Analyse: Ist Stoffel Vandoorne eine Art Déjà-Vu für Fernando Alonso?

Vor 10 Jahren stand Fernando Alonso vor seinem 1. Jahr als McLaren-Fahrer, mit einem ehrgeizigen jungen Nachwuchsfahrer des Teams als seinen Teamkollegen.

Ein Jahrzehnt später findet sich der Spanier in einer zweifellos ähnlichen Situation wieder.

Nachdem er in den vergangenen Jahren Teamkollegen wie Felipe Massa, Kimi Räikkönen und Jenson Button hatte, bekommt er es jetzt wieder mit einem hoch eingeschätzten Formel-1-Newcomer zu tun.

Sieht der Mann selbst aber Ähnlichkeiten zwischen der turbulenten Saison 2007 mit Lewis Hamilton und 2017 mit Stoffel Vandoorne?

"Bei jedem Teamkollegen, den ich nach Hamilton getroffen habe, was das die gleiche Frage", grinste er, als er von Motorsport.com danach gefragt wurde.

"Als ich im folgenden Jahr zu Renault ging, war es Piquet. Also sagten sie, 'einer, der in der GP2 an der Spitze mitfährt, also wird es genauso laufen, wie mit Hamilton.' Das tat es nicht. Dann war es Grosjean. Sie sagten, 'GP2-Spitzenfahrer, 2009 wird Grosjean sehr schnell sein.' Er war nicht schnell."

Mit Felipe war es das gleiche. 'Sei vorsichtig, denn im Ferrari, mit Felipe, er kennt das Team, er wird sehr schnell sein.' Er war nicht schnell."

"Bei Kimi sagten sie, 'ein Weltmeister kommt zurück zu Ferrari, er ist sehr, sehr schnell.' Er war nicht schnell."

"Warten wir mal ab, wie es mit Stoffel ist. Ich mache mir keine Sorgen. Wir sind momentan nicht in einer Situation, in der wir um den Titel kämpfen können oder ein Titelkandidat sind, also müssen wir kämpfen."

"Wir sind in einer Phase, in der wir zusammenarbeiten müssen und wir müssen dem Team auf jede erdenkliche Weise helfen, um diese schwierige Zeit so kurz wie möglich zu halten."

"Ich freue mich, dass Stoffel kommt. Frischer Wind, sehr talentiert in der GP2 und in Japan in diesem Jahr. Ich habe aber keine Angst...'

Sollte Alonso aber Angst haben? Alles deutet darauf hin, dass Vandoorne ein außergewöhnliches Talent ist und von Beginn an eine Größe sein wird, mit der man rechnen muss, ebenso, wie Hamilton das war.

Wie Alonso sagt, werden sie aber nicht um Siege und den Titel kämpfen – zumindest noch nicht – also wird die Atmosphäre im Team total anders sein als vor 10 Jahren.

Außerdem gibt es zwischen der Situation 2007 und 2017 einen weiteren Unterschied. Letztes Mal war Alonso nur dreieinhalb Jahre älter als sein Teamkollege, jetzt beträgt der Unterschied mehr als ein Jahrzehnt.

Die beiden Fahrer sind in völlig verschiedenen Phasen ihrer Karriere und Alonso ist älter und weiser und kann vielleicht besser mit welcher Herausforderung auch immer umgehen, die auf ihn zukommt.

Vandoorne gibt selbst zu, dass sie zum Wohl des Teams zusammenarbeiten müssen, er räumt aber ein, dass es nur gut für ihn sein kann, wenn er sich gegen einen der größten Stars der modernen Ära gut schlägt.

"Ich tue mein Bestes für das Team, das steht momentan im Mittelpunkt, McLaren-Honda zurück an die Spitze zu bringen", sagte der Belgier in Abu Dhabi. "Natürlich habe ich mit Fernando einen sehr starken Teamkollegen und das ist recht positiv für mich."

"Jeder kennt seine Qualitäten. Er ist zweimaliger Weltmeister. Ich denke, die Statistik spricht für sich. Ich freue mich darauf, neben ihm zu arbeiten. Wenn ich mich gut schlage, ist das auch positiv für meine Karriere."

Vandoorne sagt, dass er in diesem Jahr schon viel dadurch gelernt habe, dass er Alonso beobachtet habe. "Ich denke, dass die Art, wie er sein Wochenende vorbereitet, recht interessant ist und er ist auch einer der Fahrer, die unter allen Bedingungen abliefern."

"Jedes Mal, wenn er draußen ist, ist er voll da und macht einen guten Job. Für mich ist es also gut, nächstes Jahr eine Messlatte zu haben."

Vorbereitung durch McLaren

Wie Hamilton, ist auch Vandoorne von McLaren gut vorbereitet worden, während er sich nach oben arbeitete, aber es gab eine Reihe wichtiger Unterschiede.

Hamilton kam direkt als Gewinner des GP2-Titels mit ART in die Formel 1, während Vandoorne ein weiteres Lehrnjahr hatte. Das nutze er gut, indem er ein Programm in der Super Formula damit kombinierte, an den Wochenenden im Formel-1-Team eingebunden zu sein.

Außerdem hat er den ungeplanten Bonus, sein Debüt schon hinter sich gebracht zu haben, als er Alonso im April ersetzte und 10. wurde.

Was er nicht viel getan hat, ist testen – nur hier und da mal eine Session seit McLaren ihm 2014 eine erste Chance gegeben hat. In dieser Saison hatte er beispielsweise im Januar mit dem alten Auto in Paul Ricard 2 Tage, an denen er Regenreifen für Pirelli testete, und danach je einen Tag in Barcelona und Silverstone.

Bei den Rennen Zeit bei McLaren zu verbringen, war natürlich hilfreich, aber es gibt nur ein gewisses Maß an Informationen, das man dadurch sammeln kann, dass man mit Kopfhörern in der Garage steht oder bei Besprechungen zuhört.

"Ich denke, es ist jedes Wochenende mehr oder weniger das gleiche", erklärt Vandoorne. "Wenn du das ein paar Mal gemacht hast, weißt du, wie die Prozedur abläuft und wie du mit dem Team arbeitest."

"Jedes Wochenende gibt es neue Teile am Auto, wenn du aber nicht im Auto sitzt, ist es schwierig zu fühlen, was vor sich geht und sich eine Meinung darüber zu bilden. Ich denke, nächstes Jahr wird viel besser, wenn ich alles selbst fühlen kann, anfange mit dem Team zu arbeiten und die Dinge weiterbringe."

"Ich mache das schon eine Weile und der einzige Unterschied nächstes Jahr wird sein, dass ich im Auto sitze. Ich kenne die Leute bei McLaren, ich bin seit langer Zeit dabei und habe schon mit vielen der Jungs gearbeitet. Für mich ist es sehr angenehm, hier zu sein. Ich kann es kaum erwarten, ins Auto zu steigen."

Super Formula nützlich

McLarens Entscheidung, Vandoorne nach Japan zu schicken, war, angesichts der begrenzten Testmöglichkeiten in der Formel 1, eine kluge Entscheidung und er konnte sich viel mehr entwickeln, als wenn er nur ein Jahr damit verbracht hätte, herumzustehen.

Er fuhr in einer sehr umkämpften Meisterschaft, in der einige Fahrer schon 10 Jahre und länger fahren und mit schnellen Autos, die ein hohes Grip-Level haben. Dadurch behielt Vandoorne Rennpraxis und konnte seine Ausbildung fortführen. Am wichtigsten aber, er konnte weiter gewinnen.

"Ich denke, dass es ziemlich gut war, denn niemand hat wirklich erwartet, dass in da gewinne. Ich denke, es war eine gute Saison mit Höhen und Tiefen. Wir haben 2 Rennen gewonnen, wir hatten ein Pole-Position und ein Podium."

"Wir hatten auch einige harte Rennen. Ich denke aber, es war gut für mich, um das Auto zu verstehen und auch mit einigen Japanern zu arbeiten, mit denen ich nächstes Jahr noch etwas mehr zu tun haben werde."

"Ihre Kultur zu verstehen, was also gut. Auch bezüglich der Fitness, scharfsinnig zu bleiben und auch die Denkprozesse zu haben, wie man das Auto verbessert, anzugreifen... Es war gut, dieses Programm zu haben und ich bin glücklich, dass ich diese Erfahrung jetzt habe."

"Es ist eine professionelle Meisterschaft. Ich denke, ich bin wohl der jüngste Fahrer in der Super Formula, das war ziemlich seltsam, denn alle hatten schon so viel Erfahrung, sie fahren schon sehr lange Rennen."

"Am Anfang war es nicht einfach, da anzukommen und eine gute Leistung zu bringen, ich denke aber, es hat mich auch dazu gebracht, mich weiterzuentwickeln und wirklich um Dinge zu kämpfen. Es war eine gute Erfahrung, gegen so konkurrenzfähige Fahrer zu fahren."

Eine andere Arbeitsweise kennenzulernen, war hilfreich. "Am Anfang war die Kommunikation sehr schwierig, denn es gab zwei Jungs im Team, mit denen ich reden konnte, mein Ingenieur und der Teammanager. Es ist sehr schwierig, mit dem Rest des Teams diese Verbindung aufzubauen."

"Auch, wie sie arbeiten, wie sie ein Auto abstimmen, ist ziemlich anders, als ich es in Europa gewöhnt war."

"Es war eine gute Erfahrung, das zu tun. Ich hatte auch viel Arbeit, als ich dort war. In Europa hast du ein professionelles Team um dich herum, die können dir ganz genau zeigen, was du zu tun hast, was mit dem Auto vor sich geht, was da nicht immer der Fall war."

"Ich denke aber, es war gut, das Team nach vorne zu bringen und auch von ihrer Kultur zu lernen."

Hamilton hat im Winter 2006/2007 unglaublich hart gearbeitet und hat so viel Zeit wie möglich im MTC verbracht und alle Abteilungen besucht, und Vandoorne tut genau das gleiche.

"Ich werde definitiv einige Zeit in der Fabrik mit den Ingenieuren und im Simulator verbringen. Es gibt durch die neuen Regeln viel zu tun."

"Es wird sehr arbeitsreich, aber wie immer auch viel Arbeit mit dem Team und damit, eine starke Gruppe um mich herum aufzubauen und zu lernen, sich gegenseitig zu verstehen. Das hat in der Formel 1 einen großen Anteil am Erfolg."

"Zeit mit den Mechanikern zu verbringen, mit den Ingenieuren und all den Leuten, mit denen ich eng zusammenarbeiten werde, ist für mich sehr wichtig."

Regeländerungen

Ein weiterer Aspekt, den Vandoorne und Hamilton gemeinsam haben, ist das Timing. Beide kamen in einem Jahr großer Änderungen, als die etablierten Fahrer sich umstellen mussten. 2007 galt der Hauptfokus den Reifen, nachdem Michelin sich zurückgezogen hatte und Bridgestone als Alleinausrüster auftrat.

Alonso besteht bis heute darauf, dass Hamilton von diesem Szenario profitiert hat, als die Fahrer ihren Stil anpassen mussten und er sieht Parallelen zu 2017.

Man kann argumentieren, dass erfahrene Fahrer das alles schon erlebt haben und leicht mit Änderungen umgehen können, die Tatsache, dass viele der alten Daten nun irrelevant sind, kann Vandoorne nur helfen.

"Ich denke, Erfahrung hilft immer, egal was", sagt er. "Ich glaube aber, dass die ganzen Änderungen, die jetzt kommen, alles etwas durcheinanderbringen. Im Allgemeinen können Fahrer neue Dinge sehr gut lernen und ich denke, dass wir nach einem oder 2 Testtagen mehr oder weniger herausbekommen haben, wie man die Autos fahren muss."

"Dann geht es darum, hart mit dem Team zu arbeiten, um die Reifen und die neue Aerodynamik zu verstehen. Hoffentlich gibt es im Laufe der Saison auch einige gute Entwicklungen."

"Ich gehe in die Saison und versuche, wie immer, mein Bestes zu geben. Ich denke, was für mich dieses Mal anders ist als in den Serien, in denen ich bisher gefahren bin, ist, dass ich da wusste, das ich um den Titel kämpfen konnte, während jetzt alles etwas in der Luft hängt. Ich bin ganz neu in der Formel 1 und es gibt viel, was ich noch lernen muss."

"Wir haben auch keine Ahnung, wie die Leistung des Autos nächstes Jahr sein wird. Hoffentlich wird es ein guter Schritt nach vorne. Bei allem anderen wird meine Herangehensweise aber gleich bleiben und ich werde versuchen, das Beste für mein Team zu tun."

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