F1-Marketingboss: Deutschland nicht bereit für Free-TV-Verlust

Laut Formel-1-Marketingchef Sean Bratches ist Deutschland noch nicht so weit, dass man die Serie aus dem Free-TV verabschieden kann - Neue Ideen für die Zukunft

Etwas überraschend hatte RTL kurz vor Weihnachten bekanntgegeben, dass die Formel 1 auch in den kommenden drei Jahren im Free-TV zu sehen sein wird - und zwar alle Rennen. Eigentlich hatte Formel-1-Eigentümer Liberty Media ein System vorgesehen, bei dem nur ausgewählte Grands Prix frei empfangbar sein würden. Doch Marketingchef Sean Bratches erklärt, wieso man sich dagegen entschied, die Serie in Deutschland ins Bezahlfernsehen zu verbannen.

"Wir wissen, dass Deutschland ein kritischer Markt ist. Er ist noch nicht so weit, dass wir uns vom Free-TV lossagen können", sagt er gegenüber 'auto motor und sport'. Damit nimmt man mittlerweile eine Sonderstellung ein: In Großbritannien ist die Formel 1 schon längst nicht mehr vollkommen frei empfangbar und soll bald sogar ganz ins Pay-TV verschwinden. Auch in Frankreich und Italien sind lediglich einzelne Events für alle Fans zu sehen.

Deutsche Fans haben somit Glück. "Ich wurde in Berlin geboren und ein Großteil meiner Familie lebt in Deutschland. Mein Onkel ist ein begeisterter Formel-1-Fan. Er wäre ziemlich sauer mit mir, wenn wir da zu weit gegangen wären", lacht Bratches über den neuen Deal mit RTL.

Ein solches Modell ist jedoch in Zukunft kaum mehr vorstellbar. Schon jetzt verlagert die Formel 1 mehr Inhalte auf digitale Plattformen und möchte dies schon zeitnah weiter ausbauen, wie Bratches verrät: "Die Fans können keine exklusiven Inhalte herunterladen. Das wird sich ändern", verspricht er und kündigt direkte Streaming-Angebote an.

"Die Fans werden dann Zugriff auf Daten direkt von den Autos bekommen. 120 Sensoren übermitteln uns jede Sekunde 1.500 Datensätze. Wir werden daraus 30 bis 50 Daten herausfiltern. Ein Teil davon wird für normale Zuschauer interessant sein, der andere nur für die Hardcore-Fans", erklärt er. "Der eine wird frei verfügbar sein, der andere für die Freaks kommt hinter eine Zahlschranke. Und wir werden die Daten grafisch interessant aufbereiten und maßschneidern."

Dass er damit den TV-Stationen Konkurrenz machen dürfte, ist Bratches dabei bewusst, doch er ist überzeugt, dass der Markt beides vertragen kann. Außerdem möchte man den Sendeanstalten weiter unter die Arme greifen und schon 2018 ein besseres Produkt liefern, was die Übertragung angeht - zum Beispiel möchte man virtuelle Darstellungen anbieten, wo sich die Autos auf der Strecke befinden.

Desweiteren plant man spezielle TV-Inhalte, die für den jeweiligen Zielgruppenmarkt interessant sind. "Wenn ich in den USA einen Grand Prix anschaue, dann werden Geschwindigkeiten in km/h statt mph oder die Benzinmenge in Liter statt Gallonen angezeigt. Das sagt mir nichts", meint er. "Also bekommen Engländer und Amerikaner in Zukunft ihre Gallonen und Meilen. Wir hoffen, dass der Sport damit populärer wird und die TV-Sender ihr Programm besser vermarkten können."

 
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