F1 Australien 2022: Was sich im Albert Park in Melbourne geändert hat

Die Formel 1 wird 2022 auf einem abgeänderten Albert Park Street Circuit in Melbourne antreten - Was sich auf der Strecke geändert hat und warum

F1 Australien 2022: Was sich im Albert Park in Melbourne geändert hat

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert ist Melbourne Austragungsort des Australien-Grand-Prix der Formel 1, oftmals als Saisonauftakt. Der Albert Park Street Circuit ist während dieser Zeit durchgängig in unveränderter Form Austragungsort gewesen - bis jetzt.

Nach langen Diskussionen über statische Rennen und fehlende Überholmöglichkeiten auf der Strecke hat die Australien Grand Prix Corporation endlich reagiert. Es gibt ein neues, überholfreundlicheres Layout, einen neuen Streckenbelag und eine breitere und bessere Boxengasse.

Was hat sich im Albert Park verändert?

Kurve 1

Die erste Kurve im Albert Park, ein absoluter Unfall-Hotspot vor allem beim Start, wurde in Fahrtrichtung rechts um zweieinhalb Meter verbreitert. Der Plan ist, den Trichtereffekt zu minimieren, wenn viele Autos auf ein schmales nutzbares Streckenband treffen. Es sollte nun leichter sein, Seite an Seite zu fahren.

Kurve 3

Die bisher beste Stelle zum Überholen hat ein neues Profil erhalten. In Fahrtrichtung rechts um vier Meter verbreitert, außerdem wurde die Rechtskurve auch leicht überhöht. Dadurch sollten mehr Linien möglich sein. Es könnte sogar passieren, dass sich der Scheitelpunkt leicht nach hinten verschiebt. Dadurch wäre ein "Reinstechen" noch ein kleines bisschen länger möglich als zuvor.

Kurve 6

Der einst etwas seltsame Rechtsknick, Teil einer Schikane, ist einer signifikanten Änderung unterzogen worden. Die Kurve wurde mehr als siebeneinhalb Meter nach rechts verbreitert. Was vorher eine harte Bremsschikane gewesen ist, ist jetzt eher ein Rechtsknick, der 70 km/h schneller durchfahren wird.

Kurve 9/10

Die frühere Schikane ist komplett verschwunden. Stattdessen ist ein Vollgasstück entstanden, das von Kurve 6 bis zur schnellen Schikane reicht, die früher einmal Kurve 11/12 gewesen ist, aber nun zu Kurve 9/10 wird. Es werden Geschwindigkeiten von bis zu 330 km/h erwartet, beim Einlenken herrschen monströse 5,4g. Das Vollgasstück wird auch als DRS-Zone genutzt werden.

Kurve 11

Nach einem langen, beinahe ununterbrochenen Ballerstück ab Kurve 6 ist Kurve 11 jetzt die Überholstelle schlechthin. Auch diese Kurve wurde nach innen verbreitert, in diesem Fall um drei Meter. Auch sie wurde leicht überhöht, um die Anzahl möglicher Linien zu erhöhen, was wiederum beim Überholen hilft.

Kurve 13

Die vorletzte Kurve ist ebenfalls innen verbreitert worden, um ein Verteidigen der Position zu erschweren.

Boxengasse

Die Boxengasse ist zwei Meter breiter als zuvor. Das wurde erreicht, indem die Boxenmauer zur Strecke hin verschoben wurde. Der kleine Grasstreifen ist verschwunden, die Mauer steht nun direkt an der Strecke dran. Unter Vorbehalt der FIA-Abnahme ist geplant, das Tempolimit in der Boxengasse von 60 auf 80 km/h zu erhöhen. Damit könnte sich eine größere Zahl möglicher Strategien ergeben.

Neuasphaltierung

Die gesamte Strecke hat eine neue Asphaltdecke erhalten. Das war dringend nötig, denn der Originalasphalt wurde seit seiner Verlegung im Jahr 1995 nicht angerührt. Da die Strecke an 51 Wochen im Jahr für den Verkehr freigegeben ist, wurde sie über 27 Jahre entsprechend abgenutzt.

Warum wurden die Änderungen vorgenommen?

Änderungen am Albert Park Circuit wurden bereits seit einigen Jahren diskutiert. Teamchefs und Fahrer haben das Layout als altbacken kritisiert - besonders, als die Autos ab 2017 schneller wurden.

Die Streckenführung, die noch aus einer Zeit stammt, als zahlreiche Strecken durch immer engere Schikanen vermeintlich sicherer gemacht wurden, generierte lange Zeit keine allzu spannenden Rennen. "Single File"-Racing war angesagt. Kurze, mit Bodenwellen versehene Bremszonen machten das Überholen noch schwieriger.

Im Jahr 2017 begann die Australian Grand Prix Corporation, sich des Themas anzunehmen. Eine tiefgreifende Analyse wurde gestartet. Der Plan damals sah bereits ähnliche Veränderungen vor, die letztlich umgesetzt worden sind, etwa eine lange Gerade auf der Nordseite des Sees.

Damals wäre allerdings die spektakuläre, schnelle Schikane (damals Kurve 11/12, jetzt 9/10) durch eine enge Bremsschikane ersetzt worden, um eine längere Bremszone für Überholmanöver zu schaffen. Der Plan wurde über Bord geworfen, weil die AGPC keinen ausreichenden Mehrwert sah, der die Beeinträchtigung des Straßenverkehrs rechtfertigen würde.

Die Kritik riss jedoch nicht ab. Die Fahrer machten weiter Druck und so wurde im Jahr darauf erneut eine Idee serviert. Schließlich entschloss sich die AGPC, dass die dringend erforderliche Neuasphaltierung in Angriff genommen werden soll. Das ist an und für sich bereits eine erhebliche Einschränkung des Verkehrs. Gleichzeitig war man offen für Modifikationen der Streckenführung.

Die unfreiwillige Pause durch die Pandemie wurde genutzt, um die Pläne voranzubringen. Mehrere Formel-1-Fahrer wurden herangezogen, um bei den Plänen zu helfen. Schließlich einigte man sich auf ein Layout und im Frühjahr 2021 begannen die Arbeiten.

Bauarbeiten an Kure 6 des Albert Park Circuits in Melbourne

Bauarbeiten an Kure 6 des Albert Park Circuits in Melbourne

Foto: Australian Grand Prix Corporation

In der ersten Phase wurde die Boxengasse um zwei Meter verbreitert. Die Boxenmauer wanderte direkt an den Asphalt heran, wo vorher die Wiese gelegen hatte. In der zweiten Phase begannen die generellen Verbreiterungsarbeiten an den verschiedenen Kurven. Die dritte und letzte Phase war die komplette Neuasphaltierung, die Anfang 2022 beendet wurde.

Wird das Racing dadurch besser?

Die Änderungen an der Streckenführung des Albert Park Circuits zielen explizit darauf ab, bessere Überholmöglichkeiten zu generieren. Kurve 1 mag kein Überhol-Hotspot werden. Aber der breitere Eingang vermeidet, dass nur eine Linie funktioniert.

So haben die Fahrer eine bessere Chance, sich in den Windschatten zu klemmen und in Kurve 3 zu attackieren. Dort zu überholen, wird durch den vier Meter breiteren Kurveneingang in Kurve 3 ermöglicht. Die Überhöhung schafft zudem mehr Grip in der Mitte der Kurve.

Theoretisch bedeutet das Wegfallen der Schikane an der alten Kurve 9/10 auch den Verlust einer Überholmöglichkeit. In der Praxis haben sich aber nie wirklich Überholmanöver an dieser Stelle ergeben. Daher wurde diese Schikane für die neue Überholmöglichkeit schlechthin geopfert, Kurve 11.

Die Boliden werden ab Kurve 6 durch die schnelle Links-Rechts (Kurve 9/10) hinweg Tempo aufbauen und dann vor Kurve 11 eine lange Bremszone vor sich haben. Die Strecke ist hier breiter und überhöhter als je zuvor. Das ermöglicht verschiedene Linien. Somit können die Fahrer beim Überholen kreativer werden.

Sollte der Plan aufgehen, das Tempolimit in der Boxengasse zu erhöhen, könnten durch die reduzierte Durchfahrtsdauer auch mehr strategische Optionen für die Teams entstehen. Außerdem wird durch die neue Streckenführung die Rundenzeit in den Simulationen um fünf Sekunden schneller.

Mit Bildmaterial von Australian Grand Prix Corporation.

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