Stallregie bei McLaren: So geht Daniel Ricciardo damit um

Wie McLaren-Fahrer Daniel Ricciardo mit der Stallregie zugunsten von Lando Norris umgeht und welche Spielregeln Teamchef Andreas Seidl ausgegeben hatte

Stallregie bei McLaren: So geht Daniel Ricciardo damit um

Es geschah in Runde 16: Daniel Ricciardo fuhr zur Seite und machte Platz für Lando Norris, seinen Formel-1-Teamkollegen bei McLaren. Damit wurde die angeordnete Stallregie im Emilia-Romagna-Grand-Prix vollzogen. Wie aber arrangierte sich Team-Neuzugang Ricciardo damit? Davon erfuhr die Öffentlichkeit erst im Nachgang des Rennens.

Und Ricciardo räumt ein: Er habe sich zunächst gegen das Platzmachen gesträubt, zumindest innerlich. "Da musste ich meinen Stolz schon runterschlucken", sagt der Australier. "Aber ganz ehrlich: Das Team hat es fair gelöst."

McLaren habe bereits Runden zuvor angedeutet, dass Norris der Schnellere sei. "Man hat mir dann die Zeit gegeben, damit ich mich beweisen kann", meint Ricciardo. Das aber habe für ihn nicht funktioniert: "Als ich Druck machte, ging das sehr zulasten meiner Vorderreifen. Ich hatte zwar den Spielraum, zu zeigen, was ich kann, aber es war nicht genug."

Und weil er selbst erkannt hatte, dass es für ihn nicht viel schneller gehen würde, habe er schließlich eingelenkt und Norris ziehen lassen. "Deshalb", sagt Ricciardo, "mache ich da kein Theater. Das war schon okay."

Abläufe waren vorher festgelegt worden

Vor allem war es vorab im Detail besprochen, wie Teamchef Andreas Seidl bei 'Sky' betont: "Das Wichtigste ist, die Situation so vorzubereiten, dass es im Rennen keine Überraschung ist. Da haben wir klare Vereinbarungen mit unseren beiden Fahrern."

Lando Norris, Daniel Ricciardo

Die McLaren-Fahrer im Rennen: Norris durfte vorbei und setzte sich gleich ab

Foto: Motorsport Images

Diese Vereinbarung besage, das Teamergebnis habe stets Priorität. "Wenn wir also an der Boxengasse die Sache so einschätzen, dass wir zur Maximierung des Resultats den Tausch machen müssen, dann machen wir den auch ohne große Verzögerungen", sagt Seidl.

In Imola sei das von allen Beteiligten mustergültig gelöst worden. Er selbst sei "sehr zufrieden" mit der Durchführung der Stallregie, meint Seidl. "Wir haben eben zwei super Fahrer, die verstehen, dass wir am Ende für McLaren unterwegs sind."

Die Fahrer dürfen frei fahren, aber ...

"Wir lassen unsere Fahrer ihr Rennen fahren. Sie sollen es auf der Strecke ausmachen, aber immer mit der Vorgabe, dass wir das Ergebnis für das Team maximieren wollen. Und wenn sie auf der Strecke aufeinandertreffen oder wir sehen, dass ein Fahrer im Vergleich schneller ist, dann drehen wir sie um. Das haben wir dieses Mal gemacht."

Natürlich hatte Norris sein Team vorab per Funk über seine Ambitionen in Kenntnis gesetzt und betont, er könne schneller als Ricciardo.

"Zu dem Zeitpunkt", sagt Norris, "hatte ich viel mehr Pace im Auto. Das war vielleicht der Schlüsselmoment im Rennen, der mir eine Podestchance eröffnet hat. Ich muss mich bei Daniel bedanken, dass er mich hat gehen lassen."

Eine Stallregie sei immer eine schwierige Entscheidung, meint Norris weiter, aber nicht die einzige kritische im Imola-Grand-Prix gewesen. "Es gab diverse Momente im Rennen, in denen man was riskieren, aber auch was gewinnen konnte, mit einem Überholmanöver oder etwas mehr Druck", erklärt er. "Dieses Mal haben wir viele richtige Entscheidungen getroffen. Das hat sich ausgezahlt."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

geteilte inhalte
kommentare
Zweifel an der Strategie: Warum Norris dennoch profitierte
Vorheriger Artikel

Zweifel an der Strategie: Warum Norris dennoch profitierte

Nächster Artikel

Neuzugänge leiden: Darum taten sich Alonso, Perez und Co. so schwer

Neuzugänge leiden: Darum taten sich Alonso, Perez und Co. so schwer
Kommentare laden