in der Anfangsphase auch beim Reifenpoker glücklos. "Wir sind bei trockenen Bedingungen auf Regenreifen gestartet, dann fuhren wir mit Slicks bei Nässe, hatten eine Stunde lang Aquaplaning auf Regenreifen, dichten Nebel", so Müller, der einmal von der Strecke rutschte, auf seinen Social-Media-Kanälen. "Dieses verrückte Rennen hat alles geboten."

Der Abbruch brachte das Trio aber wieder zurück ins Spiel, obwohl man beim Re-Start am Sonntag nur auf Platz 17 lag. Im Sprint zur Zielflagge fuhr man solide, wodurch man am Ende das Podest um nur vier Sekunden verpasste und auf Platz fünf das beste Audi-Team war. "Wie waren schon sechs Minuten hinten und haben uns dann ungefähr von Platz 35 zurückgekämpft", sieht es Müller positiv. "Wir wollten natürlich mehr, aber das ist der Beweis, dass man nie aufgeben darf."

Philip Ellis (#25 Space-Drive-Mercedes-AMG GT3): Platz 16 (SP-X-Klassensieg)

 

Philip Ellis

Ein historischer Triumph, der etwas unterging: Ellis siegte in der GT-X-Klasse

Foto: Daimler

Winward-Mercedes-DTM-Rookie Philip Ellis saß beim 24-Stunden-Rennen im Mercedes-AMG GT3 des Space-Drive-Teams, das mit der elektronischen Lenkung von Schaeffler-Paravan ausgestattet war. Und sorgte gemeinsam mit seinen Teamkollegen Dominik Farnbacher, Tim Scheerbarth und Darren Turner für einen historischen Triumph in der Versuchsklasse SP-X.

Noch nie zuvor hatte ein GT3-Auto ohne Lenksäule erfolgreich an einem Rennen auf der Nordschleife teilgenommen. Im Gesamtklassement kam man mit drei Runden Rückstand auf Platz 16. Dabei hatte es am Samstag gar nicht gut ausgesehen. "Was für ein Comeback nach einem super-schwierigen Start, der uns bis auf Platz 109 zurückgeworfen hat", zeigt sich Ellis auf 'Instagram' erleichtert. "Ich bin stolz, ein Teil dieses Teams zu sein."

Kelvin van der Linde (#29 Land-Audi R8 LMS): ausgeschieden

 

Kelvin van der Linde, Christopher Mies

Kelvin van der Linde zeigte einmal mehr sein Tempo, nahm aber zu viel Risiko

Foto: Audi AG

Was für ein bitteres 24-Stunden-Rennen für Abt-DTM-Rookie Kelvin van der Linde. Der Südafrikaner, der gemeinsam mit DTM-Champion und Kumpel Rene Rast, Chris Mies und Frederic Vervisch für das Land-Audi-Team antrat, saß beim Sprint am Sonntag im Audi mit den besten Chancen auf den Sieg. Und van der Linde machte seinem Ruf als GT3-Spezialist mit starken Rundenzeiten alle Ehre, ehe er in der 48. Runde einen Fahrfehler beging.

"Wir haben eine Stunde vor Schluss die Führenden gejagt, als ich auf einer feuchten Stelle der Strecke nach außen rutschte", schildert er auf 'Instagram' das Missgeschick. "Als ich wieder zurückkam, wurde ich von einem anderen Auto erfasst, das ebenfalls von der Strecke abkam. So landeten wir beide in der Mauer wodurch mein Auto komplett zerstört wurde."

Beim besagten Fahrzeug handelte es sich um den Rutronik-Porsche von Julien Andlauer. Schon beim Start ins Rennen hatte die Truppe rund um Kelvin van der Linde das Glück nicht auf seiner Seite: Weil der R8 LMS mit Regenreifen ausgestattet war, verzichtete man auf Startplatz 13 und ließ kurzfristig auf geschnittene Slicks umstecken. Die Folge war ein Start aus der Boxengasse, wodurch man sich am Ende von Startgruppe 1 einreihen musste und viel Zeit verlor.

Durch eine starke Aufholjagd war man beim Re-Start am Sonntag auf Platz acht. Dass dann ausgerechnet van der Linde das bittere Aus verursachte, ist für ihn schwer zu verdauen. Doch er gibt sich kämpferisch: "Jeder Rückschlag bietet die Gelegenheit für ein Comeback. Sport ist emotional, voller Leidenschaft - und genau das liebe ich daran." Er werde schon bald zurückschlagen, verspricht der 24-jährige Bruder von Sheldon van der Linde.

Hubert Haupt (#6 HRT-Mercedes-AMG GT3): ausgeschieden

 

Hubert Haupt, Patrick Assenheimer, Nico Bastian

Trotz Tiger auf der Haube geschlagen: Haupt crashte im Mercedes-AMG GT3

Foto: Andreas Beil

Auch das Team von Teambesitzer und Rennfahrer Hubert Haupt leckt nach dem 24-Stunden-Rennen seine Wunden: Wie schon im Vorjahr dominierte man mit einem Auto die Anfangsphase des Rennens und kam am Ende nicht ins Ziel.

Nachdem Nordschleifen-Spezialist Maro Engel mit dem Mercedes-AMG GT3 mit der Startnummer vier am Sonntag nach drei Runden auf Platz zwei liegend beim Überrunden crashte, schlug Teambesitzer Hubert Haupt mit der Startnummer sechs und dem markanten Tiger auf der Motorhaube zweimal in die Streckenbegrenzung ein und musste aufgeben.

"Manchmal ist das Glück einfach nicht auf deiner Seite", schreibt Teambesitzer Haupt auf 'Instagram'. "Uns fehlen die Worte und wir sind schwer enttäuscht. Wir hatten einen großartigen Start ins Rennen, aber nach der Unterbrechung mit der roten Flagge waren wir einfach vom Pech verfolgt."

Haupt und seine Teamkollegen Nico Bastian, Patrick Assenheimer und Engel, der in beiden Autos antrat, hatten sich wie so viele schon am Anfang verpokert, denn Startfahrer Engel ließ nach der Einführungsrunde Regenreifen aufziehen. Doch der Schauer kam erst eine halbe Stunde später, wodurch man viel Zeit verlor. Dennoch war man beim Re-Start am Sonntag immerhin auf Platz elf, ehe alles schieflief.

Mit Bildmaterial von Audi AG.

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