DTM 2018

Super-GT-Autos in Hockenheim: Showrun mit Signalwirkung

Der Showrun von Nissan und Lexus in Hockenheim als Vorgeschmack auf die mögliche DTM-Zukunft. Es bleiben noch Hürden, aber das Signal ist angekommen.

Mit den Showruns der beiden Super-GT-Autos von Nissan und Lexus am DTM-Finalwochenende 2017 in Hockenheim haben alle Beobachter einen Vorgeschmack auf die mögliche Zukunft der Tourenwagenszene bekommen. Nach jahrelangen Gesprächen könnte der endgültige Weg zu einem gemeinsamen Reglement schon bald geebnet werden. Die Fahrten von Ronnie Quintarelli im Nissan GT-R und Heikki Kovalainen im Lexus LC500 haben große Begeisterung ausgelöst.

"Die Super-GT-Autos sind schneller. Ich bin Rennfahrer - und Rennfahrer mögen es nie, wenn andere Autos schneller sind. Das werden wir ändern", schmunzelt DTM-Boss Gerhard Berger nach den Demorunden der beiden japanischen GT500-Tourenwagen, die schon heute mit den zukünftigen Zweiliter-Turbomotoren der DTM über die Strecken jagen. "Als die fünf Autos gemeinsam auf der Strecke waren, hat es mir kurz den Atem geraubt. Das sah wunderbar aus", sagt GTA-Vorsitzender Masaaki Bandoh.

"Dieser Showrun war das Signal, dass wir uns bezüglich der definitiven Formulierung des Class-One-Reglements auf der Zielgeraden befinden", meint der Japaner. Und genau darum ging es beim Showrun in Hockenheim: Allen Fans, Fahrern, Verantwortlichen und bisher nicht engagierten Herstellern sollte deutlich vor Augen geführt werden, wie nahe die Autos schon jetzt aneinander liegen - zumindest optisch. "Eigentlich sind wir so etwas die Hochzeits-Anbahner. Wir schauen uns mal an, ob es möglich ist, mit dem anderen auszukommen, oder nicht", lacht Kovalainen im Gespräch mit Motorsport.com.

DTM-Piloten begeistert von Sound und Performance

"Ich habe mir jede Session angeschaut - und vor allem auch angehört. Das war nett", sagt BMW-Speerspitze Timo Glock. "Vor allem der Sound war richtig cool. Die Zweiliter-Turbos machen ordentlich Krach. Die Autos sehen auch richtig schön giftig aus. Ich fände es nett, wenn wir sie demnächst hier öfter sehen würden." Audi-Pilot Mike Rockenfeller stimmt zu: "Sound cool, Autos cool. Die 100 PS, die sie mehr haben, sind immer gut. Sie sind schneller, auch das ist für jeden Fahrer klasse. Ich hoffe, dass es zusammenwachsen wird."

"Ich fand die Soundkulisse gut und deren Rundenzeiten ebenso", meint Jamie Green. "Die Super-GT-Autos sehen cool aus und sind richtig schnell. Ich denke nicht, dass sie viel mehr Abtrieb haben, aber eben mehr Power und - ganz entscheidend - weichere Reifen. Das liegt am dortigen Reifenkrieg mit drei oder vier Marken. Eines ist wichtig: Man muss sich ganz offensichtlich keine Sorgen machen, dass wir ein Soundproblem wie die Formel 1 bekommen."

"Das war ursprünglich meine größte Sorge, dass wir Diskussionen um Sound wie in der Formel 1 bekommen", ergänzt Mike Rockenfeller. Der erfahrene Audi-Pilot nimmt die von Kovalainen gefahrenen Rundenzeiten von 1:29.7 Minuten schmunzelnd zur Kenntnis: "Du siehst regelrecht, wie stark die beschleunigen und hörst die Kraft. Das ist wie beim LMP1. Die haben zwar weniger Sound, aber du spürst und siehst, wie das Ding unglaublich anschiebt. Das braucht es auch hier."

Showrun als wichtiges Signal an den Markt

"Viele fragen sich, was das bringen soll, dass sie ein paar Showrunden fahren. Ich finde das aber wichtig, allein schon das Signal. Das hat Gerhard Berger gut gemacht, dass er das geschafft hat", so der Mann aus Neuwied. Dem neuen DTM-Boss ist mit dem Gastspiel der Japaner in Deutschland ein Durchbruch gelungen. Endlich keine warmen Worte mehr, sondern sichtbare und greifbare Annäherung. "Das war der erste Schritt", meint Kovalainen.

Die geplante Zusammenarbeit zwischen japanischer Super-GT-Serie und der DTM wirkt wie eine schwere Geburt. Die ersten Gespräche gab es bereits im Jahr 2009. Was bislang als schwierige Anbahnung einer Beziehung galt, nimmt nun aber Formen an - keine Liebe auf den ersten Blick, aber auch kein Fang auf der "Tinder-Resterampe". Es geht um logische Kooperation, um dem Motorsport im Bereich Tourenwagen neue Perspektiven zu bieten.

"Es gibt noch Unterschiede. Aber ich bin sicher, dass für die Zukunft das Richtige passieren wird", sagt Kovalainen, der vor einigen Jahren auch mal ein DTM-Auto von BMW testen durfte. "Im Moment ist der Motor noch anders, außerdem gibt es bei uns eine andere Reifensituation. Abgesehen davon gibt es viele Ähnlichkeiten im technischen Bereich. Im Sportlichen Reglement sieht es etwas anders aus. Da gibt es große Unterschiede. Und das dürfte die größte Hürde sein, die es zu meistern gilt."

Große Unterschiede in den Rennformaten

In der japanischen Super-GT-Serie fahren die schnellen GT500-Autos von Lexus, Nissan und Honda gemeinsame Rennen mit den GT300-Fahrzeugen. Außerdem sorgt ein Reifenkrieg für schnelle Entwicklung der Rundenzeiten, die Fahrzeuge werden auf Distanzen zwischen 300 und 500 Kilometern nachgetankt - wobei eine solche Renndistanz in Japan noch als Sprint gilt. "Es ist einfach erst einmal ein ganz wichtiges Zeichen", kommentiert BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt.

"Die Gespräche mit den Japanern laufen seit langer Zeit. Es ging immer mal bergauf, dann wieder bergab - immer hin und her. Jetzt läuft es gut, wir sind positiv gestimmt. Ich bin guter Dinge, dass wir es jetzt endlich hinbekommen, einen gemeinsamen Nenner zu schaffen. Wir sind dem schon recht nahe", meint der Rennleiter aus München. "Natürlich gibt es Unterschiede, aber dennoch sollte nun allen klar geworden sein, dass diese beiden Serien eigentlich sehr gut zusammenpassen."

"Alle wissen es doch", erklärt Mike Rockenfeller. "Und ich glaube, es wird jetzt bald viel passieren. Es gibt wieder Hoffnung. Die Showruns der Super-GT-Autos haben allen gezeigt, dass wir sehr nahe aneinander sind. Es ist möglich, etwas gemeinsam zu machen, wenn man es wirklich will. Ich glaube, der Wille ist da. Er muss da sein. Dann sehe ich auch wieder große Chancen für die DTM." Vor allem vor dem Hintergrund des bevorstehenden Mercedes-DTM-Ausstiegs am Ende der Saison 2018 sei dies wichtig.

"Unser Ziel ist ganz klar: Wir wollen mindestens einen der japanischen Hersteller auch bei uns sehen", sagt Jens Marquardt. "Grundlage ist, dass unsere Bühne attraktiv und das Regelwerk stabil ist. Vor zehn Jahren stand ich auf einer anderen Seite und habe es von außen betrachtet. Damals sind wir nicht eingestiegen, weil uns nicht wirklich klar war, in welche Richtung sich die DTM entwickeln wird. Es muss berechenbar sein - und offen, nicht zu deutsch. Bisher werden fast alle Gespräche mit dem DMSB auf Deutsch geführt. Da müssen wir uns weiter öffnen."

Class-One-Reglement soll Tourenwagen-Welt verändern

"Auch die Autos müssen weniger kompliziert werden. Wir entwickeln bei uns in so vielen Bereichen, von denen der Fan nichts mitbekommt und von denen er rein gar nichts hat. Wenn ich mir den Lexus anschaue, dann sehe ich da keine kleinen Flaps überall. Wenn die sich mal ins Auto fahren, dann ist der Effekt viel weniger negativ als bei unseren Fahrzeugen", meint Marquardt. Genau diesen Weg will auch DTM-Boss Gerhard Berger beschreiten. Pures Racing mit viel Krach und Spektakel soll entstehen. Old-school auf moderner Basis.

"Die Grundlagen für 2019 stehen fest. Auch wir werden dann den Zweiliter-Turbo haben. Die Gemeinsamkeiten nehmen zu", erklärt Berger. In den kommenden Monaten sollen die Feinheiten des Class-One-Reglements gemeinsam mit der japanischen GTA fixiert werden. "Wir werden Anpassungen bei den Gleichteilen vornehmen, um die Investments der Hersteller weiter zu senken und die Autos im Bereich Performance noch näher zusammen zu bringen."

"Das Reglement ist in Deutschland entstanden mit starker Mitarbeit aus Japan. Wir wollen die Welt des Tourenwagen-Sports davon überzeugen, dass dies der richtige Weg ist", meint der Österreicher. Dann könnte die Lücke, die Mercedes in der DTM hinterlassen wird, schnell geschlossen werden - vielleicht sogar nahtlos. "Für einen Einstieg zur Saison 2019 ist der Zeitrahmen schon sehr knapp. Unmöglich ist es aber nicht", erklärt Jens Marquardt.

Nissan und Lexus könnten Interesse haben, Honda eher nicht

Nach Informationen von Motorsport.com ist das Interesse bei den japanischen Herstellern nicht überall groß. Honda hat im Motorsport andere Baustellen (Formel 1). Dies mag ein Grund für ein Fernbleiben aus Hockenheim gewesen sein. Im Gegenzug ist auch nicht jeder deutsche Hersteller an einem Einsatz in Japan interessiert. Mercedes wird nach dem DTM-Ausstieg nicht plötzlich in der Super-GT-Serie aktiv. Die Stuttgarter werden nach aktuellem Stand kein Fahrzeug zum Gegenbesuch in Motegi schicken.

"Die Zusammenkunft zwischen den Herstellern der DTM und jener der Super GT war äußert freundschaftlich und nett. Aber alle in diesem Sport sind wettbewerbsorientiert. Da denkt jetzt schon jeder darüber nach, wie er den anderen in Zukunft schlagen kann", freut sich Gerhard Berger auf mögliche zukünftige Wettbewerbe auf den Strecken in Asien und Europa. Die Kooperation mit der amerikanischen IMSA ist derweil (noch) nicht in Sicht. In den USA sind derzeit andere Formate gefragt.

"Die Amerikaner kennen unser Sprintformat aus der DTM in dieser Form gar nicht", erklärt BMW-Rennleiter Marquardt. Gespräche mit den Kollegen jenseits des "großen Teichs" hat es gegeben, aber das Interesse von Herstellern wie Cadillac und Co. hält sich in Grenzen. "Es macht nur dann Sinn in den USA zu fahren, wenn auch ein amerikanischer Hersteller mit an Bord ist. Die wird man mit den Autos allein aus Deutschland und Japan nicht packen können."

Einen Kommentar schreiben
Kommentare anzeigen
Über diesen Artikel
Rennserien DTM
Veranstaltung Hockenheim 2
Rennstrecke Hockenheimring
Artikelsorte News
Tags class one, réglement, super gt, zukunft
Topic DTM 2018