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Erster dunkelhäutiger F1-Pilot: "Ich habe Morddrohungen erhalten!"

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Erster dunkelhäutiger F1-Pilot: "Ich habe Morddrohungen erhalten!"
Autor:
23.07.2020, 13:09

Willy T. Ribbs durfte als erster dunkelhäutiger Pilot ein Formel-1-Auto testen und zeigt sich vom Engagement Lewis Hamiltons beeindruckt

Das Thema Diversität ist nicht nur im Motorsport gerade groß im Thema. Die BlackLivesMatter-Bewegung ist nicht nur in allen Medien zu sehen, sondern wird auch durch Lewis Hamilton und Mercedes vorgelebt. Hamilton gilt als erster dunkelhäutiger Fahrer in der Formel 1, doch ein anderer Pilot kam ihm bereits gut 20 Jahre zuvor: Willy T. Ribbs.

Der US-Amerikaner durfte 1986 für Bernie Ecclestones Brabham-Team in Estoril testen und ist begeistert vom Engagement Hamiltons: "Ich finde es fabelhaft, was dieser junge Mann macht", sagt Ribbs im Podcast 'Beyond The Grid'.

Denn Hamilton mache sich für sein Anliegen stark - etwas, das viele Sportler in den USA nicht machen würden. Aus Angst, dass sie dadurch ihren kommerziellen Wert und somit Geld verlieren könnten. "Aber Lewis geht dieses Risiko ein. Und auch die anderen Fahrer in der Formel 1, diese jungen Fahrer, werden erwachsen. Sie werden erwachsen und tun das Richtige."

Dass auch die anderen Fahrer Kante zeigen, macht Ribbs stolz. "Ich bin stolz auf die Formel 1", sagt er. Denn seine eigene Karriere im Motorsport war dank seiner Hautfarbe nicht die leichteste. "Jeder, der das Gegenteil behauptet, lügt."

Belustigt über Drohbriefe

Ribbs wurde ausgegrenzt und sagt, dass ihm aufgrund seiner Hautfarbe Cockpits verwehrt wurden. "Absolut. Es gibt Fahrer, die nach England gegangen sind und dort eine Chance bekommen haben. Chancen, die ich nicht bekommen habe. Das ist ein Fakt. Aber ich habe nicht aufgehört. Ich habe weitergemacht."

Willy Ribbs mit Gordon Murray und Herbie Blash bei Brabham

Willy Ribbs mit Gordon Murray und Herbie Blash bei Brabham

Foto: Motorsport Images

Der Amerikaner wollte das tun, was er für sein Recht und sein Ziel hielt - trotz aller Umstände. Ribbs erhielt sogar Morddrohungen, vor allem als er in die NASCAR-Serie einsteigen wollte. "Ich bekam Briefe und Anrufe", erzählt er.

Die Briefe hätten ihn aber immer eher amüsiert, weil die Rechtschreibung eine Katastrophe war. "Sie konnten keine Sätze schreiben, aber sie konnten das N-Wort richtig buchstabieren. Das N-Wort haben sie immer richtig hinbekommen. Aber 'kill ya' wurde nur mit einem L geschrieben - es stecken aber zwei L im Wort 'kill'!"

Trotz Rassismus-Aussagen: Ribbs "liebt" Ecclestone

Ein Mann gab Ribbs aber damals sogar eine Chance in der Formel 1: Bernie Ecclestone. Der damalige Brabham-Teamchef ließ ihn in Estoril einen seiner Boliden testen und wollte ihn in die Formel 1 bringen. Sponsorenwünsche, die italienische Fahrer sehen wollten, sprachen aber dagegen. "Bernie hat den Wert von Vielfalt in der Formel 1 gesehen", behauptet Ribbs heute.

Vor kurzem sorgte der 89-Jährige jedoch mit einem umstrittenen Interview für Aufsehen, als er meinte, dass Schwarze in vielen Fällen rassistischer seien als Weiße, was Hamilton als "ignorant und ungebildet" zurückwies.

Lewis Hamilton, Bernie Ecclestone

Bernie Ecclestone sorgte jüngst für kontroverse Aussagen

Foto: LAT

"Ach Onkel Bernie, ich liebe ihn", sieht Ribbs die Aussagen des ehemaligen Formel-1-Bosses nicht so schlimm. Er glaubt, dass Ecclestone lediglich ein paar Begriffe durcheinandergebracht habe, und will ihm den Unterschied erklären: "Nein, Onkel Bernie, Schwarze entwickeln Hass, keinen Rassismus. Rassismus sorgt für Hass."

Die Formel 1 hatte sich nach Ecclestones Interview von seinen Aussagen distanziert und betont, dass der Brite keine Rolle mehr in der Serie spiele. In Sachen Diversität ist die Königsklasse für Ribbs ohnehin vorne dabei - zumindest im Vergleich zu seiner Heimat. "Die Formel 1 ist allem, was Amerika im Moment macht, Lichtjahre voraus. Lichtjahre", betont er.

Nichts geändert in Amerika ...

Denn seit er 1990 erfolgreich in der IndyCar-World-Serie debütierte und es auch ins Feld des Indy-500-Rennen schaffte, habe sich nichts verändert. Überhaupt nichts. Die Formel 1 habe das Problem dank Lewis Hamilton bei den Hörnern gepackt, der Rest sei alles Trittbrettfahrer, meint Ribbs.

Willy T. Ribbs

Ribbs hat seine eigenen Ansichten über Rassismus in den USA

Foto: Motorsport Images

"Die Jungs hier drüben, speziell in der IndyCar-Serie, können groß drüber reden. Wie ein Typ in einer Bar, der ein Mädel trifft und mit seiner Männlichkeit prahlt - und später findet sie heraus, dass er doch einen Kurzen hat", zieht er den Vergleich.

Einen kuriosen Vorfall hatte es jüngst in der NASCAR-Serie gegeben. In der Box des dunkelhäutigen Fahrers Bubba Wallace wurde in Talladega ein Strick mit einer Schlinge gefunden. Sofort wurde ein Rassismus-Skandal vermutet, das FBI eingeschaltet, Statements veröffentlicht und Wallace beim Rennen in den Mittelpunkt aller Solidarisierung gestellt.

Lewis Hamilton gute Möglichkeit für die Formel 1

Im Nachhinein wurde jedoch festgestellt, dass der Strick schon im Vorjahr dort hing und es kein Verbrechen gegeben hatte. Laut Ribbs hätten Fahrer wie Hamilton und Wallace keine Ahnung, wie schwierig es zu seiner Zeit gewesen sei: "Lewis hat viel Gegenwind bekommen, aber keine Morddrohungen erhalten", sagt er.

 

Dennoch könne Hamilton heutzutage wirklich etwas verändern. Dass ein Fahrer mit dunkler Hautfarbe den Sport dominiert, sei eine großartige Möglichkeit, findet Ribbs, und vergleicht es mit dem Golfsport, der durch Tiger Woods zu neuer Berühmtheit gelangen konnte. "Erst mit Tiger Woods wurde er richtig groß. Und das hat die Formel 1 mit Lewis erfahren."

Und das Momentum müsse sie beibehalten - auch was andere Ethnizitäten angeht. "Holt den nächsten Lewis Hamilton", fordert Ribbs. "Die Formel 1 hat Fahrer aus der ganzen Welt. Die Formel 1 sieht fortschrittlich aus. Das hat kein anderer Sport, auch wenn NASCAR Bubba Wallace hat. Aber ist Bubbs nur für die Show da oder für den Sport? Lewis ist es in der Formel 1 für den Sport."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Rennserie Formel 1
Autor Norman Fischer