Analyse: Wie Renault sich vom "inakzeptablen" Jahr 2016 erholen will

Die Saison 2016 war eine echte Feuertaufe für das wiederauferstandene Renault-Team, aber bei den Franzosen ist man sicher, dass die Zukunft rosig ist. Adam Cooper hat recherchiert.

Nachdem die Übernahme des Teams aus Enstone erst Ende letzten Jahres abgeschlossen war, war klar, dass diese Saison für das wiederauferstandene Renault-Team schwierig werden würde.

Aufgrund mangelnder Investitionen und aufgebrauchter Ressourcen hinkte das ehemalige Lotus-Team in puncto Forschung und Entwicklung weit hinterher. Dazu kam, dass es wenig sinnvoll war, viel Energie in die Entwicklung des aktuellen Autos zu investieren, da man nur wenig auf das Auto für 2017 übertragen kann.

Dieses doppelte Pech hat Renault zweifellos sehr angreifbar gemacht. Kevin Magnussen und Jolyon Palmer haben sich daran gewöhnt, in Q1 auszuscheiden und das einzige Top-10-Ergebnis war ein einmaliger siebter Platz des Dänen zu Saisonbeginn.

Größere Unfälle, durch die die Fahrer eine Reihe neuer Chassis verbraucht haben, haben die Situation nicht verbessert.

Monza, wo sie von den Plätzen 21 und 22 gestartet sind, war ein weiteres enttäuschendes Wochenende für das Team, nur Manor-Pilot Esteban Ocon, der im Qualifying keine gezeitete Runde gefahren war, war noch schlechter. Palmer fiel nach einer Berührung mir seinem alten Rivalen Felipe Nasr frühzeitig aus, Magnussen kam weit außerhalb der Punkteränge ins Ziel.

Durchhalten

Natürlich gehen alle davon aus, dass nächstes Jahr alles besser sein wird. Ressourcen werden aufgestockt und Bob Bell, einer der Architekten des aktuellen Erfolgs von Mercedes, hat leise im Hintergrund gearbeitet. Das macht es aber nicht einfacher, die Frustrationen dieses Jahres wegzustecken, wie Renault-Sportchef Cryril Abiteboul zugibt.

"Wir wussten, dass es hart werden würde und es wurde sogar noch härter", sage er gegenüber Motorsport.com. "Das ist keine große Überraschung. Wir wussten, dass wir mit einem Auto kommen würden, das 18 Monate hinter allen anderen ist, und es macht keinen Sinn, in das Auto zu investieren."

"Das macht es aber nicht einfacher. Wirt konzentrieren und wirklich darauf, was in der Fabrik passiert bei Investitionen, neuen Leuten, aber es ist schwierig, denn es ist ein Rennen und wir stehen als als Management-Gruppe, Unternehmen, Teilhaber und auch Mitarbeiter sehr unter Beobachtung."

"Alle stehen bei dem, was passiert, fast jede Woche sehr unter Beobachtung. Daher ist es sehr schwierig, wenn sich ein Teil des Gehirns darauf konzentriert und ein anderer Teil sagt, lass uns auf das Rennen konzentrieren."

Renault hat sich langfristig in der Formel 1 verpflichtet, daher kann das Management Wochenenden wie Monza nicht ignorieren, da das Logo des Unternehmens auf dem Auto ist. Man kann sich nicht verstecken.

"Das ist nicht gut, nicht bequem, ich würde fast sagen, das ist inakzeptabel", gestand Abiteboul.

"Es gibt ein größeres Projekt, ein größeres Gesamtbild, wir müssen extrem fokussiert bleiben. Es ist so, dass wenn die Zeiten schwierig sind, wir uns ganz auf das konzentrieren müssen, was wichtig ist. Nächstes Jahr."

"Ein Teil unseres Gehirns muss auch sehen, was im Rennen passiert ist. Wir sollten nicht die Augen verschließen und sagen, "das ist in Ordnung ", und uns mit der Situation zufrieden geben. Dann könnten wir nämlich etwas aus den Augen verlieren, was für morgen wichtig sein kann. Aber noch einmal, was zählt, ist morgen."

Es gibt aber noch Dinge, die man aus dieser Saison lernen kann. "Ich denke, wir müssen verstehen, wenn es etwas gibt, das uns wirklich fehlt. Voll allen Schwächen, die wir haben, denke ich, dass unser Reifen-Managment etwas schwach ist. Das ist etwas, das noch Zeit brauchen wird."

"Red Bull wurde nicht an einem Tag aufgebaut"

An jedem Wochenende ist Red Bull Racing die Messlatte für das Potential, das der Renault-Motor hat. Auf der einen Seite ist es für den Hersteller ermutigend zu wissen, dass der V6 gut für Platzierungen auf dem Podium ist.

Auf der anderen Seite zeigt Red Bull Racing aber auch, wie viel Arbeit das Werksteam noch vor sich hat.

"Red Bull Racing wurde nicht an einem Tag aufgebaut", sagte Abiteboul. "Ich erinnere mich, dass sie vor acht oder neun Jahren eine Umstrukturierung nach der anderen durchgemacht haben."

"Ihre ersten Autos waren grauenvoll, der Übergang von Jaguar zu Red Bull Racing war nicht ohne Schwierigkeiten. Wir haben beinahe von Anfang an mit Red Bull Racing zusammengearbeitet und es gibt bei uns ein paar Leute, die ein gutes Gedächtnis haben und sich daran erinnern, was sie durchmachen mussten, um dahin zu kommen."

"Natürlich ist die Messlatte und der Vergleich sowohl hilfreich als auch schmerzhaft, aber wir sind in der Lage, auch das zu relativieren."

Die Moral verbessern

Als positiv sieht Abiteboul, dass die Veränderungen beginnen, sich auszuzahlen und er sieht Anzeichen, dass sich die Stimmung bessert, auch wenn sich das auf der Strecke noch nicht zeigt.

"Insbesondere nach der Sommerpause war die Stimmung in der Fabrik sehr positiv. Es gibt neue Gesichter, alle sind entspannt."

"Der letzte Winter war hart in Enstone, das letzte Jahr war hart für Viry, der Winter war hart für beide Seiten. Den Renault-Motor in ein Auto zu integrieren, das für einen Mercedes-Motor gebaut war. Dazu kam der ganze Stress durch die Unsicherheit in Enstone, aber auch in Viry."

"Ich glaube, dieser Sommerurlaub war sehr willkommen und sehr verdient und ich konnte, als alle zurückkamen, sehen, dass die Stimmung sehr positiv war. In Enstone zeigen sich auch die Resultate der ersten Investitionen von Renault, denn bisher waren es nur Wörter in Präsentationen oder Dokumenten, oder Versprechen an die Mitarbeiter. Zum ersten Mal werden sie nun Realität."

"Nun können hoffentlich alle sehen, was das Engagement von Renault bedeutet, denn es ist sichtbar. Es ist ein neues Gebäude, Expansion, neue Maschinen, alles neu, und die Leute werden hoffentlich zusätzliche Energie bekommen."

"Die Leute müssen aber auch Auftrieb durch gute Ergebnisse bekommen und die momentane Leistung ist diesbezüglich schwierig."

Die Resultate machen es für das Team nicht einfacher, sich gut zu verkaufen, oder Top-Fahrer anzulocken, oder auch führende Ingenieure, die skeptisch sein könnten, zu einem Team zu gehen, das so weit hinten in der Startaufstellung steht. Abiteboul betont aber, dass die Geschichte gezeigt hat, dass Renault es schaffen kann.

"Wollen wir mal ehrlich sein, es ist eine Schwierigkeit, vor der wir mit dem Team in der aktuellen Situation stehen, aber man muss nur in der Geschichte zurückschauen, schauen, was Renault in der Vergangenheit in der Formel 1 geleistet hat, was Enstone mit Renault und anderen Teilhabern in der Formel 1 geleistet hat, auch die Zeit, die es dauert, wenn man ein Team kauft – ganz besonders im Dezember. Wir dürfen nicht vergessen, wir haben all das im Dezember gemacht."

"Schaut euch die Forstschritte an, die wir mit dem Motor gemacht haben, durch die harte Arbeit, durch das Engagement von Renault."

"Ich denke daher, dass alle, diese Jungs, aber auch die Ingenieure und Techniker, mit denen wir sprechen, sehen sollten, dass wir es extrem ernst meinen und wir haben die Fähigkeiten, abzuliefern."

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