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Der geheime Kampf gegen Taifun Hagibis: So wurde der Japan-GP gerettet

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Der geheime Kampf gegen Taifun Hagibis: So wurde der Japan-GP gerettet
Autor:
Co-Autor: Jonathan Noble
17.10.2019, 15:33

Der Taifun Hagibis bedrohte die Austragung des Japan-Grand-Prix: Wie man eine Absage verhindern konnte, zeigt die Arbeit der TV-Crew hinter den Kulissen

Dass sie den Wecker in der Nacht zum Sonntag viel früher stellen mussten, war für viele Formel-1-Fans zuhause wohl die größte Unannehmlichkeit, die der Taifun Hagibis mit sich gebracht hat. Denn weil an Fahrbetrieb am Samstag nicht zu denken war, wurde das Qualifying am Sonntagvormittag vor dem Rennen abgehalten - in Deutschland war das drei Uhr nachts.

In Suzuka waren die Auswirkungen des Taifuns natürlich um einiges größer. Die Formel 1 musste beinahe ein Wunder schaffen, um sicherzustellen, dass der Grand Prix nicht nur übertragen, sondern überhaupt abgehalten werden kann - ein zweites Mal nach einem plötzlichen Brand in Hockenheim.

Schon vor dem Wochenende war klar, dass Hagibis das Geschehen in irgendeiner Weise beeinflussen wird. Wie und für wie lange stand jedoch nicht fest. Erst mit der Zeit wurde klar, dass starke Winde und Überflutungen zur Gefahr werden können. Somit war nicht nur die Action auf der Strecke in Gefahr, sondern vor allem die Anlagen - etwa das hauseigene Übertragungszentrum der Formel 1.

Ohne Übertragung geht nichts

Zwar werden die Hightech-Systeme im Normalfall vor allen widrigen Bedingungen geschützt, für einen Taifun ist die Struktur aber nicht designt - und das war das große Problem der Schaltzentrale der Formel 1.

Ohne die Systeme können keine Fernsehbilder um die Welt gesendet werden, und vermutlich hätte auch kein Rennen stattfinden können, weil viele Systeme wichtig für die Austragung eines Grand Prix sind - etwa die Zeitnahme. Eine Beschädigung konnte die Formel 1 nicht riskieren.

TV-Compound

Ohne die Formel-1-Schaltzentrale, hier in Singapur, läuft nichts

Foto: Sutton

"Wenn es keine TV-Übertragung gibt, hat ein Rennen nicht viel Sinn", sagt Technikchef Andrew James. "Hier werden so viele Dinge am Laufen gehalten. Wir machen die Erkennung für Frühstarts (ein Thema in Suzuka; Anm. d. Red.) und die Geschwindigkeit in der Boxengasse, Onboard-Aufnahmen, Zeitnahme, alles. Das wäre alles beeinträchtigt worden."

Am Donnerstagabend sah es so aus, als müsste man das ganze Übertragungszentrum abbauen, das ganze Equipment irgendwo sicher verstauen und es dann wieder aufbauen, wenn die Bedrohung vorbei ist.

TV-Crew in Zeitnot

Der Plan wurde jedoch am Freitag nach dem neuesten Update zunichte gemacht. Nach dem Taifun würde es nicht mehr genügend Zeit geben, um das Übertragungszentrum wieder neu aufzubauen. "Um acht Uhr morgens hatten wir ein Treffen, und für mich war klar, dass wir keine Zeit zum Aufbauen hätten, wenn wir es abbauen würden", sagt James.

"Und ich wusste, dass wir uns selbst vor dem Wetter schützen müssen. Und der einzige Weg war, dass wir drin sind. Ich musste es in eine Garage bekommen. Ich wusste, dass wir nicht liefern konnten, von daher mussten wir einen anderen Weg finden", so James weiter.

 

In einer Email betonte er den Ernst der Lage und konnte so einige Vorgänge in Gang setzen. Er und seine Crew arbeiteten mit der Strecke und der FIA an einer Lösung. James sollte eine Behausung für das komplette Formel-1-Material finden. Wir reden dabei von elf Technikcontainern voll Equipment und Arbeitsplätzen für 80 Leute - insgesamt 80 Tonnen Material.

Das Equipment, das sonst in der Übertragungsstruktur gelagert wird, musste in etwas Robusteres umziehen - und der offensichtlichste Ort an der Strecke war eine Garage. Allerdings schien dort nichts mehr frei zu sein. Doch mit ein bisschen Umräumarbeit konnte noch etwas Platz gefunden werden.

FIA bietet Garagenplatz

"Wir hatten Hilfe von der FIA", sagt James. "Sie haben ihre Garage aufgeräumt, und wir haben unseren Kamera-Arbeitsplatz (nebenan) verschoben. Die Strecke hat uns dabei geholfen, die Trennung zwischen beiden Garagen zu entfernen."

Somit gab es nun einen Ort, doch die Herkulesaufgabe stand noch bevor. 1,5 Tage sind normalerweise notwendig, um das Equipment im Übertragungszentrum aufzubauen. In fünf oder sechs Stunden ist es wieder abgebaut - das war diesmal jedoch zu viel.

Sportwart in Suzuka im Regen 2017

Es war nicht das erste Mal, dass das Suzuka-Qualifying verschoben wurde

Foto: Motorsport Images

"Freitagnachmittag um 16 Uhr haben wir mit dem Abbau begonnen - und alle waren dabei", erklärt James. "Wir hatten ein fantastisches Team, und jeder wusste, was er zu tun hat."

Innerhalb von zweieinhalb Stunden sei das ganze Material abgebaut gewesen, anschließend musste man es in die Garage schaffen und verkabeln. "Zwischen dem Abschalten ganz oben und dem Anschalten in der Garage waren achteinhalb Stunden vergangen - unglaublich. Das war nur dank der Leute möglich, die genau wussten, was sie tun mussten."

Technikchef: "Bitte nicht nochmal"

Eigentlich hatte man erwartet, am Samstag gegen 10 Uhr morgens fertig zu sein. Getan war die Arbeit aber schon um 3:30 Uhr - inklusive dem Errichten einiger provisorischer Klimaanlagen, damit sichergestellt wird, dass die Temperaturen in der Garage nicht zu heiß werden.

 

Als klar war, dass alles funktioniert, wurden die Systeme heruntergefahren und die Garage für den Taifun versiegelt. 5 Uhr am Sonntag fuhr die Crew die Systeme wieder hoch und durchlief um 8 Uhr die Check-Abläufe. Somit war man für den Qualifying-Start um 10 Uhr gerüstet.

Dass die Fans zuhause davon nichts mitbekommen haben, ist für das Team ein großer Erfolg. Und obwohl man gezeigt hat, mit welcher Geschwindigkeit man arbeiten kann, soll das für James nicht zur Gewohnheit werden: "Ich habe Chase (Carey; Anm. d. Red.) das am Sonntagmorgen erzählt", lacht James. "Er sagte: 'Gut gemacht!' Und ich antwortete: 'Aber bitte erwartet nicht, dass wir das bei jedem Rennen machen.'"

Mit Bildmaterial von LAT.

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Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Event Suzuka
Autor Norman Fischer