F1-Analyse China 2017: Wie das Safety-Car das Rennen beeinflusste

Beim Formel-1-Rennen in China sahen die Zuschauer einige enge Zweikämpfe und strategische Finessen. Wäre der Kampf um den Sieg noch intensiver gewesen, wenn es keine frühe Safety-Car-Phase gegeben hätte?

Nach 2 F1-Rennen in der Saison 2017 ist eines bereits klar: Es gibt einen Kampf zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton. Beide haben dieselbe Punktzahl und die Teams trennt nur 1 Punkt.

Für beide hätte der Sonntag in Shanghai auch schlecht ausgehen können. Beide Piloten zeigten jedoch ihre Fähigkeiten und beendeten das Rennen klar vor ihren Teamkollegen.

Die Vorhersage auf Regen am Renntag hat bei den Teams viel Unsicherheit ausgelöst. Vor allem das fehlende Wissen über die neuen Regenreifen war von Bedeutung, denn die Mischung war weicher als die beim Barcelona-Test vor Saisonbeginn.

Die Strecke trocknete am Mittag jedoch ab, sodass die Regenreifen nicht mehr in Frage kamen. Die Teams mussten sich vor dem Rennstart sogar entscheiden, ob sie Slicks oder Intermediates aufziehen.

Nur Carlos Sainz Jr. riskierte es und startete auf Slicks. Alle anderen Teams entschieden sich für die Intermediates. Zu Beginn schien die Strategie des Spaniers nicht aufzugehen. Er fiel zurück und konnte mit den anderen Piloten nicht mithalten. Im späteren Rennverlauf hatte er aufgrund seiner riskanten Strategie jedoch einen Vorteil, der ihn auf Platz 7 spülte.

An der Front sortierten sich währenddessen die Fahrer. Hamilton führte vor Teamkollege Valtteri Bottas. Daniel Ricciardo übernahm den 4. Platz von Kimi Räikkönen.

Eine frühe, virtuelle Safety-Car-Phase, die von Lance Stroll ausgelöst wurde, eröffnete den Teams die Chance, frühzeitig auf Slicks zu wechseln. Der einzige Toppilot der dies tat, war jedoch Vettel.

Die Mercedes- und Red-Bull-Racing-Fahrer sowie Räikkönen blieben draußen. Alle anderen Fahrer folgten Vettel in die Box.

Safety-Car-Phase kommt Vettel dazwischen

War es die richtige Entscheidung des Deutschen, früh auf Slicks zu wechseln? Das werden wir niemals herausfinden, denn nur wenige Runden später löste Antonio Giovinazzi eine richtige Safety-Car-Phase aus. Dies nutzen die restlichen Piloten, die nun ebenfalls Slicks aufzogen.

Das Schlimmste für Vettel: Aufgrund des Unfalles auf der Start-Ziel-Geraden wurden auch alle anderen Piloten durch die Boxengasse geleitet.

Eigentlich wäre Vettel einfach an den Konkurrenten vorbeigefahren, als diese an der Box waren. Aufgrund der Umleitung wurde aber die Reihenfolge der Top 5 nicht verändert. Vettel hatte keine andere Möglichkeit, als sie von Platz 6 aus zu verfolgen.

"Das Safety-Car kam auf die Strecke, als ich gerade spürte, dass die Slicks deutlich schneller wurden", verriet Vettel. "Ich konnte dieses Momentum jedoch nicht ausnutzen. Ich hatte keinen Vorteil und habe sogar einige Positionen verloren."

Er hatte daher viel Arbeit vor sich. Es wäre sicher interessant gewesen, zu sehen, wie das Rennen verlaufen wäre, hätte Giovinazzi keine Safety-Car-Phase ausgelöst.

Bottas dreht sich

Es gab noch ein weiteres wichtiges Ereignis während der Saftety-Car-Phase: Bottas drehte sich, als er versuchte, seine Reifen auf Temperatur zu halten. Daher fiel er auf Platz 11 zurück und musste sich zurück an die Spitze kämpfen.

In Runde 7 wurden die Ampeln wieder auf grün geschaltet und das echte Rennen begann. Hamilton führte vor Ricciardo, Max Verstappen, Räikkönen und Vettel. Es war ein spannendes Rennen, vor allem weil Hamilton es nicht schaffte, davon zu ziehen.

Ein weiterer interessanter Faktor war, dass Ferrari und Mercedes auf weichen Reifen unterwegs waren, Red Bull Racing sich hingegen für die superweiche Mischung entschied. Da der Regen die Strecke gewaschen hatte, wusste keines der Teams, wie die Reifen reagieren würden.

Die verschieden Strategieansätze hatten zur Folge, dass die Red-Bull-Racing-Piloten schneller fuhren, die anderen aber länger auf der Strecke bleiben konnten. Gerade für Hamilton war es wichtig, auf weiche Reifen zu wechseln, da er so ein größeres Fenster hatte, um zu beobachten, was die Rivalen machen.

Red Bull Racing entschied sich für die superweichen Gummis, weil der RB13 mit weichen Reifen keine guten Leistungen erbrachte.

Zunächst schaffte es Verstappen, seinem Teamkollegen zu entkommen. Ricciardo wurde anschließend von beiden Ferrari-Piloten unter Druck gesetzt.

Ricciardo profitierte davon, dass Räikkönen mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte und nicht an dem Australier vorbei kam. Als Vettel den Finnen in Runde 20 kassierte, benötigte der Deutsche nur 2 weitere Runden, um auch den Red-Bull-Racing-Piloten zu überholen. Beim Manöver berührten sich die Reifen der beiden Boliden.

Die Haltbarkeit der Reifen

Zu diesem Zeitpunkt gaben die Teams ihren Fahrern zudem in Aussicht, dass sie auf weichen Reifen keinen weiteren Stopp mehr einlegen müssten. Es waren also Stints von über 52 Runden auf diesen Gummis möglich.

Räikkönen glaubte das vorerst nicht. Er sagte: "Seid ihr euch sicher, dass die Reifen bis zum Ende halten? Es fühlt sich nämlich nicht so an." Hamilton war hingegen optimistischer und funkte: "Ich glaube, ich kann es schaffen."

Das sagte er nicht, um andere Teams in die Irre zu führen: "Es war keine Täuschung. Ich hätte es bis zum Ende des Rennens geschafft. Ich habe mir die Reifen angesehen. Wir lernen aber noch, mit den Reifen umzugehen."

Die Red-Bull-Racing-Fahrer mussten aufgrund ihrer Reifenwahl sicher noch einmal an die Box. In Runde 29 kam Verstappen zum Service. Er hatte zuvor viel Grip verloren und war von Vettel überholt worden.

Er reagierte auf die Anweisung, an die Box zu kommen: "Ich kann noch weiter fahren, aber vorne links läuft es nicht mehr so gut…"

Verstappen hatte aufgrund seiner Startposition noch einen weiteren Satz an superweichen Reifen übrig. Sein Teamkollege kam in Runde 33 an die Box. Sein Fahrzeug wurde verbessert, indem der Anpressdruck vorne erhöht wurde.

Bei freier Fahrt legte Vettel einige sehr schnelle Runden hin. Er hatte jedoch einen Rückstand von 11 bis 12 Sekunden auf Hamilton, der seine Reifen nicht schonte. Damit war klar, dass alle mit einem 2. Stopp planten.

Hamilton nutzt seine Chance

Hamilton ging in Runde 34 an die Box und holte sich einen neuen Satz weiche Reifen ab, mit denen er das Rennen beendete. Eigentlich wäre Hamilton direkt nach Vettels Stopp an die Box gekommen. Er riskierte es aber, hinter Räikkönen auf die Strecke zurückzukehren, denn der Finne musste noch zum Service.

Aufgrund der Erfahrung, die Mercedes in Australien gemacht hat, hat das Team sich dazu entschieden, Hamilton länger auf der Strecke zu lassen. Es wollte sichergehen, dass der Brite einen genügend großen Abstand auf den Finnen hat.

Er hätte sicher die Möglichkeit gehabt, das Rennen auf den alten Reifen zu beenden. Es war es aber nicht wert gewesen, dieses Risiko einzugehen.

Die Strategie ging auf: Hamilton kam vor Räikkönen auf die Strecke zurück. Trotzdem schrumpfte der Vorsprung auf Vettel, weshalb der Brite fragte: "Wie kommt es, dass sich der Abstand von 12 auf 8 Sekunden reduziert hat?" Die Antwort lautete: "Es liegt an den 2 Runden, die wir länger draußen geblieben sind und darauf gewartet haben, dass Kimi aus unserem Fenster verschwindet."

Vettel fragte hingegen, wie viel schneller er fahren müsste, um in den letzten 5 Runden an Hamilton heranzukommen. Denn die waren nötig, um noch an Hamilton vorbeizuziehen.

Er hätte 7 Zehntel pro Runde aufholen müssen, um noch eine Chance zu haben. Als die schwarz-weiß-karierte Flagge geschwenkt wurde, betrug der Abstand zwischen Platz 1 und 2 6,2 Sekunden. Wenn man die Mercedes-Dominanz aus den vergangenen Jahren beachtet, war das nicht viel. Eine erfreuliche Nachricht für die restliche Saison!

Die Red-Bull-Racing-Piloten kamen mit einem großen Abstand auf die Spitze auf Rang 3 und 4 ins Ziel. Immerhin schafften sie es, zu Beginn des Rennens mitzuhalten.

Räikkönen und Bottas waren ihnen direkt auf den Fersen. Trotzdem konnte keiner der beiden mit der Leistung in China zufrieden sein. Sie kamen weit hinter ihren Teamkollegen ins Ziel und der Abstand in den besten Rundenzeiten betrug rund 0,5 Sekunden.

Hätte Vettel keine Plätze verloren, als das Safety-Car wegen des Giovinazzi-Unfalls herauskam, wäre das Rennen sicher spannender und enger gewesen. Wir wissen nicht, was Mercedes noch in der Hinterhand gehabt hätte, aber es wäre bestimmt nicht so deutlich ausgegangen.

"In den letzten 20 Runden sind wir so schnell es ging gefahren", sagte Hamilton. "Darum geht es im Rennsport ja immerhin."

Bildergalerie: Das Rennen der F1 in China

"Es wird sicher noch Rennen geben, in denen das Safety-Car nicht ausrücken muss und es keinen Abstand von 6 Sekunden gibt. In jedem Fall werde ich der Konkurrenz auf den Fersen sein. Ich freue mich sehr darauf."

Das tun wir auch, Lewis...

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Über diesen Artikel
Rennserien Formel 1
Veranstaltung Schanghai
Rennstrecke Shanghai International Circuit
Fahrer Lewis Hamilton , Sebastian Vettel
Teams Ferrari , Mercedes
Artikelsorte Analyse
Tags china, f1, formel1, gp aus china, shanghai