Formel 1 Kanada 2018: Lockerer Sieg für Sebastian Vettel!

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Formel 1 Kanada 2018: Lockerer Sieg für Sebastian Vettel!
Christian Nimmervoll
Autor: Christian Nimmervoll
10.06.2018, 19:54

Toto Wolff tobt: Ferrari-Superstar Sebastian Vettel gewinnt in Montreal auf "Mercedes-Terrain" und nimmt Lewis Hamilton die WM-Führung ab

Sebastian Vettel hat in Montreal den 50. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere gefeiert und die Führung in der Formel-1-WM 2018 zurückerobert. Der Ferrari-Pilot lieferte auf dem Circuit Gilles Villeneuve in Kanada eine souveräne Vorstellung ab und gewann das Rennen 7,4 Sekunden vor Valtteri Bottas (Mercedes). Sein schärfster WM-Rivale Lewis Hamilton (Mercedes) wurde Fünfter.

Das Rennen in Zahlen:

Vettel gewann den Start und hatte in der Folge mit Bottas eigentlich nur einen Gegner. Und auch der hatte sich spätestens in der 56. von 70 Runden erledigt, als sich der Mercedes-Pilot beim Überrunden von Carlos Sainz (8./Renault) im Senna-S verschätzte und fast zwei Sekunden verlor. Damit wuchs der zuvor auf gut drei Sekunden geschrumpfte Abstand wieder auf mehr als fünf Sekunden an - und die Sache war gegessen.

So sieht es jetzt in der WM aus:

"Ich habe gestern schon gesagt, wie viel dieser Ort für Ferrari bedeutet", spielt Vettel auf Ferrari-Legende Gilles Villeneuve an. "So ein Rennen zu erleben, wie wir es heute hatten, ist unglaublich. Und es ist schön zu sehen, wie sich die Menschen hier nach so langer Zeit wieder über einen Ferrari-Sieg freuen." Der bisher letzte war Michael Schumacher im Jahr 2004 gelungen.

Aber es gab nach dem Rennen nicht nur Jubel, sondern auch Aufregung, und zwar um das Model Winnie Harlow, dem die Ehre zuteil wurde, die Zielflagge zu schwenken. Das klappte nicht wie erhofft, denn Harlow zeigte Schwarz-Weiß-Kariert schon nach 68 statt nach 70 Runden. Vettel bremste zum Glück nicht ab, sondern funkte genervt: "Sagt ihnen, dass sie nicht die Zielflagge schwenken sollen, bevor es vorbei ist!"

Sebastian Vettel, Ferrari SF71H, takes the chequered flag at the finish

Sebastian Vettel, Ferrari SF71H, takes the chequered flag at the finish

Foto: Zak Mauger / LAT Images

Im Nachhinein spielte das ohnehin keine Rolle, denn um Diskussionen zu vermeiden, erklärte die FIA das Rennergebnis schon nach 68 Runden für gültig. Das hätte für einen Eklat gesorgt, wenn Vettel zum Beispiel in Runde 70 einen Motorschaden erlitten hätte. Aber die Rennleitung hatte Glück und es kam in den Punkterängen zu keinen Verschiebungen mehr.

Max Verstappen (Red Bull), der in allen drei Freien Trainings Bestzeit erzielt hatte, belegte 8,4 Sekunden hinter Vettel den dritten Platz. Die Hoffnung, durch die weicheren Hypersoft-Reifen am Start im Vorteil zu sein, bewahrheitete sich nicht: Zwar schob sich Verstappen im Senna-S tatsächlich neben Bottas, der hielt aber konsequent dagegen und behauptete den zweiten Platz.

Ein paar Meter weiter hinten war Daniel Ricciardo im zweiten Red Bull konsequenter: Der Australier setzte sich innen neben Kimi Räikkönen und ging am Ferrari vorbei, weil er eingangs Kurve 3 die bessere Innenlinie für sich hatte. Später gewann Ricciardo dank einer sensationellen In-Lap eine weitere Position gegen Hamilton, den er beim einzigen Boxenstopp überholte.

Daniel Ricciardo, Red Bull Racing RB14, leads Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W09

Daniel Ricciardo, Red Bull Racing RB14, leads Lewis Hamilton, Mercedes AMG F1 W09

Foto: Glenn Dunbar / LAT Images

Hamilton - das wurde erst später bekannt - hatte im ersten Stint mit hohen Temperaturen zu kämpfen. Nach dem Boxenstopp hatte Mercedes das im Griff, und so schloss er gegen Ende noch zu Ricciardo auf. Und auch zwischen Bottas und Verstappen wurde es im Kampf um Platz zwei knapp. 1,0 Sekunden waren es auf der "Ziellinie" nach 68 Runden.

"Am Ende wurde das Benzin knapp. Darum kam Max noch einmal nahe", erklärt Bottas. Gegen Vettel hatte er hingegen nie wirklich eine Chance. Zwar kam er gegen Mitte der Stints näher, aber es wirkte zu keinem Zeitpunkt so, als könne er aus eigener Kraft gewinnen. Letztendlich betrug der Rückstand 7,4 Sekunden.

P2 und P5 sei "echt ein scheiß Resultat" für Mercedes, tobt Teamchef Toto Wolff: "Wir haben das ganze Wochenende leichte Fehler reingehauen. Das einzige Gefühl, das ich habe, ist, dass wir jetzt aufwachen müssen. Wir fallen überall zurück." Niki Lauda ergänzt in ähnlich kritischem Tonfall: "Das Gesamtbild ist, dass uns Ferrari überholt hat."

Allerdings gilt das in Montreal nur für Vettel, der mit der neuesten Motoren-Ausbaustufe unterwegs war. Räikkönen mit der älteren kam beim Boxenstopp hauchdünn hinter Hamilton auf die Strecke und verlor bis Rennende trotz der um 16 Runden frischeren Supersofts 5,6 Sekunden. Das macht Hoffnung, dass Mercedes in Le Castellet mit neuem Motor konkurrenzfähiger sein wird.

Esteban Ocon, Force India VJM11, leads Nico Hulkenberg, Renault Sport F1 Team R.S. 18 and Carlos Sai

Esteban Ocon, Force India VJM11, leads Nico Hulkenberg, Renault Sport F1 Team R.S. 18 and Carlos Sai

Foto: Glenn Dunbar / LAT Images

Hinter den drei Topteams schaffte es Nico Hülkenberg irgendwie, die "Reifenfresser"-Charakteristik seines Renault zu beherrschen. Zwar verlor er am Start eine Position gegen Esteban Ocon (Force India), aber durch die smartere Boxenstrategie gingen beide Renault-Piloten am jungen Franzosen vorbei und waren "Best of the Rest".

Sergio Perez (Force India) verlor in einem für kanadische Verhältnisse erstaunlich langweiligen Rennen seine Chance auf Punkte bei einem Zwischenfall mit Sainz im Senna-S, der ihn auf Platz 13 zurückwarf. Perez forderte später die schwarze Flagge (Disqualifikation) für Sainz. Die Rennleitung hingegen sprach keine Strafe aus.

Ebenso wenig wie für die Kollision zwischen Lokalmatador Lance Stroll (Williams) und Brendon Hartley (Toro Rosso) in der ersten Runde. Stroll hatte sich zuvor möglicherweise einen Reifen aufgeschlitzt und rutschte daher in einer Linkskurve nach rechts, wo er Hartley keinen Platz ließ. Der Crash sah spektakulär aus, endete aber glimpflich.

Platz zehn ging an Charles Leclerc (Sauber), der sein Potenzial schon in den Longruns am Freitag angedeutet hatte. Bis Fernando Alonso (McLaren) mit einem überhitzten Auspuff ausrollte, lieferte er sich mit dem Spanier ein spannendes Duell. Alonso fand erst keinen Weg an Leclerc vorbei - und benötigte dafür den Boxenstopp.

Romain Grosjean wurde Zwölfter, Kevin Magnussen (beide Haas) 13. Grosjean fuhr einen extrem langen ersten Stint, konnte daraus aber letztendlich kein Kapital schlagen. Marcus Ericsson (Sauber) wurde 15., Stoffel Vandoorne (McLaren) 16. und Sergei Sirotkin (Williams) 17. Mehr Autos kamen nicht ins Ziel.

In der Fahrer-WM führt nach sieben von 21 Rennen Vettel mit 121 Punkten vor Hamilton mit 120. Bottas liegt mit 86 auf Rang drei, Ricciardo mit 84 auf Rang vier. Bei den Konstrukteuren führt Mercedes (206) vor Ferrari (189) und Red Bull (134). Williams steht bei vier Punkten und ist weiterhin Letzter.

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