George Russell: "Emotional brutale" F1-Momente haben mich stärker gemacht

George Russell nennt vier Schlüsselmomente der letzten zwei Formel-1-Jahre, die emotional "ziemlich brutal" waren, ihn aber rückblickend vor allem gestärkt haben

George Russell: "Emotional brutale" F1-Momente haben mich stärker gemacht

Für seine neue Aufgabe, in der Formel-1-Saison 2022 zum ersten Mal mit einem echten Topteam anzutreten, sieht sich Mercedes-Pilot George Russell auch wegen der Rückschläge, die er in den vergangenen zwei Jahren einstecken musste, gut gerüstet. Sie hätten ihn zu einem stärkeren Fahrer gemacht, sagt der Brite.

Russells Leistungen bei Williams, wo er drei Jahre fuhr, brachten ihm im gesamten Fahrerlager große Anerkennung ein und überzeugten Mercedes, ihn fünf Jahre nach seinem Eintritt in das Nachwuchsprogramm für einen Stammplatz zu verpflichten.

Im letzten gemeinsamen Jahr mit Williams sorgte Russell mit seinen Leistungen in Ungarn (8.), Belgien (2.), Italien (9.) und Russland (10.) für Höhepunkte und reichlich Punkte auf dem Konto, und das nach einigen bitter verpassten Chancen in den vorangegangenen zwei Jahren seit seinem Eintritt in das Team 2019.

Diese vier Rennen stechen für Russell heraus

In Bezug auf seine Entwicklung während seiner dreijährigen Tätigkeit bei Williams betont Russell, wie wichtig es war, Rückschläge schnell zu überwinden, und macht dabei ein paar Momente aus, die "herausstechen" - darunter den Toskana-Grand-Prix 2020.

Das damalige Rennen in Mugello nennt er als eines, das "wahrscheinlich für viele Leute unter dem Radar blieb", nachdem er spät aus den Punkterängen herausfiel. Es wäre sein erstes Punkteergebnis gewesen und das erste für Williams seit Deutschland 2019.

"Wir hatten einen wirklich starken Start, und dann gab es den Zwischenfall, und ich war eigentlich für den Großteil des Rennens in den Punkten", blickt der Brite zurück.

Russell: "War wirklich hart nach diesem Rennen"

"Ich glaube, ich lag die meiste Zeit auf Platz zehn. Und dann musste (Charles) Leclerc (Anm. d. R.) aus irgendeinem Grund an die Box. Er holte nicht mehr auf, also lag ich während der roten Flagge für (Lance) Strolls Zwischenfall auf Platz neun."

"Dann hatte ich einen schlechten Restart, und es fühlte sich an, als wäre das unsere einzige Chance in diesem Jahr gewesen, denn bis dahin hatten wir nicht wirklich eine Chance. Es war, als wäre die Chance einfach weg und wir würden sie nie wieder bekommen. Das war wirklich hart nach diesem Rennen", gibt Russell zu.

Der Williams-Pilot nennt zudem den Grand Prix der Emilia Romagna in Imola 2020 als einen weiteren harten Moment, "aus offensichtlichen Gründen", nachdem er auf Platz zehn liegend hinter dem Safety-Car einen Unfall baute und ausfiel.

Erster Einsatz für Mercedes: Fluch und Segen

Auch den bisher einzigen Grand Prix, den Russell für Mercedes bestritt, hat er in besonderer Erinnerung. Im Dezember 2020 ersetzte er den an Corona erkrankten Lewis Hamilton in Sachir und erhielt die Chance, kurzzeitig in das führende Formel-1-Team aufzusteigen und sich im Weltmeisterauto zu beweisen.

Russell qualifizierte sich damals als starker Zweiter und dominierte das Rennen, bevor ein Fehler von Mercedes und ein später Reifenschaden ihn um den möglichen Sieg brachten. Heute spricht er von einer "emotionalen Achterbahnfahrt".

"Alles, was in dieser Woche passierte, das Rampenlicht, die ständige Überprüfung meiner Leistung, die Menge an Arbeit, die nötig war, um allein den Sitz anzupassen und alle Abläufe zu lernen, die Arbeit mit den Ingenieuren, um die Knöpfe am Lenkrad zu bedienen und das Auto zu verstehen - das war verdammt viel."

Russell kann ohne Frust und Groll zurückblicken

"Das war schon sehr kräftezehrend", räumt Russell ein und ergänzt: "Offensichtlich sah das Rennen ziemlich gut aus, und alles war zu einem bestimmten Zeitpunkt unter Kontrolle. Dass es mir dann einfach so entglitten, war ziemlich schwierig."

Und schließlich erinnert sich Russell noch an seinen Crash in Imola 2021 als weiteren Moment, von dem er sich erholen musste. Damals kollidierte der Brite mit Valtteri Bottas, während er um den neunten Platz kämpfte, und musste das Rennen aufgeben.

"Das sind die vier Momente in meinen drei Jahren, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind, die emotional ziemlich brutal waren", rekapituliert Russell. "Ich musste einfach lernen, damit umzugehen. Aber ich blicke ohne Frustration und ohne böse Gefühle zurück, denn all das hat mich zu einem stärkeren Fahrer gemacht."

Mit den ersten Punkten klappte es für Russell 2021 in Ungarn, nachdem das Team vom Chaos beim Start profitiert hatte, um beide Autos in die Top 10 zu bringen. In Belgien schaffte es Russell sogar aufs Podest: Seinen bärenstarken zweiten Startplatz behielt er dank chaotischer Bedingungen hinter dem Safety-Car bei.

Weitere Punkte folgten in Italien und Russland, womit er am Ende der Saison insgesamt 16 Zähler sammelte und damit das erfolgreichste Jahr für einen Williams-Fahrer seit 2018 absolvierte. Das Team beendete die Konstrukteurswertung auf Platz acht.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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