Timo Scheider lobt "Downsizing" der DTM: Gibt keine "Presse-Polizei" mehr

Keine Hersteller-Engagements mehr in der DTM: Der zweifache Champion Timo Scheider findet den Schritt gut und liefert dafür vor allem ein Argument

Timo Scheider lobt "Downsizing" der DTM: Gibt keine "Presse-Polizei" mehr

Die DTM hat im Jahr 2021 einen echten Neuanfang gewagt. GT3 statt Class 1 auf der einen, Kunden- statt Werkssport auf der anderen Seite. Ein Schritt zurück, um dann wieder zwei Schritte nach vorn zu kommen? Timo Scheider jedenfalls begrüßt das "Downsizing" der Serie.

Im 'ran-racing-Podcast' begründet der zweifache DTM-Champion seine Ansicht mit folgendem Argument: "Ich habe oft gesagt: Die 'Presse-Polizei' steht neben dran. Und das war bei den Werken Standard, dass da jeder, der irgendwas da draußen zu den Medien kommentiert hat, quasi beobachtet wurde."

Scheider weiter: "Und es wurde aufgepasst, dass ja nix falsches rausgeht. Kam dann ein falsches Wort, kam gleich die 'Presse-Polizei' und hat gesagt: 'Das müssen wir anders nennen.' Oder es wurde nochmal gegengelesen und geändert im Nachgang. Das sind Dinge, die passieren jetzt natürlich nur noch geringfügig."

DTM 2021: Nicht alle Teams haben einen Pressesprecher ...

Tatsächlich haben die Teams und auch die Fahrer im Vergleich zu früher wieder mehr freie Hand in der DTM. Scheider empfindet es sogar als "schon fast ein Stück weit sympathisch", dass nicht einmal alle DTM-Teams der Saison 2021 einen Pressesprecher in ihren Reihen haben.

Die veränderten Gegebenheiten sorgen dafür, dass es nicht nur auf, sondern auch neben der Strecke im DTM-Zirkus hoch her geht. Bestes Beispiel dafür ist die Rivalität zwischen Audi-Star Kelvin van der Linde und Mercedes-AMGs GT3-Ass Maximilian Götz.

Ob ihre gegenseitigen Sticheleien in Interviews und auf Social-Media in einer weiterhin von den Werken bestimmten DTM möglich gewesen wären? Das ist durchaus zu bezweifeln. Zu sehr hatten die Hersteller in Sachen Außendarstellung in der Vergangenheit ihre Finger im Spiel. Doch von genau solchen Rivalitäten und Sticheleien lebt der Sport.

Deshalb zeigt sich DTM-Serienmanager Frederic Elsner durchaus erfreut: "Wir mögen das. Das wünscht man sich als Promoter. Um einen kleinen Vergleich zu liefern: Als ich jünger war, war ich im American Football aktiv. Dort gibt es den sogenannten Trashtalk. Das war Teil des Spiels."

So verhält es sich jetzt auch zwischen van der Linde und Götz. Daher gibt es von Elsner einen Daumen nach oben: "Geplänkel wie diese begrüßen wir - auch neben der Strecke. Die Fahrer sind unsere größten Stars. Also weiter so!"

Junge Fahrer nehmen vieles in Kauf für Werksvertrag

Scheider erinnert sich bei seiner Kritik an seine aktive Zeit als Fahrer zurück: "Ich kenne das aus den Jahren als Werksfahrer, dass die Rookies im Werks-System auch immer erst mal schön kleine Brötchen gebacken haben, weil sie noch keinen Erfolg hatten. Die durften nicht so viel sagen, beziehungsweise: Wenn sie sensibel waren, haben sie nicht so viel gesagt. Weil sie sich nicht getraut hatten."

Stattdessen wussten es die Hersteller zu ihrem Vorteil zu nutzen, wenn ein junger Fahrer aus den Nachwuchsserien unter Vertrag genommen wurde. Finanzielle Belange spielen dabei eine Rolle: Während im Juniorenbereich ordentlich Geld verbrannt wird, sind Nachwuchspiloten durch einen Werksvertrag ihre finanziellen Sorgen erst einmal los. Dafür nimmt man auch einiges in Kauf, sagt Scheider.

"Wenn du neu bist und froh bist, dass du Geld zum Fahren kriegst, und wenn du noch keine Ergebnisse hast, dann sagst du: 'Jawoll, so machen wir das. Auch wenn es scheiße ist, sage ich nicht, dass es scheiße ist, sondern mache meine Faust in der Tasche. Ich mache das, was mir vorgeschrieben und gesagt wird.' Das ist nicht immer alles toll", betont der Ex-Champion.

Denn der Weg an die Spitze ist häufig ein beschwerlicher: "Rennfahren und Motorsport-Karrieren bestehen einfach mal einfach mehr aus Niederlagen, als aus Siegen. Das ist einfach so. Das ist ganz, ganz schwierig, sich da nach oben irgendwo mal anzubiedern, um mal Erfolg zu haben."

"Das ist natürlich am allerschönsten, wenn Motorsport erfolgreich ist und dadurch extrem viel Spaß macht. Dann ist er unglaublich schön. Jeder Sport ist so. Aber eben dahinzukommen ist so schwierig. Eben mehrere Erfolge [zu haben], Kontinuität und Konstanz zu zeigen und dann dabei auch irgendwie noch normal zu bleiben." Beispiele dafür hat die DTM in den vergangenen zehn Jahren genug geliefert.

Fahrer wie Filipe Albuquerque, Antonio Felix da Costa, Tom Blomqvist oder Adrien Tambay setzten einzelne Highlights, blieben aber in der DTM insgesamt farblos. Wie es anders geht, zeigt das Beispiel Marco Wittmann: 2012 war er noch BMW-Testfahrer. Nach einer ordentlichen Rookie-Saison 2013 holte er ein Jahr später seine erste von zwei Meisterschaften in der DTM. 2021 ist der BMW-Pilot immer noch dabei.

Mit Bildmaterial von ITR.

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