Formel-1-Technik mit Giorgio Piola
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Formel-1-Technik mit Giorgio Piola

Dieses Update machte Mercedes in Barcelona so schnell

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Dieses Update machte Mercedes in Barcelona so schnell
Autor: Dominik Sharaf
21.05.2018, 13:31

Formel-1-Technik erklärt: Ein von Sauber kopiertes Flügelchen an der Vorderradaufhängung und ein neues Heckflügel-Element könnten den Aufschwung gebracht haben

Die Mercedes-Mannschaft hat mit dem jüngsten Update für ihren aktuellen Formel-1-Boliden W09 offenbar einen gewaltigen Schritt nach vorne unternommen. Im Fokus standen bei den anlässlich des Spanien-Grand-Prix eingeführten Neuerungen die Vorderradaufhängung und der Heckflügel.

Eine kleine, möglicherweise aber sehr wichtige Verbesserung des Silberpfeils war eine Lösung, die zuvor schon bei Sauber zu beobachten gewesen ist. Es geht um einen Windabweiser an der Innenseite des Vorderrades – also an der Stelle, an der die Querlenker mit dem Rad verbunden sind.

 

Mercedes F1 W09 Fronz suspension wing compare to Sauber C37
Mercedes F1 W09 Fronz suspension wing compare to Sauber C37

Foto Giorgio Piola

 

Die Schweizer nutzen einen oberen Querlenker, der höher liegt als sonst üblich. Das ist aerodynamisch vorteilhaft, weil die Luft so besser in Richtung Seitenkästen und Heck geführt werden kann. Um trotzdem eine Verbindung mit dem Rad herzustellen, gibt es einen Arm an der Aufhängung.

Nichts Neues, denn die Technik wurde bereits 2017 von Mercedes und Toro Rosso eingeführt. Ein Unikum des Sauber C37 war bis zum Rennen in Barcelona aber, dass das Auto an der Stelle, wo der Querlenker abknickt, über einen leicht gebogenen und relative großen Kohlefaser-Abweiser verfügt.

Er führt die Luft um die obere innere Ecke des Reifens und beruhigt so Turbulenzen. Mercedes kupferte den Trick für sein Spanien-Update ab – und das völlig legal, denn das Technische Formel-1-Reglement erlaubt solche Flügelchen in einem bestimmten Bereich um die Bremsschächte herum.

 

Mercedes F1 W09 rear wing Azerbaijan GP and Spanish GP
Mercedes F1 W09 rear wing Azerbaijan GP and Spanish GP

Foto Giorgio Piola

 

Auch beim Heckflügel legten die Designer in Brackley Hand an. Statt mit einem auf der kompletten Länge gebogenen unteren Element (wie noch in Aserbaidschan) war der W09 auf dem Circuit de Catalunya mit einer fast geraden Version unterwegs. Es handelt sich wohl eine streckenspezifische Maßnahme, schließlich verlangt der Kurs in Baku wesentlich weniger Abtrieb als der in Barcelona.

Dennoch handelt es sich um ein cleveres Design, denn die äußeren Enden des unteren Heckflügel-Elements sind aerodynamisch relativ ineffizient. Umso lohnenswerter war es in Aserbaidschan für Mercedes, an diesem Punkt Luftwiderstand einzusparen und nicht an einer anderen Stelle.

Dass das obere Element in Barcelona weniger bauchig war als in Baku und das untere Element üppiger, hatte mit dem DRS zu tun. So schmiegt sich der Luftstrom besser an, wenn es deaktiviert wird. Der Wagen reagiert also weniger nervös, was auf Kursen, auf denen mit viel Abtrieb gefahren wird, immer ein größeres Problem ist als auf Bahnen mit vielen Hochgeschwindigkeits-Passagen.

Gary Anderson, Giorgio Piola und Matt Somerfield haben zu diesem Artikel beigetragen.

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Autor Dominik Sharaf
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