Analyse: Wieso Datensicherung in der Formel 1 zum Schlagwort geworden ist

geteilte inhalte
kommentare
Analyse: Wieso Datensicherung in der Formel 1 zum Schlagwort geworden ist
Kate Walker
Autor: Kate Walker
Übersetzung: Petra Wiesmayer
28.09.2016, 13:44

Das Vertrauen der Formel 1 in die Datenübertragung hat zwangsläufig zu einem wachsenden Bedarf bei den Teams geführt, sicherzustellen, dass das, was sie vom Auto an die Box und von der Box in die Fabrik senden, auch sicher ist.

Jenson Button, McLaren MP4-31
Mercedes AMG F1, Kommandostand
Kommandostand von Red Bull Racing
Kimi Räikkönen, Ferrari SF16-H
Formula Unas: Julia Sonnenstuhl, Maria Sinowzik und Lena Issa am Kommandostand
Screenshot am Ferrari-Kommandostand
Funk am Kommandostand
Designstudie: Ferrari SF16-H mit Halo
Williams-Kommandostand im Regen
Ferrari-Kommandostand mit Schild für Maurizio Arrivabene, Ferrari Teamchef
Red Bull Racing, Kommandostand in der Boxengasse
Designstudie: Red Bull RB12 mit Halo
Nico Rosberg, Mercedes AMG F1 W07 Hybrid vor Daniel Ricciardo, Red Bull Racing RB12
Sahara Force India F1 Team, Kommandostand im Regen
Sahara Force India F1 Team, Kommandostand
Christian Horner, Red Bull Racing, Teamchef, am Kommandostand
Sebastian Vettel, Ferrari SF16-H
McLaren-Kommandostand
Kommandostand der Scuderia Cameron Glickenhaus
Kommandostand: Cerumo Inging
Designstudie: Manor MRT05 mit Halo
Sahara Force India F1 Team, Kommandostand
Teammanager Jonathan Wheatley, Technikchef Mark Smith, Ian Morgan, Sportchef Christian Horner und Ch

Kein Wunder also, dass in den vergangenen Monaten einige neue Partner, die mit Datensicherheit zu tun haben, in der Formel 1 aufgetaucht sind.

Motorsport.com hat kürzlich die Rolle untersucht, die Kaspersky während seiner langen Partnerschaft mit Ferrari im Kampf gegen Hacker hatte, während Neuankömmling Acronis – der sich mit Toro Rosso zusammengetan hat – dafür verantwortlich ist, dass keine Daten verlorengehen.

Was ist Datensicherheit?

Laut John Zanni, dem Marketingchef bei Acronis, sind Datenschutz und Datensicherheit ein bisschen mit Medizin vergleichbar.

"Wenn man darüber nachdenkt, arbeitet man viel an vorbeugenden Maßnahmen, um nicht krank zu werden und nicht beim Arzt oder im Krankenhaus zu landen. Trotzdem gibt es in den Krankenhäusern aber Ärzte, weil es passiert", sagte er.

"Dann ist es nicht mehr präventiv; man muss gesund werden und sich erholen und in diesem Fall willst du das so schnell wie möglich, damit du wieder voll funktionsfähig bist."

"Die Methodik ist die gleiche, wenn es um Datensicherheit und Datenschutz geht. Jetzt wird von deiner Firma alles erfasst. Natürlich ist es von oberster Priorität der Firmen – Cisco und anderer, die darauf spezialisiert sind – wie ein Netzwerk geschützt ist. 

"Der erste Schritt ist aber, sicherzustellen, dass die Daten verschlüsselt sind, dass du Kontrolle über die Daten hast, immer weißt, wo sie sind, dass du sie managen, löschen und wiederherstellen kannst, wenn du sie verlierst."

"Es gibt einen Kontrollaspekt deiner Daten, dass du sicherstellst, dass du sie nicht verlierst und, dass du alles unter Kontrolle hast. Dann gibt es einen zweiten, die präventiven Maßnahmen, und du kannst auch mit Anti-Virus-, Anti-Spam-Firmen arbeiten arbeiten – ein Beispiel ist Kaspersky, ein Ferrari-Sponsor – die es dir erlauben, einige dieser präventiven Maßnahmen zu ergreifen."

"Die andere Seite ist, was passiert, wenn etwas schiefgeht? Du wirst alles schnell wiederherstellen müssen und hier spielt die Datensicherung eine große Rolle."

"Du musst bedenken, welche Datenmengen verschickt werden, sie komprimieren, wie lange es dauert, sie zu komprimieren, wie lange es dauert, sie auf die andere Seite der Leitung zu bekommen, wie oft führst du stufenweise oder fortlaufende Backups durch? Und es gibt ein weiteres Problem, das wir offen gesagt als Industrie noch nicht komplett gelöst haben."

"Das kann das Offensichtliche sein: Ein Stück Hardware geht kaputt, oder du hast keine Verbindung und brauchst deine Daten, also schnappst du schließlich ein Backup und lädst es herunter, oder du startest neu und lässt dein bBackup in einer visualisierten Umgebung laufen, was wir heutzutage tun."

Wieso die Formel 1?

Für Acronis war die Formel 1 die offensichtliche Lösung, als es darum ging, einen Partner zu finden, der die Firma sowohl weltweit bekannter machen als auch bezüglich Innovationen auf Trab halten könnte.

"In puncto Datensicherung sind wir marktführend und auf dem neuesten Stand", sagte Zanni. "Also wird uns das schließlich die Möglichkeit geben, schneller Neuerungen einzuführen, als wir das heute tun."

"Ein Beispiel, das ich gerne anführe ist, dass die Formel 1 jedes Jahr 40 Autos baut und, dass das Auto, das sie Ende der Rennsaison bauen, sich ziemlich von dem unterscheidet, das sie am Anfang hatten. Also ist ihr Innovationszyklus sehr, sehr schnell."

"Das bedeutet, wenn du mit einem dieser Teams eine Partnerschaft eingehst, muss dein Innovationszyklus schnell sein. Wir wollten in der Lage sein, diese Herausforderung anzunehmen. Was man im Laufe der Zeit sehen wird ist, wie wir unsere Produkte ändern, um den Bedürfnissen eines Formel-1-Teams nachzukommen."

"Der Markt, auf dem wir uns bewegen, ist offen gesagt ein sehr zerklüfteter Markt mit vielen Mitspielern und ein Sport wie die Formel 1 lässt uns aus der Masse hervorstechen. Es ist eine reine Marketingaktivität, um die Leute dazu zu bringen zu schauen, wer wir sind und was wir tun."

"Datenschutz, Backup-Lösungen und Sicherheit sind wichtige Faktoren in der Formel 1, die sich aber meist im Hintergrund abspielen. Als Technologie-Führer in dieser Branche haben wir uns für die Formel 1 entschieden, weil sich unsere Werte mit denen der Formel 1 decken: Es geht um moderne Technologie und Geschwindigkeit."

"Außerdem hatten wir das Gefühl, dass der Sport sehr vom Konkurrenzkampf geprägt ist und man sehr hart arbeiten muss, um zu gewinnen und seine Ziele zu erreichen. Es geht um Teamwork und das ist für uns als Firma auch wichtig. Also wollten wir wirklich einen Sport sponsern, der unserer Firmenphilosophie entspricht."

Auch, wenn der Sport als Ganzes seinen Reiz habe, liegt der Grund, wieso Acronis Toro Rosso als Partner gewählt hat, laut Zanni darin, dass man die gleichen Werte vertritt.

"Einer der Gründe, aus dem wir Toro Rosso gewählt haben, ist die Tatsache, dass sie ein sehr zugängliches Team sind und gewillt sind, zusammenzuarbeiten, damit wir beide gewinnen. Es ist mehr eine Partnerschaft als ein Sponsoring. Ich war in ihrer Fabrik, ich hatte eine Führung. Wir starten eine Reihe von Projekten, die auch ihre Datensicherung verbessern sollen."

"[Teil des Reizes] ist die Verbindung mit einem Team, das wächst und sehr solide ist und eines, mit dem wir gemeinsam wachsen wollen. Unser Plan ist es, sie für eine lange Zeit zu sponsern und mit ihnen zu wachsen. Für uns [die Muttergesellschaft] entspricht Red Bull unserer Kundschaft. Wir haben viele Technikfreaks und Computerfreaks, die unsere Produkte nutzen und es ist bei diesem Publikum eine sehr bekannte Marke."

Das Testgelände

Trotz der jahrelangen Erfahrung von Acronis, hat das Wesen der Formel 1 zur Folge, dass die Unterstützung kein Sonntagspaziergang wird – denn sie ist ein Wanderzirkus , der von Rennstrecke zu Rennstrecke zieht.

"In einer idealen Welt festigt man eine Umgebung, die vom Netzwerk über Hardware und Konfiguration bis zu den Anwendungen reicht", sagt er. "Sobald man sie gefestigt hat und weiß, dass sie sicher ist, fasst man sie in der Regel nicht mehr an."

"Und wenn man Upgrades bei der Software vornimmt oder Hardware austauschen will, verbringt man viel Zeit mit Tests im Labor um sicherzustellen, dass man keine Sicherheitslücke in sein gefestigtes Netzwerk einführt."

"Toro Rosso hat nun gesagt, 'wir sind in einer Umgebung, in der wir Tonnen von Daten produzieren.' Toro Rosso produziert an einem Rennwochenende 700TB Daten, mit denen sie ihre Leistung analysieren und darauf reagieren. Man nimmt also diese Daten und sagt, 'wir stellen sie in einer Zeit von 10 Monaten in 22 verschiedene Umgebungen.'"

"Mit unterschiedlichen Netzwerken, temporären Netzwerken – sie sind eine Kombination aus Satelliten, Kabel und Cyber – müssen sie dauerhaft nicht nur sicher, sondern auch zuverlässig sein. Das erhöht die Komplexität immens und man muss sicherstellen, dass man eine gefestigte, transportable Umgebung hat."

In der Formel 1 geht es um Herausforderungen – und dies zu bewältigen, hilft der Technologie, sich schnell zu entwickeln.

Nächster Formel 1 Artikel
Formel 1 2017: Haas erwartet "interessantes Frühjahr"

Previous article

Formel 1 2017: Haas erwartet "interessantes Frühjahr"

Next article

Kolumne: Besserer Rennsport in der Formel 1 wichtiger als eine digitale Revolution

Kolumne: Besserer Rennsport in der Formel 1 wichtiger als eine digitale Revolution
Kommentare laden

Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Autor Kate Walker
Artikelsorte Analyse