"Empfindlicher": Darum hatte Max Verstappen im Mexiko-Quali Probleme

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Autor: Maria Reyer
Co-Autor: Adam Cooper
31.10.2018, 15:11

Red-Bull-Teamchef Christian Horner erklärt, warum Max Verstappen im Mexiko-Qualifying größere Probleme als Daniel Ricciardo hatte - "Wie Sebastian Vettel"

Max Verstappen konnte seine Enttäuschung und seinen Ärger nach dem Qualifying in Mexiko nicht verbergen. Der Frust saß zu tief, denn Teamkollege Daniel Ricciardo schnappte ihm die Pole-Position um 0,026 Sekunden weg. Er hat eine seiner bislang größten Chancen auf den Titel des jüngsten Polesetters aller Zeiten nicht genutzt. Dabei spielte ein technisches Problem eine Rolle, das vor allem dem Niederländer zum Verhängnis wurde.

"Ich hatte wieder das gleiche Problem wie am Freitagnachmittag. Die Motorbremse war nicht so, wie ich sie wollte, und deshalb haben die Räder blockiert." Aber: "Ich hatte gehofft, dass es trotz all der Probleme reichen wird", schilderte Verstappen sehr frustriert. "Man konnte sehen, dass er ziemlich verärgert war", weiß Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Der Brite meint, Verstappen habe einfach nicht den besten zweiten Versuch in Q3 gezeigt. Gleichzeitig gelang Daniel Ricciardo eine Fabelrunde.

"Er hat mir verraten, dass er nur drei Stunden geschlafen hat. Er musste einfach so viel darüber nachdenken", verrät der Brite. Verstappen war kaum zu beruhigen und konnte die knappe Niederlage gegen seinen Teamkollegen zunächst nicht so einfach wegstecken. Auch Vater Jos Verstappen schaffte es kaum, seinen Sohn zu beruhigen, wie er im niederländischen Fernsehen erzählte. "Ich war auch nicht gerade glücklich, aber ich habe mit ihm vor dem Schlafengehen gesprochen. Ich habe versucht, ihn etwas zu besänftigen."

Verstappen "wie Vettel" empfindlicher am Kurveneingang

Verstappen sei vor allem verärgert gewesen über die Probleme mit dem Red Bull. Schon am Samstagvormittag im dritten Freien Training musste er sich mit blockierenden Rädern beim Herunterschalten plagen. Dieses Problem bekam er auch mit verschiedenen Bremsbalance-Einstellungen nicht in den Griff, daher zog es sich bis durch das Qualifying.

"Ich denke, diese Merkmale gibt es an beiden Autos. Max ist empfindlicher beim Kurveneingang", versucht Horner zu erklären, warum vor allem Verstappen damit große Probleme hatte, während Ricciardo das Problem nicht behinderte. Verstappen würde mit mehr Schwung in die Kurve fahren, wodurch er davon besonders arg behindert wurde. Sein Fahrstil hinderte ihn also maßgeblich daran, das Problem, das beide Red Bull betraf, zu umfahren.

"Es geht darum, wie sich das Gas während des Herunterschaltens dosieren lässt", so Horner. Verstappen habe es nicht zustande gebracht, genau zum richtigen Zeitpunkt den Gang zu wechseln und dabei genügend Drehmoment zu haben. "Das ist ein Mapping-Problem. Aber weil er so viel Speed in die Kurve mitnimmt, ist er da immer etwas empfindlicher als Daniel, wie schon Sebastian Vettel. Wenn er nicht das bekommt, was er erwartet, dann beunruhigt das ihn und das Auto."

Ein verärgerter Verstappen, ist ein schneller Verstappen

Diese Unruhe war schließlich für den Rückstand von 0,026 Sekunden im Ziel verantwortlich. "Er war sehr verärgert, weil das Auto Probleme machte", bestätigt Vater Verstappen. "Pole-Position ist zwar schön und gut, aber der Sieg ist viel wichtiger", richtete er dem Sohnemann aus. "Am Sonntagmorgen hat er mir gleich gesagt, dass er sehr schlecht geschlafen hat. Er war irritiert, weil er die Pole so knapp verpasst hat. Er war sehr aufgewühlt und wollte nur eines: das Rennen gewinnen."

Den Ärger wandelte Verstappen am Rennsonntag in positive Energie um, er ging in den Angriffsmodus. "Von jenem Moment an, als er am Sonntagmorgen aufgekreuzt ist, wusste man schon, dass nur ein Kerl als Erster in die erste Kurve biegen wird", schildert Horner Verstappens Entschlossenheit. "Sein Start war toll." Verstappen konnte sich gegen Lewis Hamilton durchsetzen und als Führender in die erste Runde gehen.

"Man konnte sehen, dass Hamilton in der Bremszone vorn war, daher musste ihn Max effektiv wieder zurücküberholen. Das war aber so ein Tag, an dem Hamilton nicht allzu viel Risiko eingehen würde - speziell mit Verstappen auf der Innenbahn. Sobald er als Führender aus den ersten Kurven kam, hatte er alles brillant unter Kontrolle", ist der Red-Bull-Teamchef entzückt.

"Ich habe Nachrichten von meiner Schwester und Tochter erhalten, in denen sie meinten: 'Hoffentlich stellt er nichts Verrücktes an'", verrät Jos Verstappen nach dem Rennen. "Aber es ist eigentlich immer so, dass Max nur noch schneller wird, wenn er verärgert ist." Vater Verstappen glaubt sogar, dass der zweite Startplatz am Ende der bessere war. "Es war gut, dass er vom zweiten Platz gestartet ist. Max wäre auf der Außenseite von Hamilton gewesen, wäre er von der Pole gestartet. Also hat alles sehr gut funktioniert."

Horner lobt außerdem das Reifenmanagement seines Schützlings. Der zweite Boxenstopp war als Antwort auf Hamilton und Vettel gedacht, eine reine Sicherheitsmaßnahme. "Theoretisch hätte er aber auch durchfahren können bis zum Ende." Im Ziel hatte er schließlich 17 Sekunden Vorsprung auf Sebastian Vettel.

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