Warten auf BMW-Weichenstellung für 2022: DTM-Aus für das Rowe-Team?

Wieso es so lange dauert, bis BMW für die DTM-Saison 2022 sortiert ist, was für den Ausstieg des Rowe-Teams spricht und warum Roberto Ravaglia zurückkehren könnte

Warten auf BMW-Weichenstellung für 2022: DTM-Aus für das Rowe-Team?

Wie stellt sich BMW im zweiten Jahr der GT3-DTM auf? Nachdem sich bereits Teams von Audi, Mercedes, Porsche und Lamborghini für die Saison 2022 eingeschrieben haben und sich auch das Ferrari-Team AF Corse zu einem DTM-Verbleib entschlossen hat, gibt es bislang wenig Konkretes aus München.

Dabei hatte BMW das an DTM-Boss Gerhard Berger abgegebene Versprechen, wie Audi nach dem Herstellerausstieg vier Boliden zu unterstützen, wegen der erst 2022 vorgesehenen Einführung des neuen BMW M4 GT3 um ein Jahr verschoben.

In der bevorstehenden Saison sollte also mit BMW in der DTM zu rechnen sein. Aber woran liegt es dann, dass es aus München noch keine klaren Signale für die DTM-Saison 2022 gibt?

Wechsel bei M GmbH sorgt für Hängepartie

Laut Informationen von 'Motorsport.com' hat das mit dem Wechsel an der Spitze der BMW M GmbH zu tun, in welche der inzwischen von Mike Krack geleitete Motorsportbereich nach dem Aus für Jens Marquardt eingegliedert wurde.

Seit dem 1. November ist nicht mehr der Österreicher Markus Flasch Geschäftsführer der BMW-Tochtergesellschaft, sondern wieder der Niederländer Franciscus van Meel, der diesen Posten bereits von 2015 bis 2018 innehatte.

Flasch hatte es in seiner Ära an der Spitze der M GmbH geschafft, BMW zum weltweit führenden Anbieter von Performance- und High-Performance-Automobilen zu machen und wurde nun zum Leiter der Produktlinien Rolls-Royce sowie der BMW-Luxus-, Ober- und Mittelklasse befördert. Er übernimmt van Meels Posten, der in seine frühere Rolle zurückkehrt.

Laut unterschiedliche Quellen soll van Meel nicht mit allen Entscheidungen einverstanden gewesen sein, die in der Übergangsphase nach Flaschs Abgang und vor seiner Ankunft bei der M GmbH gefallen sind. Das würde auch erklären, warum man in Hinblick auf die DTM noch immer nicht sortiert ist.

Was für einen Rowe-Ausstieg aus der DTM spricht

Dennoch zeichnet sich bereits eine Änderung ab: Denn während das Walkenhorst-Team bereits zu Saisonende klargestellt hat, dass man 2022 gerne mit zwei Autos statt einem in der DTM an den Start gehen möchte, herrscht beim Rowe-Team in Hinblick auf die DTM-Zukunft Funkstille.

In der Branche wird bereits seit Wochen spekuliert, dass sich die Mannschaft aus St. Ingbert 2022 neben der Nürburgring-Langstrecken-Serie NLS (vormals VLN; Anm. d. Red.) wieder auf die GT-World-Challenge Europe (GTWCE) konzentrieren will und man der DTM den Rücken kehrt. Dafür spricht auch, dass Walkenhorst dieses Jahr anders als 2021 keine komplette GTWCE-Langstrecken-Saison absolviert und nur beim 24-Stunden-Rennen in Spa antritt.

Sheldon van der Linde

2021 mit zwei BMW M6 GT3 in der DTM am Start: Das Rowe-Team

Foto: DTM

Teamchef Hans-Peter Naundorf - 2020 einer der ersten Fürsprecher einer GT3-DTM - war von 'Motorsport-Total.com' nicht für ein Gespräch über die unklare DTM-Zukunft des Rowe-Rennstalls zu erreichen.

Die Saison 2021, in der das Rowe-Team in der DTM mit zwei BMW M6 GT3 und den Fahrern Sheldon van der Linde und Timo Glock am Start war, war für die Mannschaft eine Enttäuschung. Man blieb ohne Podestplatz, während Walkenhorst mit Marco Wittmann zwei Siege einfuhr und bis zum Schluss um den Titel kämpfte.

Welche BMW-Teams für die DTM infrage kommen

Wenn Rowe tatsächlich die DTM verlässt, würde das Spielraum bieten für neue BMW-Teams. Doch welche Rennställe kommen diesbezüglich infrage?

Auf den ersten Blick wäre die DTM-erfahrende Mannschaft RMG von Stefan Reinhold ein logischer Kandidat, schließlich fungierte man 2021 als Entwicklungsteam für den M4 GT3. Doch das Team aus Andernach ist nach wie vor nicht wie ein Privatteam aufgestellt und hat von BMW den Auftrag erhalten, den LMDh-Einsatz vorzubereiten. Daher gilt ein DTM-Comeback als sehr unwahrscheinlich.

Das Project-1-Team von Hans-Bernd Kamps ist zwar in der GTE-Klasse der WEC mit Porsche am Start, zeichnet aber auch für den BMW-M2-Cup im Rahmenprogramm der DTM verantwortlich. Es würde also Sinn ergeben, auch in der großen DTM an den Start zu gehen.

So könnte DTM-Legende Roberto Ravaglia zurückkehren

Kundensport- und GT3-Erfahrung besitzt auch das Schubert-Team, das 2022 erneut mindestens einen BMW im ADAC GT Masters an den Start bringen wird. Teamchef Torsten Schubert hat den neuen M4 GT3 in München persönlich in Empfang genommen. Es wurde bereits ein Test in Oschersleben durchgeführt - Mitte Januar folgt beim 24-Stunden-Rennen in Dubai der erste Renneinsatz.

Internationale Erfahrung bringt das Boutsen-Ginion-Team des belgischen Ex-Formel-1-Piloten Thierry Boutsen mit, das 2021 mit dem M6 GT3 die Langstreckenrennen der GT-World-Challenge Europe bestritt.

Und dann wäre da noch das italienische Ceccato-Team, das 2021 in der DTM-Trophy mit einem GT4-BMW am Start war und bei dem niemand geringerer als DTM-Legende Roberto Ravaglia Teammanager ist. Der 64-jährige Italiener, der 1989 den Titel holte, saß bei Tests in Valencia selbst hinterm Steuer des neuen M4 GT3 und möchte das Auto zumindest in der italienischen GT-Meisterschaft an den Start bringen.

2021 kam dort unter anderem Ex-DTM-Champion Bruno Spengler, der 2022 ein DTM-Comeback anvisiert, zu Einsätzen. Und es heißt, dass auch Ravaglia mit seinem Team Lust auf die große DTM hat.

Wie es sonst mit den Piloten aussieht? Marco Wittmann und Sheldon van der Linde sollten für 2022 in der DTM gesetzt sein, Philipp Eng ist nach seinem Jahr in der IMSA-Sportscar-Championship ein heißer Kandidat auf ein Comeback in der Traditionsserie.

Bei Timo Glock ist währenddessen noch offen, ob sein BMW-Vertrag verlängert wird und in welcher Serie er nach dem schwierigen GT3-Einstand 2021 an den Start gehen wird.

Mit Bildmaterial von BMW.

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