Bottas' Start-Ausrede: "Lassen wir das mal so stehen ..."

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Bottas' Start-Ausrede: "Lassen wir das mal so stehen ..."
Autor:
Co-Autor: Adam Cooper
16.04.2019, 07:09

Hat Mercedes-Pilot Valtteri Bottas den Sieg in Schanghai wirklich am Start verloren? Und welche Rolle spielten dabei die Fahrbahnmarkierungen auf der Zielgeraden?

Valtteri Bottas ist fest davon überzeugt: Der Start hat ihn den möglichen Sieg gekostet. Denn im Vergleich kam Bottas' Mercedes-Teamkollege Lewis Hamilton beim China-Grand-Prix in Schanghai besser los, ging in Führung und gab selbige danach nicht mehr ab. Was Bottas hadern lässt, denn er glaubt: Wäre er nach dem Start vorne gewesen, hätte er das Rennen kontrolliert und den Sieg nach Hause gefahren. Doch es kam anders.

Bottas selbst schiebt's auf die Fahrbahnmarkierung auf der Zielgeraden: "Ich hatte Wheelspin, auf der weißen Linie ein paar Meter vor meiner Startposition. Die ersten Meter waren okay gewesen, aber dann drehten die Räder durch. Das hat vor der ersten Kurve sicher ein paar Meter gekostet", meint Bottas und fügt hinzu: "Für mich ist ziemlich klar, dass ich das Rennen am Start verloren habe."

Formel-1-Experte Nico Rosberg hat Zweifel an dieser Erklärung: "Ich bin mir nicht ganz sicher, ob er Recht hat oder nicht. Aber lassen wir das mal so stehen", sagte der Ex-Champion in seinem Video-Blog.

Ziellinie bald ein Thema in der Fahrerbesprechung?

Doch Bottas bleibt bei seiner Version und meint in Schanghai eine Ausnahmesituation vorgefunden zu haben. Die Ziellinie etwa sei "nur auf wenigen Strecken so breit" wie in China. "Vielleicht verwenden sie auch unterschiedliche Farben."

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Lewis Hamilton vor Valtteri Bottas

Lewis Hamilton vor Valtteri Bottas
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Foto: : Steve Etherington / LAT Images

Lewis Hamilton und Valtteri Bottas auf dem Podium

Lewis Hamilton und Valtteri Bottas auf dem Podium
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Foto: : Steve Etherington / LAT Images

Valtteri Bottas, Mercedes AMG W10

Valtteri Bottas, Mercedes AMG W10
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Foto: : Steve Etherington / LAT Images

Valtteri Bottas, Mercedes AMG W10

Valtteri Bottas, Mercedes AMG W10
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Foto: : Mark Sutton / Sutton Images

Valtteri Bottas hinter Lewis Hamilton

Valtteri Bottas hinter Lewis Hamilton
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Foto: : Steven Tee / LAT Images

Valtteri Bottas vor Charles Leclerc

Valtteri Bottas vor Charles Leclerc
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Foto: : Joe Portlock / LAT Images

Valtteri Bottas, Mercedes AMG F1

Valtteri Bottas, Mercedes AMG F1
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Foto: : Zak Mauger / LAT Images

Valtteri Bottas, Mercedes AMG W10

Valtteri Bottas, Mercedes AMG W10
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Foto: : Mark Sutton / Sutton Images

Valtteri Bottas, Mercedes AMG W10

Valtteri Bottas, Mercedes AMG W10
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Foto: : Steve Etherington / LAT Images

Lewis Hamilton vor Valtteri Bottas

Lewis Hamilton vor Valtteri Bottas
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Foto: : Andy Hone / LAT Images

Womöglich sei die Situation sogar ein Thema für die nächste Fahrerbesprechung. Denn Bottas wähnte sich auf der Pole-Position im Nachteil: "Wenn du von der Pole startest, so knapp vor dieser Linie, brauchst du beim Überqueren von allen am meisten Traktion. Da hatte ich Pech", sagt der Mercedes-Fahrer und kündigt eine genaue Analyse an, "ob wir etwas unternehmen können".

Er selbst ärgert sich rückblickend darüber, sich nicht gewissenhafter auf den Start vorbereitet zu haben. "Wenn ich es jetzt nochmal machen könnte, dann würde ich in der Aufwärmrunde meine Hinterreifen aufheizen und ordentlich Gummi legen an der Stelle. Ich dachte aber nicht dran, dass das ein Problem werden könnte, weil ich so eine Situation noch nie hatte", erklärt er.

Rosberg: Bottas nicht schnell genug!

Bottas habe in der Aufwärmrunde keinen Startversuch absolviert. "Ich dachte mir noch, dass es mit warmen Reifen kein Problem sein würde. Dem war aber nicht so." Angesichts seiner konstant guten Starts könne er diesen Ausreißer verkraften. "So ist das Leben", meint Bottas. "Passiert!"

Aber hat er das Rennen wirklich nur deshalb verloren? Wieder zweifelt Rosberg und sagt: Bottas habe im Rennen schlicht das Tempo gefehlt, um Hamilton gefährlich zu werden. "Das haben wir jetzt schon öfter gesehen bei ihm", meint Rosberg. "Valtteri muss im Rennen schneller werden. Aber wir wissen natürlich auch, dass Lewis eine großartige Messlatte ist."

Bottas allerdings verweist auf die aerodynamischen Eigenschaften seines Fahrzeugs und meint, die sogenannte Dirty Air hinter Hamilton habe es ihm nicht erlaubt, zu seinem Teamkollegen aufzuschließen, um in Schlagdistanz zu gelangen.

Hinterherfahren bleibt schwierig

"Es scheint, dass wir ein sehr gutes Anpressdruck-Niveau haben. [In Schanghai] waren wir in den Kurven sehr stark. Das geht dann Hand in Hand: Je mehr Anpressdruck du hast, desto mehr Anpressdruck verlierst du, wenn du hinter einem anderen Auto bist. Und das wirkt sich dann stärker auf die Rundenzeit aus. Da rutscht du selbst mit drei, vier Sekunden Abstand noch mehr rum als sonst."

"Der, der in Führung liegt, kontrolliert das Rennen", sagt Bottas. "Das geht dann ein bisschen leichter von der Hand. Ist so, war schon immer so." Die zur Saison 2019 eingeführten Regeln mit vereinfachten Frontflügeln hätten die Situation nur "ein bisschen besser" gemacht, meint der Mercedes-Fahrer, aber das Grundproblem habe weiter Bestand.

"Das Gute ist, dass das Auto keine Späße macht, wenn du hinter einem anderen fährst. Es geht einfach Anpressdruck verloren", erklärt Bottas. "Vergangenes Jahr waren die Turbulenzen stärker, das Auto wurde unruhiger. Jetzt ist es stabiler. Klar gehen immer noch Grip und Anpressdruck verloren, weil die Autos jetzt mehr Anpressdruck haben als vor einem Jahr. Und wenn keine Luft da ist, die die Flügel anströmen, dann fehlt dir Grip."

Ist es wirklich so einfach? Darüber hat unser Chefredakteur Christian Nimmervoll in der neuesten Ausgabe des Formel-1-Podcasts Starting Grid gesprochen. Die eineinhalbstündige Analyse zum China-Grand-Prix 2019 in Schanghai können Sie jetzt im Radioplayer nachhören oder via iTunes-Abo herunterladen. Außerdem steht die Sendung bei unserem Partner 'meinsportpodcast.de' zum Download bereit.

Mit Bildmaterial von LAT.

 
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