Andreas Seidl: Warum 2020 für McLaren doppelt anstrengend war

McLaren-Teamchef Andreas Seidl blickt auf die Herausforderungen der Saison 2020 zurück und wagt eine Prognose für das neue Jahr samt neuem Mercedes-Motor

Andreas Seidl: Warum 2020 für McLaren doppelt anstrengend war

Mit dem Saisonfinale in Abu Dhabi hat McLaren die Partnerschaft mit Motorenlieferant Renault beendet. In der Winterpause wird das Team aus Woking auf Mercedes-Antriebe umstellen und die glorreiche Partnerschaft wieder zum Leben erwecken. Doch Teamchef Andreas Seidl bremst die Euphorie: "Es gibt immer noch einen großen Abstand zur Spitze, speziell zu Mercedes."

Mit dem dritten Platz in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft hat McLaren alle Erwartungen in der Saison 2020 erfüllt. Die Mannschaft konnte sich nach Jahren des Niedergangs rehabilitieren und im Mittelfeld behaupten. Zum ersten Mal seit 2012 sind die Briten wieder die dritte Kraft.

"Das Team hat in diesem Jahr unter der Führung von [Technikchef] James Key ein sehr konkurrenzfähiges Auto produziert, das war ein Schritt vorwärts im Vergleich zum Vorjahr", freut sich Seidl. Seine Truppe habe trotz der Herausforderungen in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie immer Vollgas gegeben.

Gute Korrelation zwischen Werk und Rennstrecke

"Wir haben kontinuierlich Updates an die Strecke gebracht, die bis zum Schluss die Performance des Autos verbessert haben." Dabei spricht Seidl vor allem die große Änderung im Aero-Konzept an, die mit einer veränderten Frontpartie rund um die Nase eingeführt wurde.

Warum hat McLaren eine solche gravierende Änderung im laufenden Jahr an die Rennstrecke gebracht? "Aufgrund der Restriktionen [in der Entwicklung] im Winter - wir haben keine Token aufgrund des Motorwechsels zur Verfügung - mussten wir die Updates [unterm Jahr] voranbringen."

Hätte McLaren wie alle anderen Teams ebenso zwei Token für die Weiterentwicklung bekommen, hätte das Team die Updates wohl erst im Winter eingeführt. Die Token werden der britischen Mannschaft aber für den aufwendigen Umbau vom Renault- auf den Mercedes-Motor angerechnet.

Lando Norris

Die neue und alte Frontpartie am McLaren in Russland

Foto: LAT

Dieser verringerte Spielraum hat McLaren unter "enormen Druck" gesetzt, sowohl in der Entwicklung als auch in der Produktion. Deshalb sei die Saison 2020 besonders anstrengend gewesen für seine Mannschaft, meint Seidl. "Ich bin sehr glücklich, dass wir alle Updates an die Strecke bringen konnten."

Auch wenn die Einführung der neuen Teile ab dem Grand Prix in der Toskana nicht reibungslos funktioniert hat. "Wir mussten einen Weg finden, wie wir die Zeit am Rennwochenende optimal nutzen und wie viel Zeit wir darauf verwenden, die Updates zu testen", erklärt der Teamchef.

Dennoch zeigt er sich zufrieden mit der Entwicklung, die im Winter 2019/20 gelungen ist, und jenem Schritt in der Saison. "Das zeigt, dass unser Entwicklungsprozess unter der Führung von James gut funktioniert, mit einer guten Korrelation zwischen den CFD- und Windkanal-Daten und der Strecke."

Seidl: Rückstand "in ein paar Jahren aufholen"

Was wird für McLaren in dieser Winterpause möglich sein? Die Konkurrenz hat den Token-Vorteil, doch die britische Mannschaft bald den besten Motor im Heck. "Im nächsten Jahr werden wir wieder einen Kampf sehen, womöglich zwischen vier, fünf Teams um die Ränge drei bis sieben."

Seidl erwartet ein ähnlich umkämpftes Mittelfeld wie in der abgelaufenen Saison. Denn seine Truppe habe in der Organisation und Infrastruktur nach wie vor "Defizite". "Die müssen wir zunächst angehen. Aber wir haben einen klaren Plan, wie wir diese Defizite reduzieren wollen."

Das werde Zeit brauchen, weiß der Deutsche. Die Infrastruktur werde in den kommenden drei Jahren modernisiert, dann soll etwa der neue Windkanal in Betrieb gehen. Auch ein neuer Fahrsimulator wird in Woking gebaut. "Es wird dann noch Zeit brauchen, bis wir erste Auswirkungen davon sehen werden."

Seidl bleibt realistisch in seinem Ausblick auf die nahe Zukunft: "Wir wissen, wie groß der Abstand zu Mercedes ist. Das kann man nicht von einem Jahr aufs nächste aufholen." Aber: "Ich bin zuversichtlich, dass wir den Rückstand in ein paar Jahren aufholen werden, wenn wir auf Teamseite die richtigen Schritte setzen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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