Formel 1 2017: Mercedes fühlt sich nicht als WM-Favorit

Nach der Demonstration beim Großen Preis von Italien fragt sich die Formel 1: War Mercedes' Glanzleistung eine Eintagsfliege oder haben die Silberpfeile nach Spa ein Wundermittel für Performance entdeckt? Toto Wolff rechnet mit Antriebsstrafen.

Formel 1 2017: Mercedes fühlt sich nicht als WM-Favorit
Sieger Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W08, 2. Valtteri Bottas, Mercedes AMG F1 W08
1. Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1, 2. Valtteri Bottas, Mercedes AMG F1, feiern mit Team
Valtteri Bottas, Mercedes AMG F1 W08, Lance Stroll, Williams FW40
Start des Rennens: Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W08, Esteban Ocon, Sahara Force India F1 VJM10, L
Podium: Sieger Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1, fotografiert die Fans
Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W08, Boxenstopp
Sieger Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1, feiert mit dem Team
Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W08, überquert die Ziellinie
Pressekonferenz: Sieger Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1, 2. Valtteri Bottas, Mercedes AMG F1
Kimi Raikkonen, Ferrari SF70H, Valtteri Bottas, Mercedes AMG F1 W08
Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W08
Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1
Toto Wolff, Mercedes-Motorsportchef
Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W08
Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1, nach der 69. Pole-Position

Der Italien-Grand-Prix erlebte Mercedes dominant wie eh und je. Die Leistung in Monza mitsamt des gigantischen Vorsprungs auf Ferrari wiegt die Silberpfeile jedoch genauso wenig in Sicherheit wie der Wechsel an der Tabellenspitze der Fahrerwertung. Ganz im Gegenteil: Sportchef Toto Wolff macht sich nichts daraus, dass der neue Führende Lewis Hamilton heißt: "Der aktuelle WM-Stand ist nicht so wichtig. Es ist gut zu wissen, dass wir jetzt den Vorteil haben, aber er ist winzig klein."

Formel-1-Gesamtwertung 2017 nach 13 von 20 Rennen

Auch der Brite, der 3 der jüngsten vier Rennen gewonnen hat, will die Sache nicht überbewerten: "Ich fühle mich nicht, als wäre ich auf der sicheren Seite", sagt Hamilton, der in der Vergangenheit manche WM-Führung nicht in einen Titel umgemünzt hat. Ähnlich denkt Teamkollege Valtteri Bottas, wenn er auf die Überlegenheit seines Arbeitgebers in Monza angesprochen wird: "Wir können uns nicht darauf verlassen zu sagen: 'In Ordnung, wir sind die Schnellsten!'", warnt der Finne.

Denn es gibt andere Erklärungen für die Dominanz als einen Quantensprung des W08. "Die Strecke ist ganz anders als alle anderen", bringt Bottas die Kurscharakteristik ins Spiel, die dem mit viel Motorpower ausgestatteten Mercedes in die Karten gespielt hat, während sie für den Rivalen einen Schlag ins Kontor bedeutete. "Entscheidend war eher, dass der Ferrari nicht funktioniert hat. Insofern war es eher ein Problem von Ferrari als eine Dominanz von uns", fasst Wolff zusammen.


Dass Sebastian Vettels Truppe in der Lage ist, auf vermeintlich nachteiligen Bahnen aufhorchen zu lassen, stellte sie vor einer Woche in Spa-Francorchamps unter Beweis. "Sie haben uns Feuer gemacht", räumt Wolff ein. Das Auto offenbarte unerwartete Probleme beim Herausbeschleunigen aus langsamen Passagen wie der La-Source-Haarnadel und der Bus-Stop-Schikane. Wohl deshalb, weil man einen Set-up-Kompromiss zugunsten der Rennpace gesucht hatte und Opfer bringen musste.

Möglicherweise ist Mercedes der Zwickmühle nicht entkommen, sondern hat sie umgangen. Bottas erklärt: "In Spa brauchte es eine Abstimmung für viele verschiedene Situationen. Konstante Geschwindigkeit, dann kann die Traktion leiden. In Monza gibt es keine Hochgeschwindigkeitskurven." Ergo waren die vermeintlichen Achillesfersen - die Sektionen nach den Schikanen Rettifilo und Della Roggia - keine, weil die Ingenieure den Boliden ohne Rücksicht auf Verluste optimierten.

In Singapur, Suzuka, Austin oder Abu Dhabi wird es nicht funktionieren, um die flüssigsten und anspruchsvollsten Kurse aus dem restlichen Kalender zu nennen. Wenn Mercedes nicht doch mehr an seinem Auto gebastelt hat, als Wolff zugeben will: "Wir hatten ein Paket für Monza, aber es war nicht mit wenig Abtrieb getan. Unser Auto war in den Kurven - in jeder Art von Kurve - stark. Das war ermutigend", meint der Österreicher. Doch ließ sich binnen vier Tagen wirklich so viel machen?

Fest steht, dass die Silberpfeile Updates in petto haben. Sie werden nicht in Singapur kommen, aber im weiteren Saisonverlauf. Bei den Antrieben haben sie in Spa ihren letzten Joker gezogen. "Wir haben früh einen Motor gezückt, um den Performancegewinn zu haben, aber gegen Ende wird seine Lebensdauer abgelaufen sein", rekapituliert Wolff sein Vabanque-Spiel, das Spielraum für weiteres Zocken lässt: Warum nicht eine Strafversetzung in frische PS und ein Update investieren? "Ferrari ist auch beim 4. Turbolader. Es kann es gut sein, dass wir uns Strafen einhandeln", orakelt er.

Plan A ist es aber offenbar nicht. Deshalb drehte Mercedes die V6-Hybride von Hamilton und Bottas nach eigener Aussage schon in Monza zurück. "Wir haben uns das Schadensprofil der Antriebe angesehen und versucht, einen vernünftigen Weg zu finden, als es darum ging, sie fahren, aber auch nicht den Motor beschädigen zu lassen." Heißt: Der Vorsprung hätte noch größer ausfallen können.

Entsprechend breit ist die Brust bei Hamilton. Auch, aber nicht nur wegen der WM-Führung: "Es ist ein Gefühl, das mich stärker macht, weil ich ständig darum gekämpft habe, mich zu perfektionieren, was nötig war, um die Ferraris zu überflügeln", sinniert er. "So wie ich die vergangenen Rennen bestritten habe, so solide, habe ich mehr Herz und Leidenschaft bei mir gespürt. Silverstone war ein Mutmacher-Wochenende, was in mir einen Feuer entfacht hat." In Monza brannte es lichterloh.

 
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