Der Fahrer, der die Formel-1-WM 2017 zu einem Dreikampf machen könnte

Die meisten Experten sehen den Kampf um die WM-Krone der Formel 1 in der Saison 2017 als einen Kampf zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton. Valentin Khorounzhiy hat aber auch einen 3. Fahrer auf der Rechnung.

Es gibt geteilte Meinungen über die Qualität der Rennen, Red Bull Racing hatte in Melbourne ziemlich zu kämpfen und der Abstand zwischen der Spitze und dem Mittelfeld schien nicht geschrumpft zu sein. In Australien zeigte sich aber auch, dass der Kampf zwischen Mercedes und Ferrari in der Formel-1-Saison 2017 wohl sehr eng werden wird.

Für viele war Melbourne aber nicht nur ein Showdown zwischen Mercedes und Ferrari, sondern vielmehr einer zwischen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel. Sie bestimmten die Spitze und machten den Sieg unter sich aus.

Das wäre ein perfektes Drehbuch für die Formel 1. Ein Titelkampf zwischen zwei der ganz Großen – die gemeinsam 7 der letzten 9 WM-Titel errungen haben und sich (außer 2010) nie über eine ganze Saison wirklich bekämpfen konnten – wäre ein Klassiker. Es wäre ein Gegengift für eine etwas öde Zeit von 2014 bis 2016, das Paket 2017 scheint aber nicht wirklich dazu geeignet zu sein, die Show zu verbessern.

Und die beiden Fahrer scheuen sich nicht vor einem Duell. "[Ich habe] unglaublichen Respekt vor Sebastian und davor, was er in seiner Karriere erreicht hat", sagte Hamilton. "Es ist ein Privileg, in einer Ära mit ihm fahren zu können und jetzt endlich zu einer Zeit, in der wir ein echtes Rennen gegeneinander fahren können."

"Er hat bewiesen, dass er einer der schnellsten Fahrer im Feld ist und ich hätte ganz sicher gerne einen engen Kampf", sagte Vettel über Hamilton. "Momentan sieht es so aus, als ob wir gleichwertige Autos hätten. Ich hoffe, dass es so bleibt."

Das klingt ja alles gut und schön, aber selbst falls Mercedes und Ferrari die ganze Saison lang ähnlich schnell sind – und das ist ein großes Falls – könnte es etwas verfrüht sein, einen Kampf zwischen 2 Fahrern zu prophezeien.

Vielversprechendes Debüt

Es wäre sehr seltsam zu sagen, dass Mercedes-Neuling Valtteri Bottas sich 2017 in einer wenig beneidenswerten Position befinde, da es kaum etwas nicht beneidenswertes daran gibt, in dieser Ära der Formel 1 für Mercedes zu fahren. Aber sogar, nachdem er zu den Silberpfeilen gestoßen ist, bleibt das Gefühl bestehen, dass Bottas noch viel zu tun hat, bis er als echter Spitzenfahrer angesehen wird.

Einige Leute würden sagen, dass seine Karriere bei Williams stagniert hat, nachdem die Begeisterung der ersten Jahre abgeebbt war und die Entscheidung von Mercedes, ihn zu holen, die sicherste Reaktion auf Nico Rosbergs plötzlichen Rücktritt war. Außerdem darf man auch die Möglichkeit nicht ganz ausschließen, dass der Finne für 2017 nur Lückenbüßer ist, da große Namen verfügbar werden, wenn sein 1-Jahresvertrag ausläuft.

Das ist sicher kein schöner Ausblick für einen Fahrer, der seinen Teamkollegen Felipe Massa in seinem letzten Jahr bei Williams im Qualifying mit 17:4 geschlagen hat, ein Ergebnis, das es bei keinem anderen Team gab. Und Bottas' 9 Ergebnisse auf dem Podium während seiner 4 Jahre bei Williams sind auch keine schlechte Bilanz.

Niemand scheint zu bezweifeln, dass Bottas natürlich ein guter Fahrer ist und man kann das Starpotential eines Fahrer aufgrund einer Schicht bei Williams neben so unbeständigen Teamkollegen wie Felipe Massa und Pastor Maldonado nur bedingt beurteilen.

Das erste Wochenende des Finnen bei Mercedes hat aber gezeigt, dass er Starpotential besitzt. Er war hinter Hamilton Zweitbester, es gab aber eine Steigerung.

Aus einem etwas bedenklichen Rückstand von einer haben Sekunde am Freitag wurden im Qualifying 3 Zehntelsekunden – und nach 57 Runden am Sonntag war Bottas viel näher an Hamilton dran als der Brite an Vettel.

Vergleich mit Rosberg

Mercedes-Chef Toto Wolff, dessen Status als ehemaliger Bottas-Manager als Munition für gelegentliche, absolut unverdiente Kritik daran diente, den Finnen unter Vertrag zu nehmen, beurteilte seine Leistung am Australien-Wochenende sehr positiv.

Der lauteste Zuspruch kam aber zweifellos von Mercedes-F1-Vorstandschef Niki Lauda.

"Zum 1. Mal im Auto und 3., ganz knapp hinter Lewis. Er hätte keinen besseren Job machen können", sagte Lauda bei Sky Sports. "Das ganze Wochenende war sensationell. Ich denke nicht, dass es schlechter war, als wenn Nico hier gefahren wäre. Das Ergebnis wäre genau dasselbe gewesen."

Diese Aussage ist aus Niki Laudas Mund keine große Überraschung. Der Österreicher hat aus seinem Unmut über Rosbergs plötzlichen Rücktritt im vergangenen Jahr nie ein Geheimnis gemacht. Aber auch die treuesten Fans des aktuellen Weltmeisters dürften kaum etwas finden, das Laudas Aussage widerspricht.

Rosberg war bei 4 Grands Prix von Australien Hamiltons Teamkollege. Bei allen 4 Rennen schafften es beide Fahrer in Q3 – und alle 4 Male qualifizierte sich Hamilton vor Rosberg, mit Abständen von 0,436, 0,364, 0,594 und 0,360 Sekunden. Die waren alle größer als Bottas' Rückstand am Samstag.

Ein Rückstand von ein paar Zehntelsekunden auf Hamilton war für Rosberg nichts besonderes und hielt ihn auch nicht davon ab, F1-Champion zu werden. Und es gibt auch keinen Grund, wieso Bottas auf eine Runde gesehen nicht sogar näher an Hamilton dran sein könnte.

Der Finne ist bei Mercedes noch in der Eingewöhnungsphase. Es ist durchaus möglich, dass das das der Höhepunkt seiner Saison war. Intuitiv könnte man aber erwarten, dass er sich weiter verbessert. Und wenn er das tut, dann ist er neben Hamilton und Vettel ein Titelkandidat.

Es ist noch alles drin

Ähnliches könnte man auch über Bottas' Landsmann bei Ferrari, Kimi Räikkönen, sagen, auch wenn der Grand Prix von Australien für Räikkönen weniger positiv verlaufen ist.

Er sagt zwar, dass die Probleme, die er an diesem Wochenende hatte, verstanden wurden und bis China ausgeräumt sein sollten, trotzdem war der Abstand zwischen Räikkönen und Vettel immens.

Das hatten wir aber alles schon. Erst vergangenes Jahr startete Kimi Räikkönen als Fahrer in die Saison, dessen Vertrag eigentlich nicht hätte verlängert werden sollen und war am Ende der wohl bessere Ferrari-Pilot.

Dann ist da auch noch Red Bull Racing, die sicher besser sind, als es in Melbourne den Anschein hatte. Sie liegen aber etwas hinten – und haben nicht viel Zeit, die Probleme zu lösen.

Die Aussicht auf einen einen Kampf Hamilton gegen Vettel ist natürlich vielversprechend. Und "abwarten und Tee trinken" ist im Sport- und Entertainment-Business nie gut, auch wenn das vom PR-Standpunkt klug ist, taugt es jedoch nicht als News.

Wenn man Bottas aber – oder auch die anderen Fahrer der Top-3-Teams – für den Titelkampf in der Formel 1 2017 abschreiben will, sollte man mindestens bis Spanien warten, ein Viertel der Saison. Das wäre nur fair.

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Rennserien Formel 1
Fahrer Lewis Hamilton , Sebastian Vettel , Valtteri Bottas
Teams Ferrari , Mercedes
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Tags bottas, f1 2017, formel 1, melbourne, weltmeisterschaft, williams