Ferrari im Aufwind: Schon jetzt mehr Punkte als 2020

Der knapp verpasste Sieg von Silverstone macht Ferrari Mut: Die Scuderia ist deutlich verbessert und hat schon jetzt mehr Punkte als im gesamten Jahr 2020

Ferrari im Aufwind: Schon jetzt mehr Punkte als 2020

Fast hätte es in Silverstone mit der Überraschung geklappt. Etwas mehr als zwei Runden fehlten Charles Leclerc zum unerwarteten Sieg in Großbritannien, bevor Weltmeister Lewis Hamilton doch noch zuschlagen konnte. Und während im ersten Moment die Enttäuschung überwog, konnte Ferrari mit der Leistung am Ende doch eigentlich zufrieden sein.

Leclerc fuhr das gesamte Wochenende im Windschatten von Red Bull und Mercedes und konnte im Rennen die Chance nutzen, als die Konkurrenz patzte. Und vor allem zeigen die reinen Zahlen, dass Ferrari wieder da ist: "Wir haben nach zehn Rennen bereits 17 Punkte mehr als am Ende vergangenen Saison", betont Teamchef Mattia Binotto.

Der reine Speed war dabei selten Ferraris Problem in dieser Saison, wie die beiden Polepositions aus Monaco und Baku zeigen. Im Rennen ging es für die Roten aber wieder nach hinten. Vor allem Frankreich war der absolute Tiefpunkt, als beide Piloten außerhalb der Top 10 landeten. Die Vorderreifen waren damals schuld.

In Spielberg auf Augenhöhe mit Norris

In Silverstone sah das schon deutlich besser aus. Auf den Mediumreifen konnte Leclerc Hamilton in Schach halten, erst auf den Hards hatte der Mercedes noch etwas in der Hinterhand. "Das Team hat sich neu gruppiert, an den Problemen gearbeitet und irgendwie die Schwächen verstanden", so Binotto. "Und jetzt hatten wir zwei Rennen in Folge eine gute Pace."

 

Auch für das zweite Spielberg-Rennen brüstet sich der Teamchef mit einem guten Speed im Rennen. Man sieht sich auf Augenhöhe mit Lando Norris, der am Red-Bull-Ring aus eigener Kraft auf das Podium gefahren war. Der Unterschied laut Binotto: Norris hatte freie Fahrt, seine Piloten nicht.

Das hatte Leclerc jedoch in Silverstone, als er nach der Kollision zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton die Führung übernommen und bis kurz vor Schluss nicht mehr abgegeben hatte. "Und als Carlos [Sainz] freie Fahrt hatte, konnte er die gleiche Pace wie Charles gehen", betont der Italiener.

Silverstone als gutes Pflaster

Silverstone war aber auch im Vorjahr schon ein gutes Pflaster für Ferrari. Auch in der schlechten 2020er-Saison stand der Monegasse auf dem Podium und wurde im anderen Rennen Vierter. Die Strecke scheint der Fahrzeugcharakteristik entgegenzukommen, zudem half auch die Hitze.

Denn durch die hohen Asphalttemperaturen und die schnellen Kurven war es einfacher, dass die Temperaturen auf der Lauffläche des Pirelli-Reifens und im Mantel nicht zu stark voneinander abwichen.

Trotzdem basiert der SF21 noch auf dem erfolglosen Vorgänger. Das heißt, dass man die Reifenprobleme nur eingeschränkt lösen kann. Veränderungen an der Front wären gut für das Reifenmanagement der Vorderreifen gewesen, seine Token gab die Scuderia jedoch im Heck aus. Dennoch ist dem Team innerhalb seiner Möglichkeiten ein guter Sprung gelungen.

Ralf Schumacher: "Sollten um die WM fahren"

"Wir haben als Team gezeigt, dass wir Fortschritte gemacht haben. Und darüber freue ich mich noch mehr [als über den zweiten Platz]", sagt Binotto. "Denn das ist mit Sicherheit noch wichtiger für die zweite Saisonhälfte."

Etwas nüchterner sieht Ex-Pilot Ralf Schumacher die jüngste Leistung des einstigen Erfolgsrennstalls: "Wir reden immer noch über Ferrari. Die sollten eigentlich um die WM fahren", sagt der Deutsche gegenüber 'Sky'. "Leclerc war sicherlich in Silverstone ein bisschen eine Überraschung. Aber trotzdem klar den Mercedes unterlegen. Er hat davon profitiert, dass Verstappen nicht da war."

"Ja, das ist nicht unsere Pace", gibt Binotto zu. "Lewis und Max haben vor uns einen großartigen Speed." Aber er betont: "Wir haben uns seit Frankreich erholt. Und das ist das Wichtigste."

Was ist in Ungarn möglich?

Die Frage ist, was am anstehenden Wochenende in Ungarn möglich ist. "Ein Doppelsieg", schmunzelt Binotto. "Ja, es ist gut, optimistisch zu sein", steigt Leclerc ein, wird aber ernst: "Wir müssen realistisch sein. Wir sind guter Stimmung, aber den Sieg in Budapest anzupeilen, wäre vielleicht etwas optimistisch."

Der Monegasse wäre schon zufrieden, wenn man direkt hinter den beiden Spitzenteams liegen würde. Sein Teamkollege Carlos Sainz glaubt aber nicht, dass der Hungaroring eine gute Strecke für Ferrari sein wird: "Es geht um Abtrieb, und wir haben in den Daten gesehen, dass die anderen etwas mehr Pace haben und vorne sein sollten."

Hinter Red Bull und Mercedes scheint aber alles möglich zu sein.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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