Analyse: Ist Williams eine realistische Option für Fernando Alonso?

Kommt es vor der Formel-1-Saison 2018 zu einem spektakulären Fahrerwechsel? Spekulationen zufolge könnte Fernando Alonso McLaren verlassen und zu Williams wechseln.

Ansonsten wird sich voraussichtlich nicht viel tun in der sogenannten Silly-Season der Formel 1. Denn vor allem die Plätze bei den Topteams dürften vergeben sein.

Mit der Vertragsverlängerung von Kimi Räikkönen bei Ferrari fiel das 1. Puzzlestein an seinen Platz. Wahrscheinlich wird in Kürze auch Sebastian Vettel für die Formel-1-Saison 2018 bestätigt. Der Deutsche könnte seinen neuen Deal mit Ferrari jedoch auf zunächst nur ein weiteres Jahr beschränken.

Bleibt Vettel, dann dürfte Valtteri Bottas sein Cockpit bei Mercedes ebenfalls sicher haben. Denn im Grunde dreht sich bei den großen Teams alles nur um die Frage, wie sich Max Verstappen langfristig aufstellen will – ab 2019. Bis dahin ist er an Red Bull gebunden.

Weil die meisten Plätze der Spitzenteams vergeben sind, kommt es anderswo im Feld ebenfalls kaum zu Veränderungen. Außenseiter-Chancen auf ein Cockpit darf sich wohl höchstens Robert Kubica bei Renault einräumen. Doch der französische Hersteller interessiert sich auch für andere Piloten, darunter Alonso oder Esteban Ocon.

Gerücht: Alonso zu Williams

Beim 1. Rennwochenende nach der F1-Sommerpause in Spa-Francorchamps machte nun aber ein neues Gerücht die Runde. Auto Motor und Sport berichtete als erstes darüber, dass Williams sich um die Verpflichtung von Alonso bemühe. Das wäre wirklich ein sensationeller Wechsel!

Alonso denkt bereits seit geraumer Zeit über seine Zukunft nach. Und er hat wiederholt betont, nur dann in der Formel 1 bleiben zu wollen, wenn ihm konkurrenzfähiges Material zur Verfügung steht. Seine Chancen auf ein WM-fähiges Auto stehen aber nicht sehr gut: Weder Ferrari noch Mercedes oder Red Bull Racing zeigen Interesse an seiner Person.

Die Situation von Alonso stellt sich demnach so dar: Er könnte bei McLaren bleiben, nachdem er dort bereits die letzten 3 Jahre zugebracht hat. Oder er verlässt McLaren und versucht sein Glück anderswo.

Alonso ist grundsätzlich zufrieden bei McLaren: Das Team bietet ihm die Infrastruktur und das Budget, das er für seine Formel-1-Zukunft braucht. Der große Haken an der Sache ist der Honda-Motor.

Was ist 2018 mit Honda-Motor möglich?

Die Hoffnungen von McLaren, in Zukunft vielleicht Kundenmotoren von Ferrari oder Mercedes zu erhalten, haben sich bereits vor geraumer Zeit zerschlagen. Übrig geblieben sind eine geringe Chance auf Renault-Antriebe und die Hoffnung, die Berater von Ilmor könnten Honda entscheidend auf die Sprünge geholfen haben.

Alonso hat sich bereits zur anstehenden Motoren-Entscheidung bei McLaren geäußert. Weiter Vertrauen zu Honda haben oder sich um Renault bemühen? Die kryptische Alonso-Antwort: "Ich denke nicht, dass es eine schwierige Entscheidung ist."

Wollte er damit sagen, es liege auf der Hand, was McLaren tun wird? Oder meinte er, die Zurückhaltung bei Renault lasse eigentlich nur den Schluss zu, dass McLaren im Prinzip keine Wahl hat? Alonso erläuterte seine Aussage nicht weiter.

Die Motorenfrage werde seine persönliche Entscheidung mit Blick auf die Formel-1-Saison 2018 "eigentlich nicht" beeinflussen, sagt Alonso. "Die Leistung und die Bedingungen werden vorgeben, was ich nächstes Jahr tun werde."

Eine Möglichkeit, wie Alonso sicher den besten Antrieb der Formel 1 erhalten würde, wäre natürlich ein Wechsel von McLaren zu Williams. Denn dort werden bekanntlich Mercedes-Kundenmotoren verwendet.

Was Williams davon hätte

Aus der Perspektive von Williams wäre ein solcher Wechsel logischerweise eine echte Sensation. Diese Chance würde das britische Traditionsteam wahrscheinlich nicht verstreichen lassen.

Die Reputation des Teams würde schlagartig ansteigen, die Leistung würde sich noch einmal verbessern. Und die Sponsoren würden im 7. Himmel schweben – vor allem Titelpartner Martini, der seine weltweite Publicity noch einmal deutlich steigern könnte.

Die große Frage aber ist: Wäre ein solches Szenario attraktiv genug für Alonso? Denn Williams scheint nicht das Team zu sein, mit dem er sein großes Ziel, den 3. Gewinn der Formel-1-WM in der Fahrerwertung, in die Tat umsetzen kann. Vielleicht wären mit Williams nicht einmal Siege möglich.

Der bislang letzte Sieg von Williams liegt bereits über 5 Jahre zurück. Beim Grand Prix von Spanien 2012 in Barcelona überraschte Pastor Maldonado die gesamte Formel 1 und triumphierte – übrigens vor Alonso.

In der Formel-1-Saison 2017 belegt Williams bislang den 5. Platz in der Konstrukteurswertung. Der Rückstand auf Force India ist groß und beträgt derzeit 60 Punkte. Dennoch redet niemand davon, dass vielleicht auch Force India für Alonso interessant sein könnte.

Die reinen Ergebnisse spiegeln aber auch nicht wider, welche Veränderungen bei Williams hinter den Kulissen vorgenommen wurden. Den Anfang machte der Wechsel von Paddy Lowe. Er hat die Infrastruktur des Traditionsteams neu aufgestellt, um Williams weitere Fortschritte zu ermöglichen.

Solche Maßnahmen brauchen ihre Zeit. Doch mit Lowe hat Williams einen erfahrenen Mann geholt, der nach seiner Zeit bei Mercedes genau über die Ressourcen Bescheid weiß, die es braucht, um WM-Titel zu gewinnen.

An Ressourcen mangelt es Williams derzeit ohnehin nicht. Lawrence Stroll, der Vater von F1-Teenager Lance Stroll, greift gern in die eigenen tiefen Taschen, um dem Team auf die Sprünge zu verhelfen, was unterm Strich natürlich auch und vor allem seinem Sohn zugutekommt.

Wie verlockend ist die Option Williams?

Und Alonso wird eines nicht entgangen sein: Massa kämpft oft um die Position Best-of-the-Rest hinter Mercedes, Ferrari und Red Bull Racing, obwohl er sich eigentlich am Ende der Formel-1-Saison 2016 in den Ruhestand verabschiedet hatte.

Alonso weiß auch, dass er Massa in ihrer gemeinsamen Zeit bei Ferrari meist gut im Griff hatte. Was also Alonso mit dem gleichen Auto anstellen könnte, lässt sich leicht ausrechnen, wenn man von der Leistung Massas das eine oder andere Zehntel abzieht.

Andererseits ist da der vergleichsweise große Abstand zwischen Williams und den 3 Topteams. Und dieser Abstand ist so groß, dass selbst ein brillant fahrender Alonso wohl kaum dazu in der Lage wäre, diesen Rückstand wettzumachen, wenn sich nicht auch das Team steigert. Wäre der Anschluss zur Spitze binnen eines Jahres möglich?

Die Formel 1 wartet ab – und auf die Saison 2019. Dann, so die vorherrschende Meinung im F1-Fahrerlager, wird der Fahrermarkt regelrecht explodieren. Alonso wäre dann wieder ganz normal auf dem Markt. Hat er mehr zu verlieren als ein einzelnes Jahr, in dem er womöglich sogar richtig gute Ergebnisse erzielen könnte?

Nur wenige Beobachter zweifeln daran, dass Alonso vor einigen Jahren – vor allem in der Formel-1-Saison 2014 – dazu in der Lage gewesen wäre, mit Williams zu siegen.

Da stellt sich die Frage: Glaubt er, ein solches Szenario könnte in der Formel-1-Saison 2018 erneut eintreten? Oder wähnt er sich bei McLaren besser aufgehoben, weil er denkt, dort wird die richtige Entscheidung in Sachen Motoren getroffen?

Diese Frage kann nur Alonso selbst beantworten.

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Fahrer Fernando Alonso
Teams Williams , McLaren
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