"Bad Boy" Nikita Masepin: "Sorge mich immer um meine Gegner"

Nikita Masepin ist derzeit wahrscheinlich der meistgehasste Fahrer der Formel 1, doch laut Haas-Teamchef Günther Steiner geht er damit sehr gelassen um

"Bad Boy" Nikita Masepin: "Sorge mich immer um meine Gegner"

Nikita Masepin bleibt der "Bad Boy" der Formel 1. Nicht nur, dass er sich aufgrund seiner vielen Fahrfehler auf Facebook & Co. den hämischen Spitznamen "Mase-spin" eingehandelt hat, ist er auch bei den meisten seiner Fahrerkollegen inzwischen ziemlich unbeliebt. "Masepin wird sich nie ändern", meinte etwa Ferrari-Pilot Charles Leclerc im Freien Training in Barcelona am Boxenfunk, als der Haas-Rookie neben ihm gerade wieder mal von der Strecke rutschte.

Auch sonst eckt Masepin ständig an. Nicholas Latifi fühlte sich in Portimao durch ihn behindert und beschwerte sich anschließend lautstark am Boxenfunk. Masepins Reaktion liest sich fast wie eine Einführung in die hohe Kunst der Philosophie: "Ich sorge mich immer um meine Gegner. Ich wünsche mir, in einer Welt zu leben, in der wir alle glücklich sind."

"Leider gibt es nur drei Plätze auf dem Podium", sagt Masepin, "und nur einer darf sich hinterher Sieger nennen. Daher werden nie alle 20 glücklich sein. Ich würde aber nie absichtlich jemand anderem eine Runde kaputtmachen. Was Latifi betrifft, muss ich mir die Wiederholung anschauen. Mir haben sie am Funk gesagt, dass er noch drei Sekunden hinter mir ist."

Über eine aus seiner Sicht unzureichende Anweisung durch seinen Renningenieur hat sich Masepin schon in Portimao einmal beschwert. Die Art und Weise, wie er Giuliano Salvi angeschnauzt hat, als er im Freien Training für ihn überraschend durch Mick Schumacher überholt wurde, würde in vielen anderen Unternehmen für Konflikte sorgen.

Steiner verteidigt Masepin gegen Kritik

Haas-Teamchef Günther Steiner sieht das aber gelassen: "Er hat das nicht böse gemeint", nimmt er Masepin in Schutz. "Wer seinen Charakter nicht kennt, sollte seine Aussagen nicht beurteilen. [...] Nikita ist ein sehr direkter Typ, und wir können damit umgehen. Wenn man im Team zusammenarbeitet, kommt einem ganz normal vor, was auf andere vielleicht ruppig wirkt."

Immerhin: Anderer Fahrer hat Masepin bisher noch selten beschimpft. Dafür muss er sich von den Kollegen relativ oft unschöne Kritik anhören. Etwa nach der unglücklichen Überrundung durch Sergio Perez in Portimao, für die er fünf Sekunden Strafe kassiert hat. Steiner winkt ab: "Nikita hat sich entschuldigt und gesagt, dass es keine Absicht war. Sowas passiert halt."

Er bittet für die manchmal ungeschliffene Ausdrucksweise seines Fahrers um Verständnis: "Wenn du mit 300 km/h Rennen fährst und dir jemand im Weg steht, dann sagst du halt nicht: 'Oh, der war jetzt aber nicht besonders nett!' Dann sagst du ein bisschen was anderes zu ihm, oder? Ich meine, wer würde das nicht?"

"Wir alle wissen, dass Nikita ein bisschen der 'Bad Boy' ist. Dazu wird er schon seit einer ganzen Weile gemacht", findet Steiner. "Die Formel 1 zeigt auch immer die Funksprüche über ihn, weil die halt gut ankommen. Würden sie die Funksprüche zeigen, die nett und lieb sind, würde sich doch kein Mensch dafür interessieren."

"Da wird schon ein bisschen nach Aufmerksamkeit gebettelt, aber letztendlich machen wir hier Showbusiness, und da gehört das halt dazu", sagt der Haas-Teamchef. "Ich glaube nicht, dass ihm das zusetzt. Mir würde auch nicht gefallen, was andere über mich reden. Aber wenn dir das zusetzt, dann solltest du dir einen anderen Job suchen. So dünnhäutig darfst du nicht sein."

Masepin bisher langsamer als Schumacher

Unabhängig von Masepins Verhalten ist es eine Tatsache, dass er rein sportlich gegen Schumacher bisher kein Land sieht. Was für viele Experten in dieser Deutlichkeit überraschend kommt, denn in der Formel 2 war der Rückstand des Russen auf seinen deutschen Rivalen bei weitem nicht so groß.

Steiner nimmt ihn aber auch diesbezüglich in Schutz: "Im Moment hat Mick sicherlich die Oberhand", räumt er ein. "Ich würde aber nicht sagen, dass Mick deswegen so gut ist oder Nikita so schlecht. Wir haben drei Rennen hinter uns. Da sollten wir noch keine voreiligen Schlüsse ziehen. Vielleicht braucht Nikita einfach ein bisschen länger, um auf Speed zu kommen."

Beispiel Portimao: "Der Abstand war gar nicht so groß. Ab FT3 kam er immer näher, und nach 20 Runden im Rennen hatte er vielleicht vier Sekunden Rückstand auf Mick. Dann haben wir ihn an die Box geholt, weil er sonst beim Überrunden viel Zeit verloren hätte. Und dann haben wir noch einen zusätzlichen Boxenstopp gemacht. Daher kam am Ende der große Rückstand."

"Im Vergleich zu den Nachwuchsserien ist die Formel 1 einfach eine ganz andere Liga", erklärt Steiner. "Es geht dabei auch gar nicht nur ums Fahren, sondern auch um das Drumherum. Ich finde, er hat in Portimao einen guten Schritt gemacht. Er ist auch mental gut drauf, obwohl er von Mick geschlagen wurde. Er ist in guter Verfassung."

Der Zeitabstand zwischen den beiden Haas-Rookies könnte auch damit zu tun haben, dass sich Masepin nach seinen teilweise schweren Anfängerfehlern zu Saisonbeginn vorgenommen hat, ein bisschen zurückzustecken: "Er fängt jetzt langsamer an und steigert sich dann erst nach und nach", verrät Steiner.

"Er ist immer noch hinter Mick, aber irgendwann wird er aufholen, und dann haben wir zwischen den beiden eine Referenz. Zusammen können sie sich pushen und schneller werden. Im Moment sind sie noch damit beschäftigt, ihre eigenen Grenzen kennenzulernen. Wenn das erledigt ist, werden wir Daten vergleich und so weiter. Das ist unser Ziel", kündigt Steiner an.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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