Red Bull: Bekommt Kwjat wie Hartley eine zweite Chance?

Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko glaubt weiterhin an das Talent von Daniil Kwjat. Auch sein Ex-Teamchef Franz Tost spricht dem jungen Russen Mut zu.

Daniil Kwjat ist bei Red Bull erst einmal raus. Der Russe verlor sein Cockpit bei Toro Rosso nach dem Großen Preis der USA 2017 endgültig. Seine Formel-1-Karriere liegt nun erst einmal auf Eis, und es ist unklar, ob der 23-Jährige überhaupt noch einmal in der Königsklasse an den Start gehen wird. Bei Red Bull macht man dem jungen Russen allerdings Mut. Grundsätzlich ist man nämlich weiterhin von seinen Fähigkeiten überzeugt.

Gegenüber 'Motorsport.com' erklärt Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko, dass Kwjat seiner Meinung nach mehr Talent hat als Pierre Gasly und Brendon Hartley, die 2018 für Toro Rosso fahren werden. "Das hat er aber leider nur im ersten Jahr bei Toro Rosso und im ersten Jahr bei Red Bull Racing gezeigt. Dann kam ein drastischer Leistungsabfall mit Brems- und Reifenproblemen, die Ricciardo nicht hatte", erklärt Marko.

"Um das abzukürzen: Irgendwas ist mental mit ihm passiert, dass er seinen Speed und seine Leichtigkeit verloren hat", glaubt Marko und verrät: "Wir haben so viel versucht, aber dieser Speed ist einfach nicht mehr gekommen. Wir haben leider keine Idee, woran das liegt. Es haben sich auch zu oft Startunfälle eingeschlichen, und seine Abwehrreaktion war auch nicht die gescheiteste."

Kwjat konnte Potenzial nicht mehr abrufen

"Er hat sich dann in ein Schneckenhaus verkrochen und war eigentlich schwer zugänglich und ließ sich nichts sagen", berichtet Marko und ergänzt: "Ich erinnere mich, wie er in der GP3 in Monza und Spa allen auf und davon gefahren ist. Auch im Toro Rosso fuhr er einmal vom letzten Startplatz nach vorne und attackierte gerade Räikkönen, als die Bremsscheibe gebrochen ist (Monza 2014; Anm. d. Red.). Der hat sensationelle Rennen geliefert."

Kwjat stieg 2014 mit Toro Rosso in die Formel 1 ein und wurde nach dem Abgang von Sebastian Vettel nach nur einem Jahr zu Red Bull befördert. Dort musste er sein Cockpit nach drei Rennen der Saison 2016 aber schon wieder an Max Verstappen abgeben. Er beendete die Saison anschließend bei Toro Rosso, doch auch dort war für ihn in diesem Jahr bereits vorzeitig Feierabend.

"Ich bin noch immer überzeugt, dass Daniil sehr viel natürlichen Speed hat", erklärt Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost, der viele Jahre mit dem Russen zusammengearbeitet hat, gegenüber 'Formula1.com.' Der Österreicher erinnert: "Manchmal war er (bei Red Bull) sogar schneller als Daniel Ricciardo. Aber aus irgendeinem Grund konnte er sein Potenzial im vergangenen und in diesem Jahr nicht abrufen."

Formel-1-Karriere noch nicht vorbei?

"Er war in viele Zwischenfälle verwickelt", verrät Tost und ergänzt: "Manchmal war er zu Beginn der Rennen zu aggressiv. Die erste Kurve war seine Schwäche. Er wollte in den ersten 100 Metern zu viel." Dadurch habe er "unnötigen Druck" auf sich selbst aufgebaut. "Zu seiner Verteidigung muss ich allerdings auch sagen, dass er viele Probleme mit der Zuverlässigkeit hatte", so Tost.

"Das hat ihm nicht gerade geholfen, Selbstvertrauen aufzubauen", erklärt der 61-Jährige und verrät: "Ich hoffe für ihn, dass er noch eine Chance bekommt. Er verdient es, in der Formel 1 zu sein." Der Teamchef glaubt, dass "eine kleine Pause" für Kwjat sogar hilfreich sein könnte. "Vielleicht sehen wir Daniil bei einem anderen Team dann wieder auf seinem normalen Level", sagt Tost.

Bei Red Bull ist die Tür trotzdem erst einmal zu - aber möglicherweise nicht für immer. Denn auch Ex-Junior Brendon Hartley war bei den Bullen bereits seit Jahren raus. "Er war immer schnell, aber irgendwie konnte er es nie zusammenbringen", verrät Tost. Hartley sei damals nicht reif genug gewesen, bekam nun aber doch noch seine Chance. "Ich denke, dass mit Daniil etwas ähnliches passieren könnte", macht er Kwjat etwas Mut.

Einen Kommentar schreiben
Kommentare anzeigen
Über diesen Artikel
Rennserien Formel 1
Fahrer Daniil Kwjat
Artikelsorte News
Tags frank tost, helmut marko, red bull junioren