Winward-Protest nach Lawson-Crash: Welche Rolle spielte Mercedes-AMG?

Das Winward-Mercedes-Team legt Protest ein, weil Liam Lawson nach der Ellis-Kollision davonkam: Welche Rolle AMG spielt und wieso Lawson die Geduld verlor

Winward-Protest nach Lawson-Crash: Welche Rolle spielte Mercedes-AMG?

Der DTM-Titelkrimi wird nach dem Samstagsrennen auf dem Norisring möglicherweise am grünen Tisch entschieden: Die Rennkommissare haben bei Liam Lawsons Kollision mit Philip Ellis noch ein Auge zugedrückt, doch danach legte Ellis' Mercedes-AMG-Team Winward Protest gegen die Entscheidung ein. Auch dieser wurde abgewiesen, aber das Winward-Team kündigt eine Berufung an, wodurch der Fall an ein DMSB-Berufungsgericht gehen würde.

Dadurch wäre es durchaus möglich, dass es auch am Sonntag nach dem Finalrennen keinen Meister gibt und der Titelkampf erst in einigen Wochen entschieden ist. Denn Lawson kam beim vorletzten DTM-Rennen der Saison als Dritter ins Ziel, wodurch er vor dem letzten Saisonrennen - sollte es keine Strafe geben - 18 Punkte vor Abt-Audi-Pilot Kelvin van der Linde und 19 Punkte vor HRT-Mercedes-Pilot Maximilian Götz führt.

Mercedes-AMG hat laut Informationen von 'Motorsport.com' die Möglichkeit, sich in die Belange der Teams einzumischen. Aber kam es so zum Protest gegen die Entscheidung der Rennkommissare? "Wir haben uns abgestimmt, und das Team hat gesagt, sie möchten Protest einlegen", antwortet Thomas Jäger, DTM-Verantwortlicher von Mercedes-AMG, im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'.

AMG-DTM-Chef Jäger: "Man misst nicht mit gleichem Maß"

Und das sei absolut nachvollziehbar, denn "es geht noch um die Vizemeisterschaft in der Teamwertung", verweist er auf das Duell gegen Abt, bei dem das Winward-Team 26 Punkte Rückstand hat. "Deshalb sind die natürlich stinksauer. Und ich verstehe das voll und ganz."

Das bestätigt Winward-Teamchef Christian Hohenadel: "Wir als Team bewerten die Situation anders als die Rennleitung und wollten sie nochmals durch die Sportkommissare prüfen lassen. Daher haben wir Protest eingelegt."

Jäger wirft der der Rennleitung vor, nicht mit gleichem Maß zu messen: "Gegen van der Linde gab es in Hockenheim nach dem Manöver gegen Lawson eine Strafe, obwohl das Manöver zu keiner großen Auswirkung geführt hat. Das war hartes Fahren, mehr nicht. Und jetzt wird hier ein Auto, das mit um den Sieg fährt, aus dem Rennen genommen."

Kelvin van der Linde: Entscheidung "traurig für den Sport"

Damit ist er einer Meinung mit Abt-Audi-Pilot Kelvin van der Linde, der nach dem Rennen stinksauer war und bei 'ran.de' harte Worte an die Rennleitung richtete: "Das war heute schade für den Sport, und ich bin echt enttäuscht, wenn man das, was heute passiert ist, mit Rennen 2 in Hockenheim vergleicht", verweist er auf die Fünf-Sekunden-Strafe gegen ihn.

"Heute dreht er einfach einen um. Ich glaube wir haben alle Augen, es haben heute alle zugeschaut. Das ist echt traurig für den Sport."

Aber wie reagiert Lawson selbst auf die Ansage von van der Linde und wie beurteilt er das Manöver? "Das ist mittlerweile schon typisch, so etwas von ihm zu hören", reagiert der 19-jährige DTM-Leader schulterzuckend. Und sieht im Gegensatz zu Jäger und seinem Abt-Audi-Rivalen keinen Zusammenhang.

Lawson fühlte sich von Mercedes-AMG gebremst

"Das waren zwei komplett unterschiedliche Vorfälle. Und nachdem, was er in Kurve 1 gemacht hat, bin ich überrascht, dass er überhaupt davon anfängt. Das ist Racing", wundert er sich, nachdem sich van der Linde mit Geschwindigkeitsüberschuss nach dem Start vorbeipressen wollte. Dass er selbst irgendwann eine Aktion versuchte, sei darauf zurückzuführen gewesen, dass die Mercedes-AMG-Piloten zusammengespielt haben.

"Philip hat versucht, mich aufzuhalten, um Maxi zu unterstützen", so Lawson. "Er hat mich in den Scheitelpunkten echt runtergebremst. Mit ist dann aufgefallen, dass wir in Kurve 2 immer fast stehen geblieben sind, ich dann aber gut aus Kurve 3 kam. Ich hatte dann die Möglichkeit, innen vorbeizukommen."

Lawson: "Hätte mehr Platz bekommen müssen"

Wie er das Manöver selbst erlebte? "Von mir aus wirkte es so, als ob ich hinein in Kurve 3 gleichauf mit ihm war. Und dann war ich direkt bei der Mauer und konnte nirgendwo mehr hin. Es kam zur Berührung. Ich war überrascht, dass es ihn umgedreht hat, weil es nur eine leichte Berührung war. Das war natürlich auch nicht mit Absicht, aber mehr war es für mich auch nicht."

Er findet, dass auch Ellis dafür sorgte, dass es zur Kollision kam: "Als ich nichts mehr gegen meine Entscheidung tun konnte, nach innen zu gehen, hätte ich meiner Meinung nach mehr Platz bekommen müssen."

Ellis zeigt dafür kein Verständnis: "Es ist völlig klar, dass in einer so hart umkämpften Rennserie und insbesondere auf so einer Rennstrecke auch mal mit Kontakt gefahren wird. Aber den Vordermann einfach abzuräumen, wenn man anders nicht vorbeikommt, ist inakzeptabel."

Jäger: "Würde das nicht hart als Teamorder bezeichnen"

Jäger gibt Ellis Rückendeckung. "Lawson ist in dieser Kurve einfach nur aufs Hinterrad gefahren", so der Mercedes-AMG-Kundensport-Koordinator. "Und Philip hat ihm Platz gelassen, sonst wäre es schon früher zur Kollision gekommen. Man holt in dieser Kurve aus, damit man den Exit gut erwischt und nicht überholt wird."

Lawson habe es hingegen mit seiner Linie draufankommen lassen: "Wenn ich so spitz in die Kurve fahre, dann komm ich nicht mal richtig um die Ecke rum. Er wollte sich einfach durchpressen, aber das konnte so nicht gutgehen."

Was er dazu sagt, dass Lawson eine Teamtaktik ortet? "Das ist keine Teamorder-Geschichte, sondern ein One-Team-Approach", so Jäger. "Da weiß jeder, worum es geht. Auch Philip Ellis. Bei ihnen geht es um die Teammeisterschaft, da geht es um die Fahrermeisterschaft. Natürlich gibt es da Kooperationen, aber ich würde das jetzt nicht hart als Teamorder oder Ansage bezeichnen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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