Neue Fahrerpräsentation vor F1-Start: Begeisterung, Bedenken, Kritik

Die Art und Weise, wie die Formel-1-Piloten beim Grand Prix der USA in Austin dem Publikum präsentiert wurden, erntet von Fahrern und Teamchefs Lob und Bedenken.

Die Formel 1 beschritt am vergangenen Wochenende neue Wege. Die Rede ist nicht von neuer Technik oder neuen sportlichen Regeln, sondern von der Art und Weise, wie die Fahrer vor dem Grand Prix der USA in Austin vorgestellt wurden. Im Stil, wie es bei großen NASCAR-Rennen seit Jahren gang und gebe ist, liefen die Formel-1-Piloten durch Nebelschwaden wie Gladiatoren ein, um sich den auf der Haupttribüne sitzenden Fans zu präsentieren.

Begleitet wurde der Einlauf von Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Co. in Austin von der markanten Stimme des Boxansagers Michael Buffer. Der schickte freilich nicht zum ersten Mal Rennfahrer in den "Ring". Auch beim einen oder anderen NASCAR-Rennen bekleidete Buffer diese Rolle bereits, zuletzt im August dieses Jahres in Bristol.

Begeisterung bei Hamilton

Wie aber kam die für die Formel 1 neue Art der Fahrerpräsentation bei den Beteiligten an? "Ich finde, es war unglaublich", zeigt sich Lewis Hamilton begeistert und schwärmt: "Es war wie beim Super Bowl. Das war mit der Band und allem drum und dran die beste Unterhaltung, die ich je erlebt habe. Ich finde, die ganze Aufmachung war einfach großartig, weil es einfach etwas anderes war."

Bildergalerie: Grand Prix der USA in Austin

"Jahrelang war der Ablauf immer der gleiche", bemerkt Hamilton, um zu unterstreichen, dass er selbst in der Formel 1 bis zum Austin-Wochenende nie etwas anderes erlebt hat: "Über alle zehn Jahre war es in der Startaufstellung immer der gleiche langweilige Ablauf. Das jetzt erinnerte mehr an ein NFL-Spiel und es war aufregend mit dem Feuerwerk und allem. Ich finde, es wurde ein toller Job gemacht."

War die Show zu langatmig?

Der einzige Negativaspekt, der Hamilton aufgefallen ist: "Das Warten hinter der Bühne, bis alle nach draußen getreten waren, war schon recht lang." Doch insgesamt unterstreicht der Formel-1-Titelfavorit 2017: "Es hat länger gedauert als sonst, aber ich fand nicht, dass es eine Ablenkung war. Nachdem wir von der Parade zurückkamen hatten wir weniger Zeit für die Vorbereitung, aber ich konnte mich trotzdem noch vorbereiten. Ich finde, es war großartig. Ehrlich gesagt fand ich, dass es der beste Beginn eines Grands Prix war, den ich je erlebt habe."

Sebastian Vettel klingt da deutlich kühler. "Ich denke, für die Leute mag es toll gewesen sein, wenn sie so etwas mögen. Es ist eine nette Idee. Mich selbst kümmert das aber nicht, um ehrlich zu sein. Ich springe lieber ins Auto und fahre Rennen. Ich bin kein großer Showman."

Und was sagt "Iceman" Kimi Räikkönen zur pompösen Art, wie er und seine Kollegen vorgestellt wurden? "Mir macht das nichts aus, solange es zur richtigen Zeit am richtigen Ort passiert. Normalerweise müssen wir ganz schön herumrennen. Das ist sonntags natürlich nicht gerade ideal. Solange so etwas funktioniert, ist es nett. Es ist mal etwas anderes. Ich denke aber, jeder kennt mich und weiß, wie ich es handhaben würde."

Kritik von Alonso, Bedenken von Vettel

Fernando Alonso geht sogar soweit, zu sagen, dass die Fahrerpräsentation am Sonntag in Austin eine "schlechte Kopie" der traditionellen Fahrerpräsentation vor dem Indy 500 war. Indes sieht es Daniil Kwjat nicht ganz so eng. "Ich fand es recht cool. Die Bosse der Rennserie wissen natürlich besser als ich, was man tun sollte, aber ich fand es recht farbenfroh. Warum nicht?"

Und auch Niki Lauda schwärmt. "Sehr gut! Sicherlich muss die Formel 1 mehr für das Drumherum tun. Das war jetzt mal der erste Versuch. Es war die amerikanische Art. Ich finde, das war okay. Da spricht nichts dagegen", meint der dreimalige Weltmeister und heutige Aufsichtsratsvorsitzende des Mercedes-Teams, um zu unterstreichen: "Es komme neue Ideen in Spiel. Das gefällt mir."

Ob die amerikanische Art der Fahrervorstellung aber auch bei anderen Rennen im Formel-1-Kalender funktionieren würde? "Ich glaube nicht", sagt Vettel sofort, um auszuführen, dass so etwas beim Grand Prix von Deutschland wohl nicht funktionieren würde: "Ich denke, die Deutschen sind schwer zu begeistern... Ich glaube, die Amerikaner wissen diese Art der Stimmung und der Unterhaltung viel mehr zu schätzen. Ich denke, die Deutschen sind diesbezüglich etwas langsamer."

Teamchefs offen für neue Wege

Red-Bull-Teamchef Christian Horner klingt ganz ähnlich wie Vettel. Auch er äußert Bedenken, ob der Grand Prix der USA 2017 in diesem Aspekt als Vorreiter für andere Rennen herhalten kann. "Das ist Amerika, nicht wahr? Wir haben es mittlerweile mit neuen (Formel-1-)Besitzern zu tun. Also müssen wir bereit sein, neue Dinge auszuprobieren. Wenn das die Leute anspricht, warum nicht? Ich glaube aber nicht, dass es jedermanns Sache ist. Ich kann mir beispielsweise nicht vorstellen, dass so etwas in Silverstone funktionieren würde." Dennoch bezeichnet Horner den Ablauf am Sonntag als "interessant".

Und auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff findet, dass eine offene Einstellung der Weg zum Ziel ist. "Ich finde, es ist immer einfach, neue Dinge zu kritisieren. Wir müssen auch Veränderungen begrüßen. Wir haben eine tolle Show und ein tolles Produkt und müssen neue Dinge ausprobieren. Was in Austin gemacht wurde, war richtig gut und hat richtig gut gepasst."

"Es waren so viele Promis da, die die Formel 1 genossen haben. Es waren Michael Buffer und die Bands und alles da. Das hat richtig gut zu Austin gepasst", so Wolff und weiter: "Ich finde, es war ein Erfolg. Ob das bei jedem Rennen funktioniert? Wahrscheinlich nicht." Der Vorschlag des Mercedes-Motorsportchefs: "Wir müssen herausfinden, was im jeweiligen Land funktioniert und müssen das einbeziehen."

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Über diesen Artikel
Rennserien Formel 1
Veranstaltung Austin
Rennstrecke Circuit of the Americas
Artikelsorte News
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