Ross Brawn: Formel 1 bezüglich zukünftiger Ausrichtung "am Scheideweg"

Ross Brawn sieht die Formel 1 an einem entscheidenden Wegpunkt hinsichtlich der Zukunft - Wie es gelingen soll, dass kleinere Teams wettbewerbsfähiger werden.

Im Verlauf der kommenden Wochen und Monate wollen die von Formel-1-Motorsportchef Ross Brawn angeheuerten Spezialisten ihre Vision für die Zukunft des Grand-Prix-Sports präsentieren. Der Fokus soll darauf liegen, sowohl im sportlichen als auch technischen Bereich eine nachhaltige Zukunftsrichtung vorzugeben und dabei die Kosten langfristig im Rahmen zu halten.

"Wir wollen eine vernünftige Leistungsgesellschaft. Wir wollen, dass in der Formel 1 die besten Teams gewinnen", sagte Brawn am Sonntag am Rande des Grand Prix der USA in Austin. Der Formel-1-Motorsportchef erwähnte in diesem Zusammenhang aber auch: "Wenn es bei den Topteams mal schlecht läuft, dann wollen wir, dass ein Mittelfeldteam in der Lage ist, ein Rennen zu gewinnen. Das sorgt für eine tolle Geschichte und ist insgesamt eine tolle Sache für den Sport. Deshalb wollen wir das pushen."

"Jetzt haben wir eine Organisation, eine Struktur"

"Somit steht die Formel 1 momentan am Scheideweg", so Brawn, um auszuholen. "Jahrelang gab es keine Struktur, um die sportlichen, technischen und finanziellen Rahmenbedingungen festzulegen. Es waren die Teams selbst, die versucht haben, die Regeln aufzustellen. Doch als Wettbewerber waren sie nicht immer die am besten geeigneten Leute für diese Aufgabe. Jetzt haben wir eine Organisation, eine Struktur."

Ross Brawn, Managing Director of Motorsports, FOM, Chase Carey, Chairman, Formula One
Ross Brawn, Formel-1-Motorsportchef; Chase Carey, Formel-1-Chef

Foto: Glenn Dunbar / LAT Images

"Ich habe Ingenieure. Ich habe Techniker. Ich habe Finanzstrategen, die sich mit dem Formel-1-Business beschäftigen, um bessere Lösungen zu finden. Langfristig soll damit sichergestellt werden, dass die Konkurrenzfähigkeit aller Teams verbessert wird und somit das Racing deutlich besser wird. Die Möglichkeit, das zu erreichen, ist es, was mich in die Formel 1 zurückgetrieben hat", bekennt Brawn.

"Und ich bin sehr optimistisch. Wir haben sehr gute Rückmeldungen von den Teams bekommen. Im Verlauf der kommenden Monate werden wir unsere Ideen vorstellen und in Zusammenarbeit mit den Teams verfeinern, um sie über die kommenden Jahre schrittweise einzuführen", so Brawn.

Kostensenkung als zentrales Thema

Das Thema Kostensenkung soll dabei ein zentrales sein. Formel-1-Besitzer Liberty Media will sicherstellen, dass die Teams künftig mit kleineren Budgets antreten, um langfristig überleben zu können. "Ich weiß aus meiner eigenen Arbeit für Teams, dass die Finanzen hinsichtlich der Konkurrenzfähigkeit der entscheidende Faktor sind", sagt Brawn.

"Es ist kein Zufall, dass das aktuell dominierende Team, Mercedes, das größte Budget hat. Sie geben pro Jahr rund eine halbe Milliarde Dollar für ihr Formel-1-Programm aus, um auf der Strecke die Ergebnisse einzufahren. Das ist eine fantastische Errungenschaft. Das Problem dabei ist nur, dass sie vier Sekunden schneller sind als die Teams am Ende der Startaufstellung. Das ist für das Business nicht gut", sinniert Brawn.

"Auch ist es nicht zukunftsfähig", so der Formel-1-Motorsportchef weiter. "Denn wenn sie gewinnen, wird ihr Budget sogar noch größer. So haben sie in der Phase ihrer Dominanz noch mehr Geld ausgegeben, um dominant zu bleiben. Wenn die Dominanz dann zu Ende geht, ist das Budget richtiggehend peinlich, weil die Erfolge nicht mehr da sind. Dennoch wird weiterhin eine Unmenge Geld ausgegeben."

Hersteller zu Brawn: "Bitte schützt uns vor uns selbst"

Wie Brawn betont, sind die Hersteller bereit, die Kosten zu senken: "Diese Teams und insbesondere die Vorstände dieser Teams sind zu uns gekommen und haben gesagt: 'Bitte schützt uns vor uns selbst.' Da wollen wir ansetzen. Wir wollen Kontrolle über das, was wir tun können und was wir nicht tun können, um das Geschäft zukunftsfähig zu machen. Wir wollen die Budgets verkleinern, sodass sie auch in Zeiten des Misserfolgs vertretbar sind."

Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W08, Sebastian Vettel, Ferrari SF70H, battle at the start of the race
Start zum Grand Prix der USA 2017 in Austin

Foto: Glenn Dunbar / LAT Images

"Mercedes, um ein Beispiel zu nennen, will für immer gewinnen. Sie wollen in den Top 3 fahren und sie sind bereit, Einbußen hinsichtlich der Konkurrenzfähigkeit hinzunehmen, solange das eine Nachhaltigkeit bedeutet. Sie befinden sich momentan in einem Teufelskreis. Sie müssen dominieren, um ihr Budget zu rechtfertigen. Dabei suchen sie nach einem Ausweg – nicht nach einem Ausweg aus der Formel 1, sondern einem Ausweg aus diesem Zustand", betont Brawn.

Wie der Brite unterstreicht, unterstützen inzwischen - anders als in der Vergangenheit - alle Teams die Idee, die Kosten zu senken: "Unsere Idee einer Kostenkontrolle ist es, die DNS der Formel 1 weiterhin zu erhalten, also die Hightech, die Technologie in den Autos, die Faszination. Das Ganze soll aber zukunftsfähig sein. Wir werden im Laufe der kommenden Jahre ein System einführen, mit dem wir die Höhe der Ausgaben, die für ein Formel-1-Team anfallen sollten, kontrollieren. Diese Idee wird von allen Teams unterstützt."

So schließt Brawn mit den Worten: "Wir müssen definieren, was innerhalb dieser Ausgabegrenze liegt und wir müssen die Kontrollmechanismen definieren. Dadurch werden die Ausgaben im Rahmen gehalten und gleichzeitig wird ein besserer Wettbewerb gewährleistet, weil der Unterschied in den Ausgaben zwischen den Teams an der Spitze und den Teams im Hinterfeld wesentlich kleiner sein wird. Das im Ganzen schafft eine nachhaltige Formel 1."

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