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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat
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22.07.2019, 07:53

Die PR-Abteilung spricht von "BMW-Festspielen", doch in Wahrheit setzte es für die Münchner in Assen ein Debakel: Wieso das Timing für Chef Marquardt ungünstig ist

Liebe Leserinnen und Leser,

"BMW-Festspiele in der Cathedral of Speed", titelte die BMW-Sportabteilung in einem Posting auf der hauseigenen Instagram-Seite nach dem DTM-Wochenende in Assen. "Was für ein erfolgreiches DTM-Debüt für BMW auf dem TT Circuit". Ja darf denn das wahr sein?

Nur die Galavorstellung von Marco Wittmann, der nach einem Defekt an seinem BMW M4 im Sonntags-Qualifying vom letzten Startplatz auf Rang zwei nach vorne raste und am Samstag bei Regen siegte, täuscht über das Debakel der Münchner hinweg, die bei trockener Piste kein weiteres Auto in die Top 10 brachten und völlig von der Rolle waren.

Ratlosigkeit nach Niederlage gegen Aston Martin

Da darf Motorsportdirektor Jens Marquardt gar nicht gut geschlafen haben. Er muss sich doch nur die Aussagen der eigenen Fahrer anhören. Philipp Eng, der bislang in der Meisterschaft bester BMW-Pilot war und mit Platz 13 zweitbester (!) Fahrer der Münchner wurde, sieht seine Felle im Titelkampf davonschwimmen.

"Ich bin extrem enttäuscht und habe keine Erklärung, warum wir nicht konkurrenzfähig waren", lautet sein Fazit. Man habe sich das ganze Wochenende in Assen "schwer getan" und war "chancenlos".

Tatsächlich war sogar Neuling Aston Martin besser, denn die BMW von Eng, Timo Glock und Sheldon van der Linde landeten abgeschlagen am Ende des Feldes, während Joel Eriksson nach einem Motorplatzer ausschied und Bruno Spengler aufgab, nachdem sein Auto wie im Qualifying nach links zog.

Wo liegen die BMW-Probleme?

Selbst BMW-Entwicklungsleiter Rudi Dittrich, der Marquardt in Assen als Chef vertrat, spricht abgesehen von Wittmanns Glanzleistung von einem "ernüchternden" Rennen. "Wir werden uns ganz genau ansehen, warum wir eine konstante und gute Pace nicht in der Breite hinbekommen haben", wirkt auch er ratlos.

 

Fakt ist: Schon im Freitag-Training litten die BMW-Piloten darunter, dass die Reifen extrem abbauten. Das ist auch der Grund, warum abgesehen von Wittmann alle Piloten einen zweiten Stopp einlegen mussten.

Ist all das rein streckenspezifisch? Nicht unbedingt, denn bereits seit einigen Rennen zeigt sich der Trend, dass Audi stärker ist. BMW siegte zwar durch Spengler am Sonntag auf dem Norisring und am Samstag beim Regenrennen durch Wittmann, aber während Audi mannschaftlich stets bärenstark auftritt, fehlt bei den Münchnern diese Konstanz. Das könnte damit zu tun haben, dass der RS 5 in einem breiteren Fenster funktioniert als der M4.

Nur halb so viele Podestplätze wie Audi

In der Herstellerwertung hat BMW inzwischen bereits 170 Punkte Rückstand auf Audi: Während die Ingolstädter noch an jedem der fünf Wochenenden über 100 Punkte holten, reisten die Münchner noch nie mit einer dreistelligen Ausbeute ab. Man hat zwar gleich viele Siege, aber nur halb so viele Podestplätze wie Audi auf dem Konto.

Aston Martin

Wittmann setzte sich am Sonntag als einziger BMW gegen Aston Martin durch

Foto: R-Motorsport

Das hat auch damit zu tun, dass die Technik immer wieder streikt: Alleine Wittmann musste in Zolder, in Misano und in Assen wegen technischer Probleme stets von ganz hinten ins Rennen gehen - am Sonntag beim Norisring-Heimspiel ging sein Motor sogar im Rennen kaputt. So wird es für den Drittplatzierten in der Meisterschaft, der 40 Punkte hinter Leader Rene Rast liegt, schwierig, doch noch den Titel zu holen, auch wenn er immer wieder über sich hinauswächst.

Assen-Debakel: Warum das Timing ungünstig ist

Dass man nun ausgerechnet in Assen in ein Debakel schlitterte, ist auch noch aus einem anderen Grund ungünstig. Der BMW-Konzern hat seit einer Woche mit Oliver Zipse einen neuen Vorstandschef, der das Motorsportprogramm sicher genau unter die Lupe nehmen wird.

Oliver Zipse

Der neue BMW-Chef Oliver Zipse wird das Motorsport-Engagement überprüfen

Foto: BMW

Zipse fungierte bislang als Produktionsvorstand - und im Gegensatz zu Entwicklungschef Klaus Fröhlich, gegen den er sich im Ringen um die BMW-Führung durchsetzte, ist er zumindest nicht als Motorsport-Fan bekannt. Der letzte BMW-Titel in der DTM gelang vor drei Jahren, auch bei den Langstreckenklassikern in Le Mans und auf der Nordschleife bekleckerte man sich dieses Jahr alles andere als mit Ruhm.

Motorsport-Engagement bei BMW auf dem Prüfstand

In der Formel E war man zwar im Debütjahr mit Platz fünf in der Meisterschaft deutlich besser als HWA, wirkliche Headlines lassen sich damit aber auch nicht schreiben.

Marquardt muss also nachlegen, denn die Motorsport-Engagements stehen bei den Konzernen dieser Tage mehr denn je auf dem Prüfstand, auch wenn der DTM-Einsatz auf dem Papier bis 2021 gesichert ist. Wenn der neue Chef Lust auf mehr bekommen soll, braucht es Erfolge.

Sven Haidinger

Mit Bildmaterial von BMW.

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Rennserie DTM
Autor Sven Haidinger