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Formel-1-Farce Indianapolis 2005: Was damals wirklich geschah

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Formel-1-Farce Indianapolis 2005: Was damals wirklich geschah
Autor:
Co-Autor: Adam Cooper
19.06.2020, 14:52

Wie es zum Skandalrennen in Indianapolis 2005 kam und warum die Formel 1 beim US-Grand-Prix keine bessere Lösung fand als sechs fahrende Autos

Eigentlich hätten schon im ersten Freien Training die Alarmglocken schrillen müssen. Doch der Dreher von Toyota-Testfahrer Ricardo Zonta nach Reifenschaden hinten links war zunächst nicht viel mehr als eine Randnotiz für die Beobachter des US-Grand-Prix 2005 in Indianapolis. Tatsächlich war dieser Dreher das erste Anzeichen für ein großes Problem.

Im zweiten Freien Training am Nachmittag wurde eben dieses Problem offenbart, erneut ausgelöst durch einen Toyota-Zwischenfall: Dieses Mal verunfallte Ralf Schumacher ausgangs der überhöhten Kurve 13, wieder aufgrund eines Reifenschadens. Erneut hatte ein Michelin-Pneu nachgegeben.

Doch an die Reifen dachte im ersten Moment noch niemand. "Ralfs Unfall war ziemlich heftig. Wir waren erst einmal erleichtert, dass er aus dem Auto herauskam", sagt der damalige Toyota-Teamchef John Howett.

"Es ist wie mit alten Hängebrücken im Wind"

Erst danach begann die Ursachenforschung, alsbald geriet der linke Hinterreifen in Verdacht, den Crash ausgelöst zu haben. "Dann kam Jarno [Trulli] an die Box und schien vertikale Schnitte in der Seitenwand seines linken Hinterreifens zu haben", meint Howett. "Da wussten wir, wir haben ein Problem."

Die Fragezeichen aber wurden größer und größer: Michelin dachte zunächst, Toyota hatte mit dem Luftdruck gespielt und sich dabei verzockt. Das war aber nicht der Fall. "Wir waren nicht mal ansatzweise am unteren Drucklimit gefahren", sagt Howett.

Dann erkannten plötzlich auch andere Teams Schäden an ihren Michelin-Reifen. "Einer von Michelin sagte uns, er hätte bei drei, vier anderen Rennställen etwas Ähnliches festgestellt", erklärt Howett rückblickend. "Etwa eine Stunde nach dem zweiten Training war klar, dass wir hier ein Reifenproblem hatten."

Ralf Schumacher

Ralf Schumacher verunfallt im Freien Training durch Reifenschaden schwer

Foto: Motorsport Images

Michelin berief ein Treffen ein, wollte über Nacht an einer Lösung arbeiten. Zunächst hatte man fehlerhafte Reifensätze im Verdacht. "Ich glaube aber, [Michelin] wusste zu diesem Zeitpunkt schon recht genau, dass die Reifen nicht aus der gleichen Produktionsreihe stammten", sagt Howett. "Das wollten sie verifizieren und über Nacht weitere Tests laufen lassen."

Tags darauf lag die Auswertung aus dem Michelin-Werk in Clermont-Ferrand vor. Sie brachte die Erkenntnis, dass die Kurvenüberhöhung den Michelin-Reifen zu sehr zusetzte. "Es ist wie mit alten Hängebrücken im Wind. Wenn die Frequenz stimmt, dann fallen sie auseinander", meint Howett. Und es wurde vermutet: Chassis und Aufhängung am Toyota TF105 könnten den Effekt noch verstärkt haben.

Der damalige Formel-1-Rennleiter Charlie Whiting wurde in Kenntnis gesetzt. Er sagte 2015: "Michelin meldete uns, es würden zu große Kräfte an den Reifen arbeiten. Die Reifenwand würde sich verbiegen."

"Auf einmal steckten sie in großen Schwierigkeiten"

Also erließ der Reifenhersteller entsprechende Vorgaben an seine Teams für das Samstagstraining. "Wir sollten uns eher am oberen Ende des Luftdruckfensters bewegen", sagt Howett, "und nach Möglichkeit nicht zu viel fahren, mit weniger Sprit, um die Reifen nicht zu sehr zu belasten."

Die Michelin-Teams rückten gemäß der Anweisungen fast ausschließlich nur zu kurzen Runs aus. "Bei ein, zwei Teams, die länger draußen waren, traten in den Seitenwänden der Reifen aber wieder leichte Spuren auf", meint Howett.

Trotzdem lief der Rennbetrieb weiter - und Toyota holte mit Trulli sogar die Pole-Position. "Wahrscheinlich, weil wir noch weniger Sprit im Tank hatten als die anderen, denn wir schienen ein ernsteres Problem zu haben", sagt Howett. "Deshalb waren wir besonders vorsichtig."

Damit war die Reifenfrage aber nicht beantwortet. Zumal sich Michelin nicht anders zu helfen wusste, als Rennleiter Whiting um eine Einbremsung der Fahrzeuge zu bitten. "Ich sagte: Es muss doch eine andere Lösung geben. Wir [konnten] die Autos nicht einbremsen. Das wäre nicht fair [gewesen] gegenüber denjenigen, die taugliche Reifen dabei hatten", so Whiting.

Er habe Michelin angewiesen, andere Reifen bereitzustellen. Doch Michelin hatte nicht genügend andere Reifen vor Ort. Und eine Ersatzmischung gab es nicht: "Das war das grundlegende Problem", sagt Whiting. "Man hatte den sogenannten 'Prime' und hätte eigentlich einen 'Option' als Back-up haben sollen."

Allerdings hatten die Reifenhersteller längst den Option-Pneu zu einer Art "Qualifying-Reifen" gemacht, was dem eigentlichen Auftrag widersprach. Der 'Option' kam als Ersatzreifen nicht in Frage. "Auf einmal also steckten sie in großen Schwierigkeiten", sagte Whiting. Und das war jetzt allen Beteiligten klar.

Warum keine Schikane in Kurve 13 aufgebaut wurde

Bei einem weiteren Michelin-Treffen wurde daher der Einbau einer Schikane diskutiert, nach dem Vorbild des Spanien-Grand-Prix 1994, wo das als Reaktion auf die tödlichen Unfälle in Imola kurzfristig umgesetzt worden war.

Howett erklärt: "Kurve 13 wurde als Problemstelle ausgemacht. Dort hatte Ralf seinen Crash gehabt. Der Vorschlag an Bernie Ecclestone und [Indy-Boss] Tony George lautete daher, vor Kurve 13 eine Schikane einzubauen, um die Autos dort langsamer zu machen."

Die Verantwortlichen zeigten sich einsichtig, so sagt Howett weiter. "Bernie meinte: 'Ok, das könnt ihr mir überlassen.' Tony signalisierte ebenfalls 'kein Problem', und dass er sein Personal beauftragen würde. Wir gingen daher davon aus, dass am Sonntagmorgen eine Schikane aufgebaut sein würde. Und die Michelin-Teams sagten, sie würden auch auf Punkte verzichten, wenn ein Problem auftreten sollte."

Michael Schumacher

Alle Michelin-Teams biegen vor dem Start in die Boxengasse ab

Foto: Motorsport Images

Whiting allerdings meinte 2015, eine Schikane sei von Anfang an keine Option gewesen. Begründung: "Ich bin für die Sicherheit auf der Strecke verantwortlich. Wenn ein Kurs in einer Konfiguration homologiert ist, dann kann ich ohne gewissenhafte Simulationen nicht einfach sagen, wir bauen jetzt eine Schikane ein. Was, wenn ein Auto die Schikane trifft und ein Reifen über den Fangzaun fliegt?"

Das Fazit des Formel-1-Rennleiters, 2005 wie 2015: "Es gab keine Chance, dass wir [eine Schikane] einbauen."

So sah das auch der damalige FIA-Präsident Max Mosley, der sich per Telefon aus Paris über die Vorgänge in Indianapolis auf dem Laufenden halten ließ und Whiting in dessen Position beipflichtete.

26 Reifen im McLaren-Privatjet auf Forschungsreise

Michelin zog derweil alle Register und flog 26 Reifen zu seiner Forschungseinrichtung in Akron, Ohio - in einem Privatjet von McLaren. Mit an Bord: Formel-1-Technikchef Jo Bauer und drei Michelin-Ingenieure. Ihre Reise erwies sich jedoch als umsonst: Die zahlreichen Tests brachten keine neuen Erkenntnisse. Am Sonntagmorgen um 6 Uhr früh war Bauer zurück, ergebnislos.

Es gab keine Schikane und keine andere Lösung, aber etliche weitere Treffen der Verantwortlichen vor Ort, mit Michelin. Und nun kamen auch rechtliche Fragen ins Spiel.

Statt einer Schikane schlugen FIA-Vertreter vor, sie könnten das Reifenreglement nur für dieses Rennen lockern und die - 2005 eigentlich untersagten - Reifenwechsel in Indianapolis zulassen. Oder: Die Fahrer könnten in Kurve 13 vom Gas gehen, vielleicht sogar mittels eines umgepolten Boxenlimiters.

Auch die Möglichkeit von zwei getrennten Fahrspuren, eine für die langsameren Michelin-Autos, eine für die schnelleren Bridgestone-Fahrzeuge, wurde in den Raum gestellt.

Indianapolis 2005

Ein Krisenmeeting jagt das nächste - ohne zufriedenstellendes Ergebnis

Foto: Motorsport Images

Mosley telefonierte derweil mit George. Gegenstand der Diskussion: "Zu versuchen, die Show weiterlaufen zu lassen und den Fans das zu geben, wofür sie bezahlt haben." So formuliert es Streckenchef George später.

Derweil setzten die Michelin-Teams Rennleiter Whiting unter Druck. "Sie sagten mir: 'Du musst [die Schikane einbauen lassen], sonst gibt es kein Rennen.' Ich sagte: 'Es wird keine Schikane geben, also macht euch Gedanken. Und wenn ich gebraucht werde, ich bin in meinem Büro.'"

Tatsächlich spielten die Verantwortlichen mit diversen Ideen, mit einer Boxengassen-Durchfahrt in jeder Runde, mit Speedlimits nur für die Michelin-Autos und weiteren Vorschlägen.

"Wir hätten es hinkriegen können", sagte Whiting. "Wenn man gewollt hätte, dann hätte man eine Lösung gefunden. Ja, es wäre katastrophal gewesen für die Michelin-Teams, aber es hätte wenigstens ein Rennen gegeben, und die Michelin-Teams hätten sich untereinander ein Rennen geliefert - in einem kompletten Feld."

Whiting präferierte eine Geschwindigkeitskontrolle in Kurve 13, gemessen mit einer Radarpistole, setzte sich damit aber nicht durch. "Ich fragte immer und immer wieder nach einer sicheren Geschwindigkeit für diese Passage, aber man konnte es mir nicht sagen", erklärte er. "Wenn ich also eine Schikane baue, wer sagt mir, dass das Tempo dann sicher wäre?"

Ferrari verzichtet auf Krisentreffen, Ecclestone interveniert

Die Schikane, die eigentlich schon immer vom Tisch war, habe dann plötzlich Gestalt angenommen. "Nach dem Porsche-Rennen hieß es: 'Die nehmen Reifen bei Kurve 10 weg und bauen eine Schikane." Whiting sei fassungslos gewesen und habe nur "Wie bitte?!" antworten können. Doch tatsächlich: "Als ich auf die Strecke kam, sah ich Traktoren viele Reifen bewegen."

Formel-1-Chef Ecclestone soll den Umbau angeordnet haben. Doch Whiting unterbrach die Arbeiten. "Ich sagte: 'Wenn hier Reifen versetzt werden, ist die Strecke nicht mehr homologiert und es gibt gar kein Rennen. Also: Zurückstellen!'"

"Ob es Bernie angeleiert hatte oder nicht, daran erinnere ich mich nicht", sagt Streckenchef George. "Wir waren jedenfalls bereit, das Notwendige zu tun, eine Schikane zu bauen. Doch es wurde klar: Das war etwas, das nicht in unserer Kontrolle lag."

Bernie Ecclestone

Ecclestone verhandelt mit Todt, doch ohne Erfolg. Ferrari will keine Schikane.

Foto: Motorsport Images

Und Michelin wurde das Risiko zu groß. Zumal Ferrari-Teamchef Jean Todt aus der Riege der Bridgestone-Teams keinen Grund sah, sich auf irgendetwas einzulassen, nachdem Ferrari zuvor bereits auf die Teilnahme an vorangegangenen Krisentreffen verzichtet hatte.

"Bernie wollte nochmal mit Todt verhandeln", meint Howett. "Ferrari hatte versucht, die Sache zu blockieren, weil es ihnen unfair ihnen selbst gegenüber erschienen war. Das war auch eines der Argumente von Max und der FIA."

Inzwischen stand der Rennstart unmittelbar bevor. Also schaltete sich Renault-Teamchef Flavio Briatore ein, um gemeinsam mit Ecclestone erneut auf Todt einzureden, mit Mosley telefonisch zugeschaltet. Doch wieder erteilte Mosley einer Schikane eine Absage.

Warum standen die Autos in der Startaufstellung?

Knackpunkt: Würden die Veranstalter in Indianapolis gegen eine FIA-Vorgabe handeln, das Rennen würde seinen FIA-Status verlieren und damit auch kein WM-Lauf mehr sein.

Schließlich lenkten die Teams ein. Alle Michelin-Vertreter verabredeten, nicht ins Rennen zu gehen. Das mussten sie nur noch ihren Fahrern nahebringen.

"Sicherheit geht vor, Ende." So formulierte es Renault-Mann Pat Symonds. "Es ging nicht. Und eine Schikane ging auch nicht. Man muss es auf den kleinsten gemeinsamen Nenner bringen, und der lautet: Wenn du es nicht gebacken kriegst, dann geht es eben nicht."

Kimi Räikkönen

McLaren-Teamchef Ron Dennis gibt Kimi Räikkönen die Anweisung, nicht zu starten

Foto: Motorsport Images

Howett hatte für eine "sinnvolle Lösung" plädiert. "Unterm Strich aber waren sich die Michelin-Teams darin einig, dass es keinen Unterschied macht, ob man nach einer Runde wieder an die Box fährt, ob man [jede Runde] durch die Boxengasse fährt oder ob man mit reduzierter Geschwindigkeit durch [Kurve 13] fährt."

Warum aber fanden sich die Michelin-Teams dann trotzdem in der Startaufstellung ein? "Weil wir vertraglich dazu verpflichtet waren, durch das Concorde-Agreemen", sagt Howett.

Man hatte Rennleiter Whiting über die Absicht des Startverzichts in Kenntnis gesetzt. "Ich war darauf vorbereitet", sagte Whiting später. "Ich war mir nur nicht sicher, ob es wirklich passieren würde. Sicher war ich mir nur, dass wir das Rennen fahren würden."

Alonso: "Sollte das Gleiche machen wie Kimi"

Die Formel 1 habe an diesem Tag bewiesen, dass sie dem Druck der Teilnehmer standhalten könne. "Wenn sie nicht mit dem richtigen Material daherkommen, dann können wir doch nicht die Regeln ändern, nur weil sie nicht vorbereitet sind", sagte Whiting.

Er fragte: "Wie wäre es denn gewesen, wenn es andersherum gewesen wäre? Hätten die Michelin-Teams angeboten, eine Schikane für die drei Bridgestone-Teams zu errichten?"

Indianapolis-Chef George wusch zu diesem Zeitpunkt bereits die Hände, weil sie ihm ohnehin gebunden gewesen seien. "Die FIA veranstaltet diesen Wettbewerb, nicht wir", meint er. "Bei einem IndyCar-Event wären wir vielleicht zu einem anderen Schluss gekommen."

Fernando Alonso

Auch WM-Leader Fernando Alonso muss abbiegen, weil Räikkönen an die Box fährt

Foto: Motorsport Images

Und er habe schon geahnt, was weiter passieren würde: "Unter gar keinen Umständen würde ich da draußen die Zielflagge schwenken und auf einem Podium stehen, wenn mich die Leute mit Bierdosen bewerfen."

Die Entscheidung war also gefallen. Und nach der Einführungsrunde bogen tatsächlich alle Michelin-Fahrer in die Boxengasse ab, nur die sechs Bridgestone-Fahrer gingen ins Rennen. Doch Misstrauen regierte bs zum letzten Augenblick das Geschehen.

"Ich kämpfte mit Kimi [Räikkönen] um den Titel", sagt Renault-Fahrer Fernando Alonso. "Er war Zweiter in der Startaufstellung, ich war Sechster. Und ich hatte die Anweisung, in den Grid zu fahren, wenn er in den Grid fährt, in die Boxengasse zu fahren, wenn er in die Boxengasse fährt. Ich sollte einfach das Gleiche machen wie er, falls er sich im letzten Moment umentscheidet."

"Ihr hättet die Buhrufe hören sollen"

Die Einführungsrunde sei "stressig" gewesen, das Unverständnis allseits groß. "Was am meisten frustriert hat, war, dass Ferrari und FIA eine Änderung der Strecke nicht wollten, obwohl wir ihnen alle Punkte überlassen hätten", meint Sauber-Fahrer Jacques Villeneuve.

"Sie wollten nicht zum Wohle des Sports agieren. Es ist ja nicht so, dass wir nichts hätten machen können. Es ging nur einfach nicht."

Und die Michelin-Teams schauten nur noch zu. "Vermutlich hatte es ihnen Michelin befohlen", meint Formel-1-Rennleiter Whiting später. "Ich war nicht überzeugt gewesen, dass sie sich alle solidarisch zeigen würden, aber sie hatten einen großen Pakt geschlossen. Alle haben sich daran gehalten."

Indianapolis 2005

Die Fans sind aufgebracht und fordern ihr Geld zurück

Foto: Motorsport Images

Doch das Publikum vor Ort in Indianapolis war außer Rand und Band. Der Start sei "schrecklich" gewesen, sagt Whiting nicht ohne Grund. "Ihr hättet die Buhrufe hören sollen. Ich wollte nur noch weg, auch wenn sie es nicht auf mich abgesehen hatten."

"Ich machte mir nur Sorgen, als die ersten Bierdosen in Kurve 1 auf die Strecke flogen. Ich dachte mir: Wenn das so weitergeht, müssen wir das Rennen abbrechen."

Das Rennen aber lief durch, mit sechs Autos. Michael Schumacher siegte vor Ferrari-Teamkollege Rubens Barrichello und erzielte seinen einzigen Saisonsieg. Platz drei ging an Tiago Monteiro im Jordan, der so seinen einzigen Formel-1-Podestplatz erreichte.

"Wir hatten keine Ahnung von den Folgen"

Fall erledigt? Mitnichten! Denn unmittelbar nach dem Rennen fetzten sich Michelin und der Automobil-Weltverband noch einmal ausführlich. Die FIA konnte den Reifenhersteller aber nicht direkt bestrafen, weil Michelin kein Formel-1-Teilnehmer war, sondern nur Lieferant. Am Ende verständigte man sich auf eine Kostenbeteiligung am US-Grand-Prix 2006 zugunsten der Ticketkäufer.

Die sieben Michelin-Rennteams wurden vor das FIA-Gericht bestellt und für schuldig befunden. Begründung: Sie hatten "nicht sichergestellt, im Besitz von passenden Reifen" zu sein und die Fahrer vom Rennfahren abgehalten zu haben, wenngleich es auch "mildernde Umstände" gegeben habe.

Michael Schumacher

Freude sieht anders aus: Michael Schumacher gewinnt vor Rubens Barrichello

Foto: LAT

Tatsächlich ließ man schließlich die meisten Anklagepunkte fallen, wohl auch auf Anraten von Ecclestone, der Wind bekommen hatte von der Rechtsberatung, die Michelin und Co. sich besorgt hatten. Tenor: Wären die Michelin-Teams angetreten, die potenziellen rechtlichen Folgen wären gravierender gewesen.

Michelin gab 2006 in Indianapolis zwar jede Menge Gratistickets aus, der Schaden war aber schon angerichtet: Das Image der Formel 1 hatte erheblich gelitten, die Rennserie war für die meisten US-Fans "unten durch".

"Wir hatten keine Ahnung, was die Folgen sein könnten", erklärt Streckenchef George. "Wir wussten nur, es würden große Folgen sein." Er sollte Recht behalten: Nach 2007 kam die Formel 1 nicht erneut nach Indianapolis und erst 2012 mit dem Circuit of The Americas in Austin zurück in die USA.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Autor Stefan Ehlen