Formel-1-Technik: Mercedes' Trick mit dem S-Schacht

Giorgio Piola und Matt Somerfield werfen einen detaillierten Blick auf die diversen Tricks im Zusammenhang mit dem S-Schacht von Mercedes.

Während der vergangenen Wochen war der S-Schacht von Mercedes bereits einige Male Thema unserer technischen Analysen. In Australien kamen jedoch weitere Details über die Funktionsweise ans Licht.

Mercedes W06 front suspension bay
Mercedes W06 front suspension bay

Photo by: Giorgio Piola

Dass bei Mercedes für die Saison 2016 ein S-Schacht auf dem Plan stehen könnte, wurde erstmals am Brasilien-Wochenende 2015 deutlich, als das Team eine Übergangslösung testete.

Der Test wurde im Freien Training in Kombination mit einer veränderten Radaufhängungsgeometrie durchgeführt. Weil dies Einfluss auf die Position der Pedale und der Bremsflüssigkeitsbehälter hatte, ging beim Zurückrüsten auf die Standardkonfiguration viel Zeit verloren.

Die in Brasilien getestete Variante des S-Schachts diente Mercedes dazu, das für 2016 geplante Konzept frühzeitig zu verstehen. Ausgeklügelt war die Testversion allerdings noch lange nicht, wie man an der Beule auf der Nase erkennen kann.

Mercedes W07 new nose
Mercedes W07 new nose

Photo by: Giorgio Piola

Fakt ist: Der S-Schacht am Mercedes F1 W07 ist eine Offenbarung. Schließlich schreibt das Reglement vor, dass es abgesehen vom Zweck der Kühlung des Fahrers in einem festgelegten Bereich der Fahrzeugnase keine Löcher geben darf. Dieser Bereich umfasst die Nasenspitze bis zur imaginären Linie, die 150 Millimeter vor der Vorderachse liegt.

Doch dank eines cleveren geometrischen Tricks, der auch von Force India im Zusammenhang mit den Nasenlöchern angewandt wurde, wird das Reglement ausgetrickst. Im Klartext heißt das: Würde man die Nase an einer beliebigen Stelle aufschneiden, ließe sich kein Loch erkennen.

Mercedes W07 nose, outline
Mercedes W07 nose, outline

Photo by: Giorgio Piola

Wie hat Mercedes das Reglement in diesem Bereich umschifft? Da die Designer die Lufteinlässe an einer wünschenswerteren Position platziert haben, ist der Luftstrom ruhiger. Somit wird auch der Luftstrom im Schacht – das heißt, von unterhalb der Nase bis zur oberen Oberfläche des Chassis – verbessert.

Ferrari F2008 "F" wing hole Spain
Ferrari F2008 "F" wing hole Spain

Photo by: Giorgio Piola

Somit kommt der S-Schacht von Mercedes dem des Ferrari F2008 näher als es für die Lösungen anderer Teams gilt, die seit der Regeländerung im Jahr 2009 eingesetzt wurden.

Die von den beiden unterhalb der Nase angebrachten Lufteinlässen aufgenommene Luft strömt durch den Schacht. Weil der Schacht zweigeteilt ist, wird das Reglement ausgetrickst.

 

Mercedes W07 "S" duct
Mercedes W07 "S" duct

Photo by: Giorgio Piola

Das sogenannte „Vanity Panel“, das neben dem S-Schacht auch Elemente der Radaufhängung verdeckt, weist zwei Löcher auf. Mittels dieser Löcher wird der Luftstrom in Richtung des hinteren Teils des Chassis beruhigt und die Performance dadurch verbessert.

Scuderia Toro Rosso STR11 S duct
Scuderia Toro Rosso STR11 S duct

Photo by: Giorgio Piola

Das Konzept von Toro Rosso ist jenem von Mercedes ganz ähnlich. Auch beim STR11 gibt es dank eines Tricks Lufteinlässe im eigentlich vom Reglement verbotenen Bereich.

Anders als bei Mercedes hat man sich bei Toro Rosso aber für vier Einlässe entschieden. Die beiden kleineren dienen der Kühlung des Fahrers und der Elektronik. Die beiden größeren leiten die Luft in den Schacht. Aus diesem tritt sie an der oberen Oberfläche der Nase wieder aus.

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