Formel-1-Technik: Was noch alles im Red Bull RB18 steckt

Die spektakulären Seitenkästen fallen auf, aber da steckt noch mehr innovative Technik im Red Bull RB18, dem neuen Formel-1-Auto von Max Verstappen für 2022

Formel-1-Technik: Was noch alles im Red Bull RB18 steckt

Vor allem die ungewöhnlich geformten Seitenkästen fallen auf am Red Bull RB18. Doch das neue Formel-1-Auto von Max Verstappen und Sergio Perez für die Saison 2022 hat auf den zweiten Blick noch viel mehr innovative Technik zu bieten. Höchste Zeit also, dass wir uns den Rennwagen noch einmal genauer ansehen!

Und wir fangen hinten an beim RB18, bei seinem Heckflügel. Darunter ist ab diesem Jahr wieder ein sogenannter Beam-Wing erlaubt. Hier geht Red Bull seinen ganz eigenen Weg (großes Bild oben), während alle anderen Teams Lösungen präsentiert haben, wie sie schon die Formel 1 selbst in ähnlicher Form bei ihrer Designstudie im Sommer 2021 vorgestellt hatte (kleines Bild).

Red Bull ordnet beim RB18 zwei Beam-Wing-Elemente übereinander an. Das untere Flügelelement ist dabei deutlich stärker angestellt. Damit soll das Zusammenspiel zwischen Beam-Wing und Diffusor verbessert werden. Das obere Element dient indes hauptsächlich dazu, den Luftstrom zwischen Heckflügel oben und Diffusor unten zu glätten.

Mit diesem Ansatz scheint Red Bull an seine Ideen aus der Saison 2013 anzuknüpfen. Das war das letzte Jahr, in dem Beam-Wing-Konstruktionen in der Formel 1 erlaubt waren. Das Reglement verbot Beam-Wings zur Saison 2014. Die Wiedereinführung erfolgte zur Saison 2022.

Hinterachse des Red Bull RB9 aus der Saison 2013, bevor der Beam-Wing verboten wurde

Hinterachse des Red Bull RB9 aus der Saison 2013, bevor der Beam-Wing verboten wurde

Foto: Giorgio Piola

Ein Wandel ist auch bei der Aufhängung des RB18 zu erkennen: Bisher hat Red Bull Schubstangen an der Vorderachse und Zugstangen an der Hinterachse verwendet. In der Saison 2022 tritt das Team aber mit der genau umgekehrten Variante an: Vorne Zugstangen, hinten Schubstangen. Das ist alleine schon deshalb interessant, weil Red Bull und Adrian Newey als Pioniere des bisherigen Ansatzes gelten.

Nicht vergessen: Als Red Bull beim RB5 in der Saison 2009 auf Zugstangen an der Hinterachse setzte, wurde das allgemein als die beste Lösung aufgefasst und von allen anderen Teams im Feld der Formel 1 alsbald kopiert.

Warum nun also der Schritt zurück zu Schubstangen an der Hinterachse? Vor allem die Aerodynamik dürfte hier ausschlaggebend gewesen sein. Denn mit dem neuen Konzept gelingt es Red Bull, die Aufhängungsteile so zu positionieren, dass sie die Gestaltung des nach hinten ansteigenden Unterbodens nicht behindern. Die weiteren Formel-1-Regeln für den Heckbereich stützen die Maßnahme ebenfalls.

Eine Folge der Umstellung ist: Mehr Gewicht liegt jetzt höher im Auto, was Red Bull aber als Kompromiss hinzunehmen scheint, zumal innenliegende Aufhängungsteile nun besser von außen erreichbar sind, sollten zum Beispiel Set-up-Änderungen erforderlich werden.

Die Vorderrad-Aufhängung des Red Bull RB18 mit durchgängiger Strebe am oberen Querlenker

Die Vorderrad-Aufhängung des Red Bull RB18 mit durchgängiger Strebe am oberen Querlenker

Foto: Giorgio Piola

An der Vorderachse des Fahrzeugs müssen wir uns nicht nur über die Zugstangen-Auslegung unterhalten, sondern auch über weitere Neuerungen wie zum Beispiel den Verstellmechanismus, der jetzt mittig auf der Zugstange liegt, damit die Mechaniker gut darauf zugreifen können (kleines Bild, blauer Pfeil).

Damit kommen wir zu den Querlenkern, und auch hier wird es interessant: Eine Strebe der Querlenker wird nämlich komplett durch das Chassis hindurchgeführt (roter Pfeil), wie schon beim Vorjahresauto RB16B. Aufgrund des Schubstangen-Zugstangen-Wechsels aber steht das Teil jetzt im Vergleich auf dem Kopf: Nicht die vordere Strebe des unteren Querlenkers wird durch das Auto geführt, sondern die des oberen Querlenkers.

Spannend: Bei beiden Querlenkern an der Vorderachse sind die hinteren Ansetzpunkte am Chassis nicht auf gleicher Höhe zu finden wie die vorderen. Das hat aerodynamische Auswirkungen auf den Luftstrom, der hier auf das Fahrzeug trifft. Red Bull könnte damit auch versuchen, das Fahrzeugverhalten auf der Bremse zu verbessern.

Der Splitter am Red Bull RB18 mit dem deutlich sichtbaren Einschnitt vorne

Der Splitter am Red Bull RB18 mit dem deutlich sichtbaren Einschnitt vorne

Foto: Giorgio Piola

Auffällig ist außerdem eine schmale, senkrechte Öffnung an der Vorderseite des Splitters, der unter der Frontpartie des RB18 zu finden ist (roter Pfeil). Auch andere Teams nutzen solche Schlitze in ihren Konstruktionen, wahrscheinlich zur Kühlung von Komponenten, die sich dahinter befinden.

In den meisten Fällen wird es sich dabei um Elektronik handeln. Red Bull aber hatte in der Saison 2021 an dieser Stelle einen zusätzlichen Öltank untergebracht.

Beim Zurückschieben in die Box hat das Team ein Kühlgerät an diesem Schlitz platziert (kleines Bild, blauer Pfeil). Dieses Kühlgerät verfügt über zwei Arme (grüner Pfeil), an denen wiederum die Kühlgeräte für die Bremsschächte fixiert werden können, wenn das Auto an der Box steht.

Mit Bildmaterial von Giorgio Piola.

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