Laurents Hörr auf einem Hoch: WEC-Test und ELMS-Titel runden starkes Jahr ab

Laurents Hörr hat im Jahr 2021 zwei wichtige Schritte in seiner Karriere gemacht: Er hat den ELMS-Titel gewonnen und einen WEC-Test absolviert

Laurents Hörr auf einem Hoch: WEC-Test und ELMS-Titel runden starkes Jahr ab

Für Laurents Hörr kann es aktuell gar nicht besser laufen: Der 24-Jährige gewann nicht nur den Titel in der europäischen Le-Mans-Serie (ELMS) in der LMP3-Kategorie, sondern dufte in Bahrain ein GTE-Auto aus dem Hause Ferrari testen. Er war einer von zwei eingeladenen Fahrern, die am Rookietest der Langstrecken-WM (WEC) teilnehmen durften.

Bis zuletzt war nicht klar, ob Hörr in Bahrain einen Porsche oder einen Ferrari fahren wird. Letztlich fiel die Wahl auf den Ferrari 488 GTE von AF Corse, kein Problem für Hörr, der bereits in einem Cup-Porsche erste GT-Erfahrung gesammelt hat. Gegenüber 'Motorsport.com' sagt er: "Ich finde den Ferrari vom Fahrstil her etwas ruhiger [als den Porsche]."

Das italienische Team AF Corse hat Hörr dann entfesselt auf die Strecke gelassen und sogar dafür gesorgt, dass er "mehr als meine 30 Runden" fahren durfte. "Ich war da AF Corse natürlich auch super-dankbar", so der Rennfahrer aus Stuttgart. "Sie hätten das nicht machen müssen. Sie wollten das machen, weil es auch für sie interessant war, zu sehen, wie es ist, mit mir zu arbeiten."

Rundenzeiten nicht repräsentativ

Den Rundenzeiten in Bahrain ist jedoch nicht zu trauen, da auch andere Fahrer unter Hörrs Namen im Live-Timing Rundenzeiten in den Asphalt gebrannt haben. Der 24-Jährige selbst hat sich gar nicht auf die Leistung auf der Strecke konzentriert, sondern wollte sich an das Auto gewöhnen. "Zur Rundenzeit kann man jetzt relativ wenig sagen" sagt er. "Die Strecke war tatsächlich deutlich langsamer laut den Ingenieuren von Ferrari."

"Ich bin da jetzt auch nicht die ganze Zeit mit neuen Reifen, wenig Sprit und voller Attacke gefahren", so Hörr weiter. "Sondern man hat mich bei AF Corse bewusst in Race-Pace fahren lassen und die waren da sehr zufrieden mit meinen Longruns. Es war natürlich neu für mich. Ich kannte das Auto nicht und ich kannte auch die Strecke nicht."

Laurents Hörr

Laurent Hörr drehte beim Rookietest erste GTE-Runden in Bahrain

Foto: Motorsport Images

Obwohl Hörr am Vormittag nur vier Runden Zeit hatte, um sich auf der Strecke zurechtzufinden, hat er sich "extrem schnell" im Auto akklimatisiert. "Ich glaube, meine erste gezeitete Runde war zwei Sekunden langsamer als das, was hätte rauskommen sollen, was schon sehr nah dran ist für die erste gezeitete Runde", resümiert der ELMS-LMP3-Champion, der sich über seine Konstanz freut.

ELMS-Titel der Türöffner?

Doch wie geht es für Hörr in Zukunft weiter? In der LMP3-Kategorie der ELMS hat er im Jahr 2021 zusammen mit DKR Engineering und Mathieu de Barbuat als Teamkollegen den Titel geholt. Der Deutsche möchte sich auch in Zukunft im Prototypen-Sport beweisen und hofft, eines Tages eine Chance in einem LMH- oder LMDh-Programm zu bekommen - der Speerspitze der WEC und amerikanischen IMSA-Serie.

"Jetzt nach dem Portimao-Rennen waren wir noch zwei Tage in Portugal testen", so Hörr. "An einem davon bin ich auch wieder den LMP2 gefahren. Natürlich schon auch als Vorbereitung dann für nächstes Jahr in Zusammenarbeit mit DKR. Ich bin zwar auch wieder das Duqueine-Auto gefahren, aber eben in Zusammenarbeit mit DKR."

"Aktuell ist jetzt der Plan natürlich, Le Mans zu fahren", so Hörr, der durch den LMP3-Meisterschaftssieg eine Le-Mans-Einladung in der Tasche hat. "Den Entry haben wir, das Rennen werden wir auf jeden Fall machen. Zusätzlich wollen wir eigentlich auch die ELMS fahren in der LMP2."

So wurde Hörr ELMS-Champion

Die Saison 2021 hat gezeigt, wie viel Talent der Deutsche im Prototypen hat. Nach einem schwierigen Saisonstart in Barcelona und Spielberg drehten er und sein Team so richtig auf. Hörr gewann die Läufe in Le Castellet, Monza, Spa sowie Portimao und rundete eine starke Saison ab, die mit dem Titel belohnt wurde.

Laurents Hörr

Laurents Hörr möchte im Prototypen-Sport durchstarten

Foto: Motorsport Images

"Tatsächlich war es ein interessantes Thema, das mich vor dem Rennen ein bisschen beschäftigt hat, weil wir natürlich vor dem letzten Rennen nur Zweiter in der Tabelle waren", so Hörr. "Hätte mir nach der letzten Saison jemand gesagt, dass ich nächstes Jahr Zweiter werde, dann hätte ich das mit offenen Armen entgegengenommen."

"Vor dem letzten Rennen war es eher so: Jetzt Zweiter zu werden, das könnte ich nicht akzeptieren. Ich muss das Ding jetzt schon gewinnen", lässt der 24-Jährige in seine Gefühlswelt blicken. "Also so gesehen hat sich tatsächlich das Ziel, die Meisterschaft zu gewinnen, irgendwann in der Saison entwickelt."

Erst die Dämpfer, dann der Durchbruch

"Die ersten zwei Rennen waren eine Katastrophe", stellt Hörr klar, der mit Platz fünf und acht in Spanien und Österreich keine Topleistungen abgeliefert hat. "Danach ging es halt wirklich nur noch Vollgas bergauf." Beim Finale in Portugal wurde der Titel zwischen DKR und Cool Racing entschieden. Letztere hatten aber eine schlechte Startposition und wurden nach einem langsamen Stopp aus dem Titelrennen geworfen.

Hörr und de Barbuat gaben alles und sicherten sich mit dem Sieg den LMP3-Titel. "Wir haben im Prinzip alles vom Team aus nur auf das Rennen ausgelegt und sind natürlich als Fahrer ein bisschen vorsichtiger reingegangen, weil wir natürlich wussten: Sobald wir ausfallen oder einen Unfall haben, sind wir raus", erinnert sich Hörr. "So haben wir das ganze Auto auf die Langstrecke ausgelegt und am Ende sind wir damit auch ganz gut gefahren."

Mit dem ELMS-LMP3-Titel in der Tasche blickt Hörr jetzt auf die nächsten Herausforderungen in seiner noch jungen Karriere: Sein Plan ist es, sich im Prototypen-Sport zu etablieren und bei den 24h von Le Mans im LMP2-Auto zu zeigen, was er kann. Der GTE-Test in Bahrain hat ihm weitere wichtige Erfahrungen geschenkt, die er in der Saison 2022 für den nächsten Schritt in seiner Laufbahn nutzen wird.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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