Christian Horner & Toto Wolff: Polemik am Fließband

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Christian Horner & Toto Wolff: Polemik am Fließband
Autor: Christian Nimmervoll
Co-Autor: Maria Reyer
06.07.2018, 06:02

Seit gut einer Woche lässt Red-Bull-Teamchef Christian Horner keine Gelegenheit aus, verbale Seitenhiebe gegen Mercedes und Toto Wolff anzubringen

Es ist kein Geheimnis im Formel-1-Paddock, dass sich Helmut Marko und Toto Wolff ungefähr so gut vertragen wie Hund und Katze. Und generell hat das Haus Red Bull wohl bessere Freunde als den Mercedes-Teamchef, seit dieser im Jahr 2013 abschätzig gesagt hat, es sei "nicht akzeptabel", dass "ein Brausehersteller" den altehrwürdigen Silberpfeilen vor der Nase rumfährt. Dietrich Mateschitz, so sagt man, hat Wolff diese Provokation sehr übel genommen.

Vor diesem Hintergrund ist es faszinierend zu beobachten, wie Christian Horner seit gut einer Woche keine Gelegenheit auslässt, kleine Spitzen gegen Wolff zu setzen. Nie auf einer bösartigen, sondern meist auf einer augenzwinkernd-indirekten Ebene - aber eben doch Spitzen.

Das ging los am Freitag bei der Teamchef-Pressekonferenz in Spielberg, wo Horner nach der Zukunft von Carlos Sainz gefragt wurde. Seine Antwort, gerichtet weniger an die Journalisten als vielmehr an Wolff: "Der ganze Fahrermarkt wartet darauf, dass Toto ihn in Gang setzt." Direkt an Wolff gewandt ergänzt Horner: "Holt ihr in Silverstone endlich den Stift raus und unterschreibt? Er ist es wert. Komm schon, er ist jeden Penny wert."

Der Brite spielt damit natürlich auf die geplante Vertragsverlängerung zwischen Mercedes und Lewis Hamilton an, die seit einem Jahr im Gespräch, aber noch immer nicht offiziell bestätigt ist - obwohl Niki Lauda, auch auf Druck von Helmut Marko hin, in einem 'ORF'-Interview längst zugegeben hat, dass im Grunde alles unter Dach und Fach ist.

Die nächste Gelegenheit für eine Spitze gegen Mercedes wurde Horner von 'Motorsport-Total.com' aufgetischt, als wir von ihm und Wolff wissen wollten, ob denn nun der Österreich- oder der Deutschland-Grand-Prix wichtiger sei. Für den Red-Bull-Teamchef ist der Fall klar: "Österreich ist natürlich weit wichtiger als Deutschland", sagt er mit einem Augenzwinkern.

Und findet es weiter "überraschend, dass es in den letzten Jahren nicht mehr Unterstützung für den deutschen Grand Prix gegeben hat, vor allem mit einem deutschen Weltmeister und deutschen Teams".

Das kann man nur als Spitze gegen Mercedes verstehen, denn was zwischen den Zeilen mitschwingt, ist die Botschaft: Während Red Bull einen kompletten Grand Prix mit Bombenstimmung finanziert, hat Mercedes in Hockenheim sogar die traditionelle Unterstützung des Veranstalters in Form der Mercedes-Tribüne beendet.

Zwischen Spielberg und Silverstone dann die nächste Gelegenheit für Horner, gegen Mercedes auszuteilen, als der Grand Prix von Österreich analysiert wird. Tagelang war es eines der bestimmenden Themen, dass Mercedes dazu bereit war, Chefstratege James Vowles öffentlich am Boxenfunk zum Sündenbock zu machen, nur um Hamilton im Cockpit zu besänftigen.

Das ist zumindest die Art und Weise, wie Red Bull die Situation bewertet. "Ich verstehe schon, dass jemand Verantwortung übernehmen muss", sagt Horner, "aber das sollte im richtigen Umfeld passieren. Hinter verschlossenen Türen und nicht in der Öffentlichkeit."

Dass Vowles gebeten wurde, sich noch während des Rennens am Boxenfunk bei Hamilton zu entschuldigen, sei "nicht die Art und Weise, wie ich das Team führe. Mein Standpunkt als Teamchef ist, dass ich dazu da bin, meine Mitarbeiter zu schützen, damit sie auf bestmögliche Art und Weise repräsentiert werden. Und zwar an guten wie an schlechten Tagen."

Die Annahme von Mercedes, dass Hamilton zu beruhigen sei, indem sich jemand am Boxenfunk bei ihm entschuldigt, findet Horner merkwürdig: "Ich weiß nicht, wie Lewis tickt, weil ich nie mit ihm gearbeitet habe. Aber dass jemand vor einen rollenden Zug geworfen werden muss, damit er wieder motiviert ist, vom vierten auf den ersten Platz zu fahren, finde ich bizarr."

Und zu guter Letzt kramt er noch einen alten Mythos hervor, der da lautet: Toto Wolff und Niki Lauda haben ohnehin nur kleinen Anteil am Erfolg des Mercedes-Teams, denn den Grundstein hat Ross Brawn schon im Jahr 2013, vor seinem Abgang, gelegt. Die beiden Österreicher seien nur gut darin gewesen, Brawns Saat zu ernten.

"Wenn man die Geschichte von Mercedes betrachtet, dann ist das im Kern das Team, das Ross vor einigen Jahren aufgebaut hat", findet Horner. "Natürlich gab es Ergänzungen, aber ihr großer Vorteil war in den letzten Jahren, dass die einzig ernsthaften Gegner die beiden eigenen Fahrer waren. Das Teammanagement war nie in einer Situation, sich eine ganze Saison Kopf an Kopf mit einem anderen Team auseinandersetzen zu müssen." Das sei 2018 anders - und deswegen mache Mercedes so viele Fehler, vermutet Horner.

Wer seine Aussagen richtig zu lesen weiß, kann einordnen, dass immer dann, wenn er auf Mercedes angesprochen wird, ein Schuss Polemik dazugehört. Immerhin ist meistens ein Augenzwinkern dabei, wenn Red Bull und Mercedes übereinander schimpfen. Und das gehört dann auch ein bisschen dazu zum Paddock-Entertainment der Formel 1 ...

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Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Teams Red Bull Racing , Mercedes
Autor Christian Nimmervoll
Artikelsorte News