Coulthard sicher: "Hamilton denkt über Rücktritt 2020 nach"

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Sven Haidinger
Autor: Sven Haidinger
04.06.2018, 09:15

Ex-Formel-1-Pilot David Coulthard erklärt, warum Lewis Hamilton möglicherweise Ende 2020 zurücktritt und in welchem Bereich er den Mercedes-Piloten danach sieht

Lewis Hamilton verhandelt nach wie vor um einen neuen Vertrag bei Mercedes. Nun glaubt Landsmann David Coulthard, dass die Karriere des viermaligen Weltmeisters Ende 2020 beendet sein könnte. "Darüber muss er nachdenken", meint der Ex-Formel-1-Pilot gegenüber der 'BBC'. "Ich glaube, er fährt noch, bis das aktuelle Concorde-Agreement ausläuft, denn das definiert den Sport."

Das Concorde-Agreement, das früher die kommerzielle Seite der Formel 1 regelte, gibt es zwar in seiner ursprünglichen Form nicht mehr, die Einzelverträge zwischen dem Inhaber der kommerziellen Rechte und den Teams laufen aber tatsächlich Ende 2020. Danach könnte sich die Einnahmenverteilung, aber auch das Erscheinungsbild der Formel 1 radikal ändern.

Wo Coulthard Hamilton nach einem möglichen Rücktritt sieht? "Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass er nach 2020 sein erstes Album veröffentlicht, denn daran arbeitet er schon eine Weile." Coulthard sieht Hamilton also weiterhin im Scheinwerferlicht und rechnet damit, dass der 33-Jährige ins Musikbusiness einsteigen wird.

Wie Coulthard mit dem Formel-1-Aus klarkam

Doch wie ist Coulthard selbst Ende 2008 damit zurechtgekommen, als er im Alter von 37 Jahren den Helm an den Nagel hängte? "Es gibt natürlich nichts, was man damit vergleichen kann, 220 mph (355 km/h; Anm. d. Red.) zu fahren oder mit Tempo 150 mph (241 km/h) durch eine Kurve zu fahren. Das gibt dir einen enormen Adrenalinkick. Das suche ich nicht, und das Alltagsleben ist daher manchmal nicht gerade spannend."

Wie er mit diesem Mangel umgegangen ist? "Ich habe mich voll auf das Business konzentriert", sagt Coulthard, der neben seiner Tätigkeit als Formel-1-Experte und Co-Kommentator auch als Red-Bull- und Wings-for-Life-Botschafter agiert und außerdem für die Formel 1 die Interviews nach dem Rennen durchführt. Außerdem hat er kürzlich mit "The Winning Formula: Leadership, Strategy and Motivation The F1 Way" ein Buch auf den Markt gebracht.

Vorbild James Hunt

"Meine Formel-1-Karriere liegt nun zehn Jahre zurück, aber sehr bald nach meinem Rücktritt - als drei oder vier Jahre danach - habe ich immer mehr Einladungen zu Firmenseminaren und Konferenzen bekommen, um darüber zu sprechen, wie Teams in der Formel 1 arbeiten", erinnert sich der 47-jährige Schotte. "Und je mehr Vorträge ich hielt, desto mehr wurde mir bewusst, dass sich Menschen aus unterschiedlichen Branchen immer wieder auf das Sport-Business beziehen. Es war also Zeit, ein Buch zu veröffentlichen."

Schon vor seiner Formel-1-Karriere war es für Coulthard ein Thema, irgendwann als Experte zu arbeiten: Als sein Vater - ein schottischer Spediteur - und der junge Rennfahrer einen Karriereplan erstellten, "da sprach er über James Hunt, der damals Murray Walkers Co-Kommentator bei der BBC war", erinnert sich Coulthard. "Er sagte also: 'Mein Sohn, das solltest du nach der Karriere auch in Betracht ziehen'."

Der Adrenalinkick, als er erstmals auf Sendung ging, sei zwar "nicht der gleiche wie in der Formel 1 gewesen, aber ich war auf jeden Fall motiviert", erinnert er sich. Das Formel-1-Aus habe aber auch gute Seiten gehabt: Dem Fitnesstraining und der Disziplin im Spitzensport weint der Ex-Rennfahrer keine Träne nach.

Coulthard: Mercedes-Junior Russell potenzieller Hamilton-Nachfolger

"Ich konnte danach ein Jahr lang kein Fitnessstudio sehen", gibt der Familienvater zu. "Denn 20 Jahre lang war die Formel 1 das letzte, worüber ich vor dem Einschlafen nachgedacht habe - und das erste am Morgen nach dem Aufwachen. Wenn man Profisportler ist, dann lebt man ein sehr egoistisches Leben."

Als Coulthard zurücktrat, war mit Hamilton ein neuer Hoffnungsträger für die britischen Rennfans am Start. Doch wer könnte in die Fußstapfen Hamiltons treten? Coulthard nennt den aktuellen Mercedes-Nachwuchspiloten George Russell: "Er ist dort Ersatzfahrer und ist daher international nicht so bekannt, aber er hat definitiv das Können, das Talent und das Potenzial. Man wird sehen, ob er dem Potenzial gerecht wird, aber man sollte ihn im Auge behalten", meint der 13-malige Grand-Prix-Sieger.

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Rennserie Formel 1
Fahrer Lewis Hamilton
Teams Mercedes
Autor Sven Haidinger
Artikelsorte News